ATV-Sendung für Bauernbund "unfassbare Entgleisung". Nach der ATV-Sendung "Was zerstört Österreich" gehen die Wogen bei den Landwirten weiter hoch. Bauernbund-Direktor Paul Nemecek will das Gespräch mit den Sendungsverantwortlichen suchen. ATV weist Kritik zurück. Verein gegen Tierfabriken spricht von einer "objektiven Dokumentation".

Von Markus Glück. Update am 27. November 2020 (12:49)
Bauernbunddirektor Paul Nemecek.
NÖ Bauernbund/Erich Marschik

Weiterhin hohe Wellen schlägt die ATV-Serie "Was zerstört Österreich", wir hatten berichtet:

Jetzt meldet sich auch Bauernbund-Direktor Paul Nemecek gegenüber der NÖN zu Wort und spricht von einer "unfassbaren Entgleisung". Er selbst habe bereits Kontakt mit den Sendungsverantwortlichen von ATV  aufgenommen.

"Unsere Bauern zerstören sicher nicht Österreich - im Gegenteil. Neben der Versorgungssicherheit mit Lebensmittel sorgen die Bauern für erneuerbare Energie und eine kultivierte Landschaft, wovon auch der Tourismus profitiert", meint Nemecek.

Er betont, dass beim NÖ Bauernbund zahlreiche Beschwerden über den ATV-Beitrag eingegangen sind. "Ich erwarte mir ganzheitliche Recherchen, die auf realen und sachlich fundierten Grundlagen beruhen. Mehr will ich den Verantwortlichen derzeit auf dem medialen Weg allerdings nicht ausrichten", sagt Nemecek. 

Bei ATV verteidigt Sprecherin Viktora Abulesz den Beitrag, der aus Sicht von ATV nicht einzelne Berufsgruppen oder Elemente des ökologischen Systems, sondern Zusammenhänge im Gesamtsystem "Konsumverhalten-Landwirtschaft-Natur" aus der Perspektive des Umweltschutzes analysiert. "Wir sind der Ansicht, dass diese Überlegung in der heutigen Zeit legitim sind", sagt Abulesz. 

Nach dem NÖN-Onlinebericht meldet sich auch der Verein gegen Tierfabriken (VGT), der ebenso im Beitrag vorkam, zu Wort. David Richter vom VGT hat nach der Sendung ebenso mit zahlreichen aufgebrachten Landwirten telefoniert: "Das zeigt mir einmal mehr, dass viele überhaupt kein Problembewusstsein haben."

Er selbst weist Vorwürfe zurück, dass der VGT die Sendung inhaltlich mitgestaltet habe. "Ich wurde als Interviewpartner zu dieser objektiven und sehr guten Dokumentation geladen. Viele Landwirte verweigern leider jede Entwicklung. Berichterstattung über die Landwirtschaft darf zudem keine Zensur der kritischen Wahrheit verlangen", zeigt sich Richter erbost.