Umfahrung Wieselburg: Der Highway ins Erlauftal. Ein Freudentag: Nach fast exakt fünfjähriger Bauzeit ist die Umfahrung Wieselburg offiziell eröffnet.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 15. Juni 2021 (11:01)
440_0008_8101852_erl24wbg_umfahrung_1.jpg
Der „Highway ins Erlauftal“ ist eröffnet. Die 8,1 Kilometer lange Umfahrung Wieselburg ist als dreispurige Straße ausgebaut – die „2+1-Führung“ ermöglicht gefahrlos ein wechselseitiges Überholen.
Eplinger, Eplinger

Kaum hatten die Mitarbeiter der Straßenmeistereien Blindenmarkt und Scheibbs die Fahrverbotstafeln bei den beiden neuen Kreisverkehren im Norden und Süden der Umfahrung weggeräumt, waren am vergangenen Donnerstag um fast exakt 17 Uhr auch schon die ersten Autos auf dem neuen „Highway ins Erlauftal“ unterwegs.

Das Bauprojekt in Zahlen. 8,1 Kilometer ist sie lang, die Ortsumfahrung Wieselburg. Sie führt über 17 Brücken, zwei davon über die Große Erlauf, in die 24.000 m³ Beton und 3.000 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut wurden. 916.000 m³ Dammschüttung waren nötig. 138.000 m 2 Asphaltfläche sind für die dreispurige Fahrbahn mit sogenannter „2+1-Führung“, die ein gefahrloses wechselseitiges Überholen ermöglichen soll, aufgebracht worden. 11.400 Meter Leitschienen und 10.300 Meter Lärmschutzwände sind weitere imposante Daten dieses mit einem Gesamtvolumen von 80 Millionen Euro größten Straßenbauvorhabens des Landes der letzten Jahre.

Ziel der Umfahrung ist, den Verkehr durch das Stadtzentrum von Wieselburg um etwa 50 Prozent zu entlasten. Bis Donnerstag wälzten sich noch mehr als 2.000 Lkw und rund 14.000 Pkw täglich durch Wieselburg. Für Lkw ab 3,5 Tonnen gilt jetzt ein generelles Durchfahrtsverbot auf der ehemaligen B25 (jetzt L6147) Richtung Scheibbs (nicht ins Kleine Erlauftal). Schon die ersten Tage zeigten, dass das Verkehrsaufkommen in der Stadt deutlich abgenommen hat.

Langes Warten auf Umsetzung. Insgesamt hat es aber mehr als sechs Jahrzehnte gedauert, ehe es die Umfahrung von der Idee zur Realität geworden ist. Bereits 1953 gab es erste Überlegungen zu einer Umfahrung. 1974 gab es die erste Vorstudie einer Trassenführung, die der heutigen praktisch fast eins zu eins gleicht. 1978 scheiterte die Umfahrung aber noch am Widerstand der Wieselburger Wirtschaft. Erst 1996 unternahm Günther Leichtfried, damals noch Vizebürgermeister, kurz darauf Bürgermeister der Stadt Wieselburg, einen neuen Anlauf für die Umfahrung. Bis aber Machbarkeitsstudie, Vor- und Einreichprojekt, Umweltverträglichkeitsprüfung und die daran folgenden Einsprüche behandelt wurden, vergingen neuerlich 18 Jahre.

Im Dezember 2014 gab schließlich der Verwaltungsgerichtshof grünes Licht für die Umfahrung und die Detailplanungen begannen. Am 23. Juni 2016 starteten die vorgezogenen Baumaßnahmen. Am 10. Juni 2021 erfolgte mit knapp achtmonatiger Verspätung aufgrund des Brückeneinsturzes vom 7. Juni des Vorjahres die Verkehrsfreigabe durch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf sowie die Bürgermeister der InRegion Josef Leitner (Wieselburg), Karl Gerstl (Wieselburg-Land), Lisbeth Kern (Petzenkirchen) und Walter Wieseneder (Bergland).

„Leben nun an der Westautobahn“: Unzufriedenheit in Petzenkirchen. Bei der Eröffnung war von den seinerzeit angekündigten Protestaktionen der ehemaligen Umfahrungsgegner nichts zu spüren. „Man hat sich damit abgefunden“, sagt Petzenkirchens SPÖ-Bürgermeisterin Lisbeth Kern. Schon im Vorjahr äußerten die Bewohner von Fohra (Gemeinde Petzenkirchen) ihre Befürchtungen bezüglich der verstärkten Lärmbelästigung durch die Umfahrung und forderten den 600 Meter langen Lückenschluss der Lärmschutzwand auf Höhe von Fohra.

Das Land führte Lärmmessungen und Verkehrszählungen durch und versprach, diese auch nach der Verkehrsfreigabe zu wiederholen. Darauf baut auch die Bürgermeisterin, die diese Thematik auch bei der Eröffnung in informellen Gesprächen anführte. Johann Übelbacher, Sprecher der im Vorjahr formierten Bürgerinitiative, hofft auf rasche Messungen und eine schnelle Lösung. „Wir leben nun an der Westautobahn. Das ist für uns unerträglich und unzumutbar“, sagt Übelbacher.