Region Ybbs: Mafia-Methoden im Ort. Wegen Verleumdung und falscher Beweisaussagen mussten sich zwei Männer vor Gericht verantworten. Hauptthema war die Drohung mit einem abgetrennten Körperteil.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 13. März 2020 (04:12)
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Dubiose Käufer, Firmen im Ausland, Provisionen in Millionenhöhe und ein abgetrennter Finger: Nein, hier handelt es sich nicht um ein Drehbuch für einen Krimi. Sondern um eine Gerichtsverhandlung in St. Pölten. 

Zwei Männer mussten sich wegen Verleumdung und falscher Beweisaussagen verantworten. Der Inhaber einer Firma in der Region Ybbs und sein Rechtsanwalt sollen in einer vorangegangen Verhandlung behauptet haben, dass der ehemalige Geschäftsführer des Betriebes ihnen gedroht habe und eine Liaison mit der Prokuristin gehabt habe. Doch wie kam es dazu, Richterin Doris Wais-Pfeffer hakte nach: „Im Jahr 2016 sollte die Firma verkauft werden und es sollen Provisionsbeträge von bis zu zwei Millionen Euro versprochen worden sein. Stimmt das?“ „Mein damaliger Geschäftsführer hatte Kontakt zu einem russischen Käufer, der hätte 65 Millionen Euro gezahlt. Doch es kam nie zu einem Treffen. Falls der Deal abgewickelt worden wäre, dann hätte er 800.000 Euro bekommen und meine damalige Sekretärin, die auch als Geschäftsführerin fungierte, zwei Millionen“, erklärte der Angeklagte. Die Sekretärin und er waren sehr vertraut zu dieser Zeit, so der Beschuldigte, und sie war bei allen Schritten immer dabei.

„Wenn kein Geld fließt ist der Finger ab“

„Da es aber nie zu einem Abschluss kam, gab es auch keine Auszahlungen“, beteuert er. Dies sollte er teuer bezahlen. „Eines Tages spazierte mein Geschäftsführer in mein Büro und hielt mir einen abgeschnittenen Finger unter die Nase“, erzählt er. Mit den Worten „Das passiert, wenn man nicht zahlt“  verließ er wieder den Raum. Bei diesem Vorfall war auch der Rechtsanwalt der Firma und die Sekretärin anwesend. „Ich kannte mich aus, was er mir damit sagen wollte“, versicherte der Angeklagte. Der Geschäftsführer zu dieser Anschuldigung: „Das ist alles erfunden. Die sind nur sauer, weil ich sie bei der Finanzpolizei angezeigt habe.“

Bei der Urteilsverkündung teilte die Richterin mit: „Die beiden Angeklagten werden frei gesprochen, es gab nicht ausreichend Sicherheiten dafür, dass sich alles nicht so abgespielt hat.“ Das Urteil ist rechtskräftig.