Fünf Fragen an die Spitzenkandidaten des Wahlkreises. Die Spitzenkandidaten des Wahlkreises Thermenregion stellten der NÖN "Rede und Antwort"

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. September 2019 (03:03)
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Warum glauben Sie, dass Sie der geeignete Kandidat/die geeignete Kandidatin für den Nationalrat sind? Was fasziniert Sie an der Politik?


Georg Strasser, Nationalratsabgeordneter, Nöchling (Bezirk Melk), ÖVP: Ich bin zufrieden, wenn es anderen Menschen durch meine Entscheidungen besser geht und ich weiterhelfen kann. Politik ist für mich kein Selbstzweck. Politik ist mein Ansporn, für Menschen am Land und in den Gemeinden Dinge in die richtige Richtung zu bewegen.

Alois Schroll,  Bürgermeister, Ybbs (Bezirk Melk), SPÖ: Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und seit ich vor 20 Jahren in die Politik gegangen bin, war für mich klar, dass ich etwas für und mit den Menschen auf regionaler Ebene und auf Bundesebene leisten will. Für mich zählt Bürgernähe. Politiker müssen zuhören, was unsere Bürger bewegt.

Edith Mühlberghuber, FPÖ, Haidershofen (Bezirk Amstetten): Ich engagiere mich gerne für meine Mitbürger, will mitgestalten und möchte vor allem für unsere Familien weiterhin etwas zum Positiven verändern.

Magdalena Brottrager,  NEOS, Euratsfeld (Bezirk Amstetten): An Politik begeistert mich der Wille, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen, den Menschen Chancen zu geben, um ihre Ziele erreichen zu können. Es geht darum, mutig und klar Themen anzusprechen, um ehrliche Lösungen für die Zukunft anzupacken. Dafür setze ich mich ein.

Bernhard Seidel, Liste Jetzt, Persenbeug-Gottsdorf (Bezirk Melk): Ich habe mich bereits 1985 für ein politisches Amt beworben und damals bemerkt, dass die Begriffe Umwelt und Ökologie von Grünpolitikern falsch verstanden werden. Von allen heutigen Politikern unterscheidet mich, dass ich als Experte im Umweltbereich Erfahrung habe.

Bettina Schneck, Gemeinderätin, Melk (Bezirk Melk), Grünen: Klimaschutz braucht eine starke Stimme im Parlament. Das ist meine tiefe Überzeugung und dafür stehen wir Grünen. Alles, was Politik abdeckt, ist eng miteinander verwoben: Ein Thema steht nie für sich allein.

Was hat Sie in den vergangenen zwei Jahren der türkis-blauen Regierung am meisten beeindruckt/am meisten geärgert?

Georg Strasser (ÖVP): Wir haben viele Projekte wie etwa die Steuerentlastung, das Ende der Schuldenpolitik, eine Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken oder auch den Familienbonus geschafft. In jeder Beziehung gibt es Licht und Schatten. Wir hätten noch viel vorgehabt.

Alois Schroll (SPÖ): Wir Politiker sind dazu aufgefordert, für alle Menschen da zu sein. Arbeitnehmer und Arbeitgeber gehören gleichermaßen berücksichtigt. Die einseitige Handhabe der türkis-blauen Regierung ist in meinen Augen verwerflich.

Edith Mühlberghuber (FPÖ): Wie es auch die Bevölkerung empfunden hat: Es ist für Österreich gearbeitet worden, es ist etwas weitergegangen, es ist nicht gestritten worden. Am meisten geärgert hat mich natürlich, dass die Kurz-ÖVP die Regierung platzen hat lassen!

Magdalena Brottrager (NEOS): Sehr geärgert hat mich das ständige Verschieben roter Linien, die in einer Demokratie nicht angerührt werden sollen: Pläne der Regierung zu einer Präventivhaft, Informationen nur für ausgewählte Medien – vom Stundenlohn für Asylwerber von 1,50 Euro gar nicht zu sprechen.

Bernhard Seidel (Liste Jetzt): Beeindruckt hat mich, dass sich ein junger, nur politisch ausgebildeter Mann zwei Jahre als Kanzler halten konnte. Geärgert haben mich die sogenannten „Einzelfälle“ und dass ein Vizekanzler die Republik verscherbeln und den freien Journalismus untergraben wollte.

Bettina Schneck (Grüne): Diese Regierung hat den Klima- und Umweltschutz gröblich vernachlässigt und das Vertrauen in politische Institutionen erschüttert.

Welches Hauptthema steht für Sie ganz persönlich für den Wahlkreis Mostviertel im Mittelpunkt? Wofür wollen Sie sich ganz besonders einsetzen, wenn Sie in den Nationalrat kommen?

Georg Strasser (ÖVP): Ich will vitale Regionen, in denen sich die Menschen wohlfühlen und Arbeit finden. Dafür braucht es Breitbandausbau und eine gute Infrastruktur. Wesentlich ist für mich auch die Versorgung mit hochqualitativen Lebensmitteln mit einer klaren Kennzeichnung der Produkte.

Alois Schroll (SPÖ):  Als Bürgermeister sind für mich vier Themen wichtig, die ich künftig auf Bundesebene weitertragen möchte: Gesundheits-Nahversorgung, Verbesserung des Arbeitsverhältnisses zwischen Arbeitnehmern und -gebern, Klimaschutz und Sicherheit.

Edith Mühlberghuber (FPÖ): Wahlfreiheit für Familien bei der Kinderbetreuung und Pflege sind für mich ganz zentrale Anliegen.

Magdalena Brottrager (NEOS): Wir wollen Bildung über alles stellen. Sie ist der Schlüssel zur Lösung zentraler Fragen unserer Gesellschaft. Der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder ist auch gerade für unsere Region ein wesentlicher Schlüssel, um Landflucht zu verhindern.

Bernhard Seidel (Liste Jetzt): Mir geht es darum, die Umweltsteuer zu verhindern, wenn diese nur der Wirtschaft zukommen soll. Wir wollen keine neuen Steuern. Als einzige Partei haben wir ein Konzept dafür, wie der Staat der Milliardenforderung zu den Pariser Klimaverträgen entkommen kann.

Bettina Schneck (Grüne): Der Ausbau von bedarfsorientiertem öffentlichen Verkehr und flächendeckender Kinderbetreuung ist mir besonders wichtig.

Sind die Pflege- und Betreuungsthematik sowie die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zwei zentrale Themen der Zukunft? Was sind Ihre Lösungsansätze dafür?

Georg Strasser (ÖVP): Mit einem Pflege-Daheim-Bonus von 1500 Euro pro Jahr könnten wir Angehörige entlasten. Den Ausbau der 24-Stunden-Betreuung und mobiler Pflegeangebote müssen wir verstärken. Wir brauchen mehr Studienplätze für Medizinstudenten.

Alois Schroll (SPÖ): Es gehören regionale Pflegeservicestellen eingerichtet, die bei einem Pflegefall umgehend zur Seite stehen. Betreuungsangebote müssen dringend ausgebaut werden. Es braucht einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz für Angehörige.

Edith Mühlberghuber (FPÖ): Die Ausbildung zum Pflegeassistenten, auch als Lehre, ist zentral. Leistungen der pflegenden Angehörigen sollen mit einem Pflegescheck in Höhe von 1.000 Euro monatlich anerkannt werden. Wir brauchen auch Hausärzte in kleinen Gemeinden.

Magdalena Brottrager (NEOS): In Primärversorgungseinheiten und Pflegepraxen sollen diplomierte Pfleger Verantwortung übernehmen und vor Ort tätig sein können, damit Leute lange zu Hause leben können. Das entlastet Ärzte, da auch Hausbesuche abgenommen werden können.

Bernhard Seidel (Liste Jetzt): Ältere wünschen sich eine Existenz, bei der sie von einem System unterstützt werden, das ihre Persönlichkeit sowie ihre geistige und körperliche Fähigkeit berücksichtigt. Verbesserung kann nur durch finanzielle Zuwendungen geschehen.

Bettina Schneck (Grüne): Das Pflege- und Betreuungsangebot muss vereinheitlicht und finanziell abgesichert werden. Grundversorgungsmodelle, welche die Spital-ambulanzen entlasten und Kooperationen ermöglichen, müssen weiterentwickelt werden.

Mit wie viel Prozent rechnen Sie für Ihre Partei und wie soll die neue Regierung ausschauen? Welche Koalition präferieren Sie persönlich?

Georg Strasser (ÖVP):  Ich würde mich freuen, wenn sich mehr als ein Drittel der Wähler dafür entscheidet, den erfolgreichen Weg weiterzugehen. Wichtig ist für mich, dass Stabilität zurückkehrt. Die Farbe des Partners ist zwar wichtig, im Fokus muss aber die Arbeit im Sinne aller Österreicher stehen.

Alois Schroll (SPÖ):  Für mich ist klar, dass die gewissenlosen Vorkommnisse der letzten Wochen und Monate genauso wie die Wertvorstellung der FPÖ definitiv untragbar sind. Die Wähler entscheiden über die Zukunft Österreichs und ich will den Weg gemeinsam mit ihnen gehen.

Edith Mühlberghuber (FPÖ): Ich hoffe auf 20 Prozent aufwärts.
Die ÖVP-FPÖ-Regierung, die in den letzten 1,5 Jahren erfolgreich zusammengearbeitet hat, sollte diese Arbeit fortsetzen: mit einem Vizekanzler Norbert Hofer und Innenminister Herbert Kickl.

Magdalena Brottrager (NEOS): Wir wollen eine Alternative zur Koalition bieten, in der ewiggestriges Gedankengut toleriert wird, aber auch zu einer Koalition aus den vormals großen Parteien, die uns lange Stillstand gebracht hat. NEOS ist eine anständige Alternative, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Bernhard Seidel (Liste Jetzt): Die Liste Jetzt tritt als Oppositionspartei an. Diese Rolle ist für sie maßgeschneidert und es hat sich gezeigt, dass damit in den letzten zwei Jahren zahlreiche Anliegen auch umgesetzt wurden.

Bettina Schneck (Grüne): Oberstes Ziel für uns ist, wieder in den Nationalrat einzuziehen. Wir sind dort die treibende Kraft für echten Klimaschutz.