Schauspiel-Popstar Philipp Hochmair im Interview. Schauspiel-Popstar Philipp Hochmair beehrt mit „Jedermann Reloaded“ die Wachaubühne. Mit der NÖN sprach er über die Sinnfrage, Proben und seine Werkinterpretation.

Von Markus Glück und Nina Fahrnberger. Erstellt am 10. Juli 2019 (10:27)
Heike Blenk
Philipp Hochmair gastiert auf der Wachaubühne.

Am 14. Juli, 17 Uhr und 20.15 Uhr, steht mit Philipp Hochmair der Popstar der österreichischen Schauspielszene mit „Jedermann Reloaded“ auf der Wachaubühne.

NÖN: Seit 2013 beschäftigen Sie sich mit dem Stück „Jedermann“. Woher kommt Ihre Begeisterung für das Stück?

Philipp Hochmair: Mich berührt die Geschichte zutiefst. Das Stück ist ganz klar und zeitlos. Der reiche und scheinbar unverwundbare Jedermann muss plötzlich am Höhepunkt seines Lebens sterben. Er bekommt eine letzte Stunde geschenkt, um Bilanz zu ziehen. Gerade in unserer Zeit, in der sich aufgrund der Flüchtlingskrise, der Digitalisierung und des Klimawandels ganz neue Fragen nach unseren Werten auftun, wird die Dringlichkeit der Sinnfrage wieder ganz aktuell. Da bietet das Stück „Jedermann“ einen sehr guten Denkanstoß.

Was möchten Sie dem Publikum mit der modernen Variante vermitteln?

Hochmair: Wir sind alle im selben Boot. Jeder ist Jedermann. Das Stück soll dazu anregen, nachzudenken, wie wir uns verhalten würden, wenn wir – trotz aller Möglichkeiten und allem Reichtum – nur noch eine Stunde zu leben haben.

Warum haben Sie beschlossen, dass Werk neu zu interpretieren?

Hochmair: Ich wollte eine moderne, ganz persönliche Entsprechung für das mittelalterliche Stück finden und auch ein anderes Publikum als in Salzburg ansprechen. Der Text in meiner Aufführung ist der Originaltext von Hofmannsthal, ein bisschen gekürzt. Und statt der klassischen Theatersituation befinden wir uns in einem Rockkonzert: Der Frontman der Band erlebt das Schicksal von Jedermann. Er muss während seines Auftritts sterben.

NÖN: Sie schlüpfen bei „Jedermann Reloaded“ in die verschiedenen Rollen. Wie verlaufen die Proben, wenn es nur einen Darsteller gibt, der einen Monolog führt?

Hochmair: Ich spiele eigentlich alle Rollen des Stücks. Ein Mikrofon gehört dem Jedermann und das zweite ist für alle anderen. Die Idee, das Stück zu entschlacken, war von Anfang an mein Ziel. Die Proben mit der Band waren natürlich sehr spannend. Ich habe damals praktisch das ganze Stück auswendig gelernt und die Musiker haben zu meinem Vortrag improvisiert. So haben wir eine Form entwickelt, die flexibel ist und sich an die Spielräume anpassen kann.

Nur so konnten wir im letzten Jahr zeitgleich an so besonderen Orten wie zum Beispiel im Stephansdom oder im Burgtheater auftreten.