Zoff um neues Wohnprojekt in Melk

Erstellt am 29. Juni 2022 | 05:55
Lesezeit: 4 Min
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Voraussichtlich im Frühjahr 2023 soll im Bereich der Wiener Straße ein neuer Wohnbau entstehen. Das Projekt sorgt aber bereits im Vorfeld bei Anrainern für Frust.
Foto: Glück
Weil Bauklasse bei Wohnhaus nach Grundverkauf erhöht wurde, schalteten Anrainer Landeskriminalamt ein.
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Nach den Ungereimtheiten rund um Ausschreibungen bei der „Mole Melk“ am Hafenspitz droht der Stadtgemeinde Melk das nächste Ungemach. Im Zuge einer Änderung des Bebauungsplans bei einem Wohnbauprojekt in der Wiener Straße – schräg gegenüber der BillaPlus-Filiale – erstatteten Anrainer Anzeige beim Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung.

Die Anzeige wurde in der Folge an das Landeskriminalamt Niederösterreich weitergeleitet, wo Bedienstete laut NÖN-Informationen die Ermittlungen übernommen haben. „Nach Abschluss dieser wird der Sachverhalt der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt, die dann über die weitere Vorgehensweise entscheidet“, heißt es seitens des Landeskriminalamtes. Daneben sind auch die Anwälte der Anrainer am Zug.

Was ist der Grund für die Anzeige beim Landeskriminalamt?  

Das betroffene Grundstück wurde vor Jahren von einer Privatperson an die WET verkauft. Beim Verkauf des Grundstückes galt Bauklasse II – also eine maximale Gebäudehöhe von acht Metern. Nach dem Verkauf soll jetzt die Bauklasse nachträglich verändert werden – die WET will ein Wohnhaus in der Höhe von rund 14,5 Metern errichten, damit würde es aber eine Widmung für Bauklasse V benötigen. „Es ist eine Sauerei, das nachträglich zu ändern. Die Änderungen sollten mit Maß und Ziel passieren. Zudem ist das Grundstück mit der Änderung deutlich mehr wert als beim Verkauf“, ärgert sich ein erboster Anrainer der Wiener Straße gegenüber der NÖN.

Das Gutachten eines Sachverständigen

In einer Stellungnahme der Schedlmayer Raumplanung ZT GmbH wird ausgeführt, dass im nahen Umfeld eine höhere und dichtere Bebauung anzutreffen sei. Zudem scheinen nach Ansicht des Sachverständigen die Änderungen des Bebauungsplans in Hinblick auf den Abstand zu den jeweiligen Baufluchtlinien ausreichend zu sein. Darin wird auch betont, dass die Beeinträchtigungen entlang der gegenüberliegenden Straßenseite in der Wiener Straße auch bei einer Bebauung von 14,5 Metern ausgeschlossen sei. Ebenso wird im Gutachten die Lärmthematik angesprochen. So soll durch den hohen Baukörper die Lärmwirkung im westlich angrenzenden Wohnbauland reduziert werden, auch wird ausgeführt, dass im nahen Umfeld bereits eine höhere Bebauung anzutreffen ist.

Welche Kritik gibt es von den Anrainern?

Das Gutachten des Raumplanungsbüros treibt allerdings den Anrainern die Zornesröte ins Gesicht und sie widersprechen in beinahe allen Punkten den Ausführungen. „Es gibt in der Umgebung kein einziges Haus in der Höhe wie geplant. Die Behauptungen im Gutachten sind falsch", meint ein betroffener Anrainer. Eine andere Anrainerin wandte sich ebenso an die NÖN: „Die Umwandlung um gleich drei Bauklassen nach oben ist handstreichartig passiert. Mir scheint, das ist wieder einmal eine Facette der Willkür, die in dieser Beziehung in Melk herrschen dürfte. Wir werden uns dagegen wehren.“ Die Anrainer kritisieren neben der Höhe des Baukörpers auch die steigende Lärmbelastung.

So reagiert die Stadtgemeinde

Der zuständige Stadtrat Peter Rath (ÖVP) betont, dass der Wunsch des Bebauungsträgers erst vor Kurzem bei der Stadtgemeinde einging. „Da alle Vorgaben der NÖ Bauordnung eingehalten werden, sehen wir kein Problem bei der Umsetzung des Projektes“, meint Rath. Er wischt auch das Lärmargument der Anrainer entlang der Wiener Straße vom Tisch. So soll die Zufahrt für die Anrainer über die Fürnbergstraße erfolgen und die Wohnanlage so gebaut werden, dass sich „das Leben nicht Richtung Wiener Straße, sondern genau in die andere Richtung“ abspielt. Zwar eine gute Nachricht für die Wiener Straße-Anrainer - damit steigt aber der Verkehr in der ohnedies bereits stark belasteten Fürnbergstraße.

Und der zuständige Stadtrat Rath hält gegenüber der NÖN auch fest: „Es wird nichts gebaut, was der NÖ Bauverordnung und deren Grundlagen widerspricht.“

Update zum Artikel: Erweiterte Recherchen der NÖN  haben gezeigt, dass das betroffene Grundstück nicht von der Stadtgemeinde zuerst gekauft wurde - und damit auch nicht an die WET weiterverkauft werden konnte. Der Verkauf des Grundstücks an die WET erfolgte durch eine Privatperson. Der Artikel wurde daher dementsprechend adaptiert. 

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