Reinhard Krenn: Das Takt-Gefühl als persönliche Medizin. Mit Schlagzeug-Unterricht und sehr viel Lebensenergie bekämpft Reinhard Krenn sein Parkinson-Syndrom.

Von Anna Faltner. Erstellt am 22. Juni 2018 (04:00)
Sobald Reinhard Krenn die Drum-Sticks in der Hand hält, ist sein Morbus Parkinson vergessen.
Faltner

Vor 14 Jahren bekam Reinhard Krenn die Diagnose Parkinson. Und lernte, damit umzugehen. „An Parkinson ist noch kein Mensch gestorben. Man sollte nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern offensiv ins Leben gehen.“ Der Krankheitsverlauf ist schleichend. Betroffen ist seine rechte Körperhälfte. Wie sich das bemerkbar macht? „Hand und Fuß beginnen zu zittern. Gegen Abend kommen starke Verspannungen und manchmal kann ich nicht gehen. Das Gehirn gibt den Befehl dazu nicht weiter“, erklärt der 61-Jährige.

Allerdings hat sich sein Gesundheitszustand in den letzten Jahren kaum verändert. Denn Reinhard Krenn hat seine ganz persönliche Medizin gefunden: Trommeln und professioneller Schlagzeug-Unterricht. „Vor acht Jahren habe ich gemerkt, dass ich mich durch den Rhythmus beim Trommeln besser fühle“, erzählt der Ybbser. Deshalb begann er mit 57 Jahren in der Trommelschule Amstetten Schlagzeug-Unterricht zu nehmen – bei Profi Georg Edlinger.

„Man muss auf alles gefasst sein, sich immer wieder neu darauf einstellen und man darf sich nicht über alles ärgern.“Reinhard Krenn

„Das Gehirn arbeitet mehr, es bilden sich zusätzliche Synapsen. Dadurch habe ich meine Feinmotorik wieder zurückbekommen“, strahlt er. Bis zu zwei Stunden pro Tag musiziert der Pensionist mit den verschiedensten Percussion-Instrumenten und am Drum-Set. „Je mehr ich spiele, umso besser geht es mir.“ Einfach ist der Lernprozess allerdings nicht. „Manche Dinge gehen nicht so leicht in meinen Kopf hinein. Es ist schwierig, aber es bereitet mir große Freude“, betont Krenn. Mit einer Trommelgruppe steht er bei verschiedensten Auftritten auch auf der Bühne. Sein Lieblings-Genre ist der Blues.

14 Jahre Parkinson, Gehirntumor und Herzinfarkt

Nicht nur das Schlagzeug, sondern auch sämtliche Percussion-Instrumente faszinieren den 61-Jährigen.
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Parkinson ist für ihn keine Krankheit, nur eine Einschränkung. „Man muss aber auf alles gefasst sein, sich immer wieder neu darauf einstellen und man darf sich nicht über alles ärgern“, schildert er. Und das hat er geschafft. Denn trotz 14 Jahren Parkinson, einem Nierentumor und Herzinfarkt meistert er seinen Alltag vollkommen ohne Probleme. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben.“

Diese Lebensenergie nutzt er, um anderen zu helfen. Dazu hat er eine „New-Health“-Ausbildung absolviert. „Man lernt, das Leben so zu nehmen, wie es ist.“ Diese Energie gibt er an andere weiter – kostenlos. „Sobald ein finanzieller Gedanke dabei ist, kann man das nicht mehr mit dem Herzen machen“, meint er.

Ob Schlagzeug-Unterricht tatsächlich den Krankheitsverlauf lindert, wurde noch nicht erforscht. „Parkinson ist nicht gleich Parkinson. Das Schlagzeugspielen hilft sicher nicht allen. Aber vielleicht gibt es anderen dieselbe Energie wie mir.“