Melk macht Platz für 100 Flüchtlinge

Erstellt am 16. März 2022 | 05:06
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8305906_mel11mg_melkhilft_alle.jpg
Koordinieren überparteilich die Flüchtlingshilfe in der Stadtgemeinde Melk: Stadtrat Peter Rath (ÖVP), Gemeinderat John Haas (SPÖ), Stadträtin Heidi Niederer (Grüne) und Bürgermeister Patrick Strobl (ÖVP).
Foto: Glück
Knapp bald 100 Flüchtlinge in Stadt Melk und Benediktinerstift.
Werbung
Anzeige

Mit den ersten Flüchtlingen in der Bezirkshauptstadt zeigt sich auch der Zusammenhalt und die hohe Solidarität der Melker Bevölkerung. Seit vergangener Woche sind in der Stadt 85 Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen, knapp über 70 befinden sich derzeit in privaten Unterkünften im Stadtgebiet sowie im Stadtsaal, der als erste Anlaufstelle für alle Flüchtlinge gilt.

Dort werden sie registriert, fotografiert und der Pass gescannt. Bei den Vertriebenen handelt es sich bisher zum Großteil um Mütter mit ihren Kindern. Bisher sind nur zwei männliche Jugendliche sowie zwei Pensionisten in Melk angekommen. Koordiniert wird die Flüchtlingshilfe, wie bereits in der Corona-Krise, über „#melkhilft“ (www.melkhilft.at) und einem überparteilichen Komitee aller Fraktionen.

60 zusätzliche Schlafplätze stehen im Notfall bereit

Aktuell erfolgt der Flüchtlingsstrom koordiniert, wodurch die derzeit 30 Schlafplätze im Stadtsaal ausreichen. Sollte diese Planbarkeit in den nächsten Wochen nicht mehr gegeben sein, stehen bereits jetzt zehn Reserveplätze im Feuerwehrhaus sowie rund 50 Schlafplätze im Turnsaal der Volks- und Mittelschule zur Verfügung. An eine Wiederholung der Flüchtlingskrise 2015 oder daran, dass die Unterstützung aus der Bevölkerung kippen könnte, glaubt ÖVP-Bürgermeister Patrick Strobl indes nicht: „Es gibt große Unterschiede zu damals.

Ukrainer haben freien Zugang zum Arbeitsmarkt und wollen sofort arbeiten, wodurch die Integration leichter fällt. 2015 war für Flüchtlinge der Weg in den Arbeitsmarkt sehr schwierig.“ Stadträtin Heidi Niederer (Grüne) weiß von den Erfahrungen aus 2015, dass die Bereitschaft und Betroffenheit aus der Bevölkerung abnehmen wird. „Ukrainer haben aber keine lange Fluchtgeschichte, die meisten sind mit dem eigenen Auto gekommen, wodurch die Strapazen geringer sind. Bis die Betroffenheit abnimmt, sind die Flüchtlinge bereits selbstständig. Zudem wollen viele so rasch als möglich wieder zurück zu ihren Männern“, erzählt Niederer.

Durch die vermeintlich kurze Fluchtroute nach Österreich zeigt sich aber auch ein anderes Phänomen, womit die Helfer bislang nicht konfrontiert waren. Viele Ukrainer flüchten mit ihren Haustieren. „Eine Frau hat mir erzählt, dass sie lieber Gegenstände zuhause gelassen hat, damit ihr Hund mitkommen kann“, erinnert sich SPÖ-Gemeinderat John Haas, der sich im Team etwa um den Kontakt mit Tierärzten kümmert, damit die Tiere gechipt werden. Froh ist man in Melk derzeit auch, dass die Wirtschaft in der aktuellen Situation tatkräftig unterstützt. „Die Solidarität macht auch vor unserer Wirtschaft nicht halt“, freut sich Peter Rath (ÖVP).

Indes wurde bekannt, dass auch das Stift Melk 30 Flüchtlinge aufnehmen wird. Dazu wurde bereits am Montag das Gästehaus geräumt. Weitere Details sind bisher aber noch keine bekannt.

Weiterlesen nach der Werbung