Bezirk Melk: Krisenstimmung bei den Fußballklubs. Den Bezirksvereinen drohen Heimspiele ohne Publikum. Das sorgt für gehörigen Unmut – insbesondere bei Kilb, Melk und Ybbs.

Von Wolfgang Wallner und Michael Bouda. Erstellt am 30. September 2020 (04:50)
Spiele vor leeren Rängen? Bleibt es bei der Ampelfarbe „Orange“ blüht dies den Bezirksklubs vom Melker Schuberth-Stadion über Kilb und Ybbs bis in die 2. Klassen.
Bouda

Zeigt die Corona-Ampel im Bezirk orange, dürfen keine Zuschauer mehr auf den Sportplatz. Mit dieser Verschärfung hat Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (VP) für Aufregung in der Fußballszene gesorgt. Die Verschärfungen werden seitens der Landesregierung als gesundheitspolitisch notwendig zur Verhinderung eines Lockdowns bezeichnet.

Bis zur Ampelfarbe Gelb gelten die Maßnahmen des Bundes. Ab „Orange“ werden in NÖ strengere Regelungen vorgeschrieben. So darf dann bei Sportveranstaltungen kein Publikum mehr anwesend sein. Ausgenommen sind die Angehörigen, beispielsweise bei Nachwuchsfußballspielen. Von dieser Maßnahme ebenfalls nicht betroffen ist die Bundesliga, wo Zuschauer weiterhin zugelassen sind.

„Ohne Zuschauer zu spielen, macht für uns überhaupt keinen Sinn. Da können wir die Saison auch gleich abbrechen.“Alfred Konrad, SC Melk

In Kraft treten die neuen Bestimmungen ab Montag (5. Oktober). Für ihren Geltungsbereich wird dabei die aktuelle Ampelschaltung der Coronakommission berücksichtigt. Sie tagt am Donnerstag.

Im Bezirk Melk steht die Ampel auf Orange. Die Verschärfung, ab 5. Oktober vor leeren Rängen spielen zu müssen, hat für eine Welle der Entrüstung bei den Bezirksklubs gesorgt – insbesondere bei den drei Landesligisten Kilb, Melk und Ybbs.

Angefangen beim höchsten Verein, dem SCU Kilb. Bleibt die Ampel auf orange, war das 2:2 gegen Kottingbrunn am vergangenen Freitag die letzte Partie des 1. Landesligisten vor Zuschauern. Das nächste Heimspiel gegen Retz am 9. Oktober wäre bereits betroffen. „Das ist eine Katastrophe für uns wie für alle anderen Vereine“, macht SCU-Sektionsleiter Thomas Hochauer seinem Ärger Luft. Es sei sogar noch einmal eine Verschlechterung im Vergleich zum Frühjahr, als die vergangene Meisterschaft abgebrochen wurde und überhaupt keine Spiele stattfanden. „Das ist noch schlechter als im März. Damals hatten wir immerhin keinen Aufwand, jetzt sind aber alle Ausgaben da, aber null Einnahmen. Das kann nicht funktionieren“, moniert Hochauer.

Keinerlei Verständnis hat man auch in der Bezirkshauptstadt Melk. Die Löwen (2. Landesliga West) können bei einer weiteren Orange-Einstufung nur noch ihr nächsten Heimspiel gegen Rabenstein am Freitag dieser Woche vor 250 Zuschauern bestreiten. „Wenn wir ohne Zuschauer spielen müssen, ist das eine Katastrophe“, zürnt Melks Sportlicher Leiter Alfred Konrad. „Wenn wir keine Einkünfte aus den Eintritten oder aus der Kantine haben: Wie lange geht das?“, fragt Konrad, um die Frage gleich darauf zu beantworten: „Das geht unmöglich.“

Beim SC Melk hofft man, dass neue Optionen wie das Tragen einer Maske oder das Verbieten der Ausschank nach dem Match das Spielen vor Publikum doch noch ermöglichen könnte. „Wir werden diesbezüglich Konzepte erstellen“, kündigt Konrad an. Sollte es dabei bleiben, sieht er schwarz: „Ohne Zuschauer zu spielen, macht für uns überhaupt keinen Sinn. Da können wir die Saison auch gleich abbrechen.“

Nicht minder enttäuscht ist man bei Ligakonkurrent Ybbs. „Das hat uns sehr getroffen, als wir von der Verschärfung erfahren haben“, seufzt ASK-Sek tionsleiter Daniel Holzer.

Bereits viel Arbeit und Zeit investiert

Ihm stößt dabei besonders sauer auf, dass man bereits viel Zeit investiert hat, um die bisherigen Anforderungen zu erfüllen – von der Nummerierung der Sitzplätze über die Schaffung eines zweiten Eingangs bis zur Einteilung der Wüsterstrom-Arena in Sektoren.

„Das Problem ist“, ärgert sich Holzer, „dass der Amateurfußball von Zuschauern und Einnahmen lebt. Ein bis zwei Spiele könnte man rüberbringen, aber ob das der Sinn von Amateurfußball ist, ist zu hinterfragen.“ Denn schließlich gehe es im Amateurbereich nicht nur um die Punktejagd oder das Ermitteln eines Meisters. „Man spielt ja auch Fußball für die Leute“, schüttelt Holzer den Kopf.

Für die Ybbser kommt es bei einem Zuschauerverbot besonders bitter: Das nächste Heimspiel am 10. Oktober ist ausgerechnet das Derby gegen Melk – traditionellerweise ein Zuschauermagnet und Garant für vergleichsweise hohe Einnahmen an der Eintrittskassa wie bei der Kantine.

Loosdorf aktuell mit ganz anderen Sorgen

Mit zwei positiven Coronafällen und insgesamt zehn Spielern in Quarantäne hat der ASK Loosdorf derzeit auf einem anderen Gebiet zu kämpfen (siehe dazu auch meinfussball.at, unseren NÖN-Fußballcorner!).

Trotzdem, oder gerade deswegen, macht sich der Sportliche Leiter Andi Heher auch in puncto Verschärfungen seine Gedanken. „Also Sinn macht das Ganze auf diese Art keinen mehr. Das Problem ist, dass es sicher noch andere Vereine mit positiven Fällen erwischen wird“, sagt der Funktionär des 1.-Klasse-Klubs. „Auf der einen Seite gibt es keine Einnahmen mehr, auf der anderen gehen sich aber die Spiele terminlich auch nicht mehr aus“, erklärt er.

Umfrage beendet

  • Sind Geisterspiele im Amateurfußball für euch denkbar?