Bezirk Melk: Jäger investieren in Nachtsichtgeräte. Waffengeschäfte haben trotz Corona durchgehend geöffnet. Erhöhte Nachfrage bei Equipment für nächtliches Jagen spürbar.

Von Denise Schweiger und Michael Bouda. Erstellt am 13. Januar 2021 (05:29)
Bernhard Glöckl betreibt seit neun Jahren sein Waffengeschäft „Precision Shooting“ im Melker Schützenhaus. Daneben leitet er auch Kurse und Seminare, gibt Interessierten Schießunterricht.
Ernst Brantner, privat

Das magische Wörtchen „systemrelevant“ entscheidet seit dem Ausbruch der Coronapandemie, welche Handelsbetriebe geöffnet haben dürfen und welche nicht.

Bernhard Glöckl betreibt seit neun Jahren sein Waffengeschäft „Precision Shooting“ im Melker Schützenhaus. Daneben leitet er auch Kurse und Seminare, gibt Interessierten Schießunterricht.
ErnstBrantner, privat

Während Bücher, Sportgeräte oder etwa Elektronikartikel derzeit wieder nur online bestellt werden können, ist Bernhard Glöckls Shop „Precision Shooting“ in Melk nach wie vor – unter Berücksichtigung der Schutzmaßnahmen – geöffnet. Das Waffengewerbe ist schließlich als systemrelevantes Business eingestuft worden.

Das Meinungsforschungsinstitut Branchenradar verzeichnet bundesweit ein Plus von zehn Prozent bei Waffenkäufen – vorrangig aufgrund der waidmännischen Tätigkeit.

Im Bezirk stieg die Zahl der registrierten Waffen im Vergleich zum Vorjahr indes nur marginal: 2020 legten sich 534 Personen Waffen zu, das entspricht einem Plus von rund 4,9 Prozent. Der Großteil der insgesamt 12.165 registrierten Waffen im Bezirk ist im Besitz von Männern, nur rund 6,2 Prozent davon gehen auf Waffenbesitzerinnen zurück (siehe ganz unten).

„Die persönliche Beratung und Expertise sind beim Waffenkauf natürlich unerlässlich.“ Bernhard Glöckl

Bezirksjägermeister Robert Wurzer kann sich auf NÖN-Anfrage den Zuwachs nicht erklären: „Die Jäger müssen nicht Bescheid geben, wenn sie sich neues Equipment zulegen. Ich persönlich hätte nichts in diese Richtung vernommen.“

Nachgefragt bei Glöckl könne er ebenso von keinem erhöhten Absatz von Waffen oder Munition berichten. „Der Verkauf ist eigentlich sogar eher zurückgegangen“, gibt er Einblick. Verstärkte Nachfrage habe es aber bei der Nachtsichttechnik gegeben: „Das liegt an der forcierten Schwarzwildbejagung, um eine Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest einzudämmen.“

Glöckl, der sein Geschäft seit 2012 im Melker Schützenhaus betreibt, nutze die Zeit während des Lockdowns, um einen Online-Shop zu etablieren. „Diverses Zubehör und Jagdutensilien sollen direkt verschickt werden, Waffen gibt‘s natürlich nur bei persönlicher Abholung, verschickt werden sie nur an weitere Waffenhändler“, betont Glöckl, dass es sich beim Online-Angebot aber „nur um eine Ergänzung“ handle.

„Die persönliche Beratung und Expertise sind natürlich unerlässlich“, ist der Händler, der sich selbst leidenschaftlich dem Schießsport widmet und auch Kurse gibt, überzeugt. Coronabedingt kam es dabei aber auch zu Einschnitten.

„Der Schießstand war mitunter drei Monate geschlossen, viele Kurse, etwa die Seminare des Landesjagdverbandes, sind komplett ausgefallen. Schießunterricht war auch nur im Sommer möglich“, verweist er etwa auf die Jungjäger-Ausbildung, die sich aufgrund der Schutzmaßnahmen verschoben hatte.

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