Hobbypilot Max Huber: „Ich dachte, das war‘s jetzt“. Hobbypiloten berichten von zahlreichen Beinaheunfällen mit Drohnen.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 07. Mai 2019 (04:59)
Schweiger
Hobbypilot Max Huber (20) nahm die NÖN vom Flugplatz St. Georgen am Ybbsfeld mit in luftige Höhen.

Es dauert ein bisschen, bis sich der Puls nach einem Adrenalinschub wieder normalisiert. Die Muskeln entspannen sich langsam – und dem Hobbypiloten wird jetzt erst richtig bewusst, wie knapp das gerade war. „Oben dachte ich schon, das war’s jetzt.“

NOEN

Als der 20-jährige Max Huber, Mitglied der Union Sportfliegergruppe Ybbs, vom Beinaheunfall seines Vereinskollegen erfährt, platzt ihm schließlich der Kragen. Schon wieder wäre es fast zur Kollision zwischen einem Sportflugzeug und einer Drohne gekommen. Ein Fluglehrer und ein Schüler waren gerade im Landeflug, als plötzlich eine Drohne auftauchte. „Ein Meter weiter unten und sie wäre direkt ins Cockpit geknallt!“, berichtet Huber.

Kritik an unwissenden Drohnenbesitzern

Drohnen – unbemannte Luftfahrzeuge – wie sie in der Fachsprache heißen, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Doch der Trend um die kleinen, surrenden Flieger hat auch seine Schattenseiten. Das größte Problem laut Huber: Sie sind viel zu leicht zu bekommen.

„Drohnen gibt es mittlerweile schon fast an jeder Ecke zu kaufen. Vielen ist aber die Verantwortung als Teilnehmer des Luftverkehrs nicht bewusst“, argumentiert der 20-Jährige aus Krummnußbaum. Drohnen dürften nämlich im Umkreis von zweieinhalb Kilometern eines Flugplatzes gar nicht erst abheben. Die Hobbypiloten vom Ybbser Verein sind mit zwischen 150 und 300 km/h unterwegs. „Eine Drohne kann man sich wie einen Stein in der Luft vorstellen. Du siehst sie auch erst, kurz bevor sie genau auf deiner Höhe ist“, erläutert er. Bis jetzt konnten die Piloten noch immer ausweichen – eine Bremse gibt es schließlich in keinem Flugzeug. „Die Leute müssen sich einfach darüber bewusst sein, dass das ein Luftfahrzeug und kein Spielzeug ist.“ Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer am Himmel ist auch der Austro Control, der Luftfahrtbehörde, das Allerwichtigste. Und die ist nur dann gegeben, wenn sich alle an die Regeln halten.

Prinzipiell unterscheidet man zwischen zwei Kategorien: Drohnen, die ein Gewicht von 250 Gramm nicht überschreiten und nicht höher als 30 Meter fliegen können, sind nicht genehmigungspflichtig. „Für alle anderen Modelle brauchen die Drohnenpiloten eine Bewilligung von uns“, informiert Markus Pohanka von der Austro Control im NÖN-Gespräch.

Bis 22.000 Euro Strafe für illegale Flüge

Diese Bewilligungen sind sowohl an den Piloten, der über 16 Jahre alt sein muss, als auch an das Gebiet und die Zeit, in der geflogen wird, gebunden. „Es gilt die grundlegende Faustregel: Je heikler der Flug, umso mehr Spezialgenehmigungen sind notwendig“, erklärt Pohanka. Und auch wenn es mittlerweile schon erschwingliche Drohnen gibt, pocht er auf das Pflichtgefühl der Leute: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Eine genehmigungspflichtige Drohne ohne Bewilligung zu steuern ist wie Autofahren ohne Kennzeichen. Das geht auch nicht.“ Kommt es zur Anzeige, müssen Drohnenbesitzer übrigens tief in die Tasche greifen: Strafen von bis zu 22.000 Euro winken bei Nichteinhaltung der Vorgaben. Wenn der Passagierverkehr gefährdet wird, drohen sogar Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.