Gemeinsamer Kampf gegen Abschiebung

Erstellt am 03. August 2022 | 04:48
Lesezeit: 4 Min
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Die drohende Abschiebung der iranischen Familie schlägt in Ybbs Wellen.
Foto: privat
Iranischer Familie in Ybbs droht trotz Konventionswechsel von Islam zum Christentum Abschiebung in ihr Heimatland.
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Es war im September 2017, als eine iranische Familie aus ihrer Heimat nach Österreich flüchtete. Heute, fast fünf Jahre später, droht den Eltern und ihren vier Kindern im Alter von 22, 18, 13 und sieben Jahren nach einem abermaligen negativen Asylbescheid die Abschiebung. Hilfesuchend wandte sich die 22-jährige Tochter an die NÖN.

Bei einer Abschiebung in den Iran droht der Familie Folter und Verfolgung, wenn nicht sogar der Tod. Der Grund: Im April 2019 ließ sich die Familie in Ybbs taufen und konvertierte damit vom Islam zum Christentum. „Unser Aufenthaltstitel wurde abgelehnt, weil die Behörde uns nicht glaubt, dass wir Christen geworden sind“, hört man der 22-Jährigen die Verzweiflung an.

Da die Familie bereits gut integriert ist, formiert sich in Ybbs eine breite Front der Unterstützung. Aktuell darf die Familie aufgrund des negativen Aufenthaltstitels nicht arbeiten, allerdings war der Familienvater davor bereits für die Stadtgemeinde Ybbs tätig − die 22-jährige Tochter arbeitet geringfügig nach dem Abschluss der Fachschule für wirtschaftliche Berufe in Amstetten im Gasthaus Mang.

„Eigentlich wollte ich eine Ausbildung als Barkeeperin machen und mich beim Roten Kreuz engagieren“, erzählt die junge Frau in nahezu perfektem Deutsch. Unverständnis über die Abschiebung äußert auch Franz Höller vom Gasthaus Mang: „Sie macht alles perfekt und ist eine super Kellnerin. Leider muss ich sie ab September abmelden, obwohl sie bereits jetzt nur 2,5 Stunden bei mir arbeiten kann. Die gesamte Familie ist arbeitswillig und gut integriert. Niemand bei uns versteht, warum der Aufenthalt abgelehnt wird.“

Pfarrer Sieder appelliert an Innenminister Karner

Unterstützung erhält die iranische Familie auch von der Stadtgemeinde Ybbs. So richteten Bürgermeisterin Ulrike Schachner und ihr Vizebürgermeister Dominic Schlatter (beide SPÖ) einen Brief an die zuständigen Stellen und betonten dabei die gute Integration der Familie. Im Einsatz für die Familie befindet sich bereits seit Wochen auch der Ybbser Nationalratsabgeordnete Alois Schroll (SPÖ): „Ich habe mich in allen Bereichen eingesetzt und versuche, die Familie bestmöglich zu unterstützen. Dass die Familie zum Christentum konvertiert ist, kann im Iran die Todesstrafe bedeuten.“ Der ehemalige Ybbser Stadtchef kennt den Vater der Familie gut und lobt seinen damaligen Arbeitseinsatz für die Stadt.

Da die Verfahrenskosten für den Einspruch hoch sind, hat sich der Amstettner Pfarrer Franz Sieder, der die Familie kennt und unterstützt, mit einem Brief an Innenminister Gerhard Karner gewandt. Darin bittet er den Texingtaler um ein humanitäres Bleiberecht für die Familie. „Ich nehme an, dass Sie auch ein engagierter Katholik sind. Ich appelliere an Ihr christliches Gewissen und an Ihr menschliches Herz, dass Sie dieser Familie das Bleiberecht gewähren“, schreibt Sieder. Zudem erinnert er daran, dass in Österreich aktuell händeringend Arbeitskräfte gesucht werden.

Der Innenminister könne allerdings ein solches Bleiberecht gar nicht gewähren, heißt es aus dem Innenministerium: „Das ist rechtlich gar nicht möglich. Über ein ‚Aufenthaltsrecht bei besonders berücksichtigungswürdigen Gründen‘ entscheidet einzig und allein die zuständige Behörde, das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (kurz: BFA) – und in zweiter Instanz das Bundesverwaltungsgericht.“ Die Gewährung von „Aufenthaltsrecht bei besonders berücksichtigungswürdigen Gründen“, werde zudem bei jedem Asylverfahren geprüft: „Es gibt ganz genaue Kriterien, wann ein solches Aufenthaltsrecht gewährt werden kann.“

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