Krematorium des KZ Melk: Der lange Weg zum Denkmal

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:18
Lesezeit: 3 Min
Die Stadt und das Land wollten das ehemalige Krematorium des KZ Melk abreißen. So wurde das Gebäude gerettet.
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Am 12. Jänner 1962 beschloss die Regierung auf Antrag von Innenminister Josef Afritsch, das ehemalige Krematorium des KZ-Außenlagers Melk als „öffentliches Denkmal“ zu widmen. Der Erhalt des Gebäudes, in dem zwischen Dezember 1944 und Mitte April 1945 rund 3.500 ermordete Häftlinge des KZ-Außenlagers Melk verbrannt worden waren, war lange umkämpft.

Die Stadt Melk und das Land NÖ plädierten wiederholt für einen Abriss, der NÖ KZ-Verband und die französische Häftlingsorganisation „Amicale de Mauthausen“ kämpften hartnäckig – und letztlich erfolgreich für den Erhalt. „Ab 1946 kamen jährlich Gruppen aus Frankreich nach Melk und führten Gedenkfeiern durch. Dabei stieß ihnen der schlechte Zustand des Gebäudes sauer auf“, erzählt Christian Rabl, wissenschaftlicher Leiter des Zeithistorischen Zentrums Melk.

1960 forderte der damalige Bürgermeister Karl Schmid den Abriss. Es waren drei Argumente, die aus Sicht der Stadt für den Abriss sprachen: „Erstens sahen sich weite Teile der österreichischen Gesellschaft als Opfer der Nazis und fühlten sich weder für NS-Verbrechen noch für das Leid der KZ-Häftlinge verantwortlich. Zweitens war man der Ansicht, die Existenz des Gebäudes sei schädlich für den Fremdenverkehr und drittens hielt man ein repräsentatives Denkmal für günstiger.“ Doch die Interventionen der Häftlingsverbände retteten das Gebäude.

Verein Merkwürdig will Ausstellung neu gestalten

„Die Melker selbst nahmen von der KZ-Gedenkstätte jahrzehntelang kaum Notiz, lediglich offizielle Vertreter von Stadt und Land NÖ kamen zu den Gedenkfeiern der Häftlingsorganisationen“, berichtet Rabl. Diese formten über die Jahre jenes Bild, das sich Besuchern heute zeigt: Im Gartenbereich und im großen Gedenkraum finden sich Gedenktafeln. „Diese sind Ausdruck der Aneignung durch die Nachkommen der Melker KZ-Opfer, denn für sie hat das Krematorium primär die Funktion eines Friedhofs.“ In den 1980er-Jahren begann in Melk die kritische Aufarbeitung der NS-Zeit.

Die Stollenanlage in Roggendorf wurde erforscht, auch der Melker Kultur- und Museumsverein nahm sich des Themas an, bei Gedenkfeiern wurden Schüler aktiv eingebunden. Die wissenschaftliche Erforschung der Lagergeschichte durch Bertrand Perz führte 1992 zur Umsetzung einer Dauerausstellung. Seit einigen Jahren wird die Gedenkstätte vom 1994 gegründeten Verein Merkwürdig betreut, der auch künftig viel vor hat, wie Rabl erläutert: „Die weitere Etablierung unserer Vermittlungsarbeit für Schüler und Grundwehrdiener, die würdige Pflege und Erhaltung der Gedenkstätte sowie die Neugestaltung der Dauerausstellung sind zentrale Aufgaben.“

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