Strabag baut erstes Lehrlingszentrum. Gemeinsam mit Strabag-Vorstand Reinhard Kerschner und dem Lehrlings-Verantwortlichen der Strabag, Günther Metzler, präsentierte SP-Stadtchef Alois Schroll ein neues Leuchtturmprojekt für Ybbs.

Von Markus Glück. Update am 27. November 2019 (08:30)
Symbolbild
APA (AFP)

Gemeinsam mit Strabag-Vorstand Reinhard Kerschner und dem Lehrlings-Verantwortlichen der Strabag, Günther Metzler, präsentierte SP-Stadtchef Alois Schroll ein neues Leuchtturmprojekt für Ybbs.

Auf einer Fläche von 31.000m entsteht bis zum Spätsommer 2021 die erste Konzern-Lehrwerkstatt des Baukonzerns in Österreich. Neben einer Ausbildungshalle und Freiflächen für die Baugeräte-Ausbildung ist auch ein Quartier für 40 Lehrlinge geplant. Insgesamt soll die Ausbildungsstätte den jährlichen Schulungsbedarf von rund 250 Lehrlingen decken. 40 Lehrlinge werden sich dabei jeweils vier Wochen in der Stadtgemeinde aufhalten.

Das Unternehmen investiert am Standort – neben der Firma Mitterbauer – rund neun Millionen Euro. „Wir wollen eine Baufirma mit eigenen Fachkräften sein, dazu muss man auch selbst in Lehrlinge und Fachkräfte investieren“, erklärt Kerschner. Den Vorteil eines Lehrlingszentrums spricht Metzler an: „Es kann ohne Arbeitsdruck geübt und mit den Baumaschinen trainiert werden. Daneben erhalten die Lehrlinge eine Vollbetreuung mit Nachtaufsicht.“

 Reinhard Kernschner und Alois Schroll
Stadtgemeinde Ybbs

Generell investiert die Strabag hohe Summen in die Lehrlingsausbildung. Neben einem Rückkehrbonus von 4.500 Euro für Lehrlinge, die nach dem Bundesheer und der Ausbildung für zumindest 18 Monate im Unternehmen bleiben, will man die Lehrlinge auch an den neusten Stand der Technik samt Digitalisierung heranführen. Um die Bevölkerung im Vorfeld zu beruhigen, betont die Strabag auch, dass es seitens des Ausbildungszentrums keine Lärmentwicklung geben werde. Für den Standort Ybbs sprachen laut dem Vorstandsmitglied Kerschner die Verkehrsanbindung und die vorhandene Infrastruktur. „Ich bin stolz, dass es uns gelungen ist, dieses Megaprojekt an Land zu ziehen. Wir sind die Wirtschaftshochburg im Bezirk“, freut sich Schroll.

Neben Ybbs waren in der Region auch Loosdorf und Hürm im Gespräch. „Beide haben sich sehr bemüht. In Loosdorf gab es keine geeigneten Grundstücke“, sagt Kerschner. Der Darstellung widerspricht aber Loosdorfs SP-Bürgermeister Thomas Vasku: „Wir hätten die Flächen zusammenbekommen. Mit uns hat leider niemand mehr gesprochen, auch nicht darüber, dass es Ybbs wird. Das habe ich aufgrund der Pressekonferenz erfahren.“

Bitter für Loosdorf ist nicht nur die Entscheidung für Ybbs, sondern auch, dass aufgrund der Zentralisierung des Strabag-Konzerns und einer neuen Firmenzentrale in St. Pölten in den nächsten zwei Jahren auch die in Loosdorf ansässige Strabag-Kanalbau Richtung Landeshauptstadt abwandert.

Alt-Kanzler Gusenbauer als Drahtzieher vermutet

„Das ist aber keine Entscheidung gegen Loosdorf. Loosdorf ist ein alter Standort und wir setzen den Schritt Richtung Zentralisierung. Es handelt sich also nicht um eine Schließung“, erklärt Kerschner. In der Region wird aber vielmehr gemunkelt, dass weniger der Flächenbedarf, sondern Alfred Gusenbauer, Ybbser Alt-Bundeskanzler und Aufsichtsratsvorsitzender in der Strabag SE, seine Finger in der Entscheidung für Ybbs im Spiel gehabt haben soll. Dem widerspricht Kerschner: „Er war in die Entscheidungsfindung nicht eingebunden. Es war eine objektive Aufstellung.“

Vasku möchte auf NÖN-Anfrage die Thematik rund um Gusenbauer nicht kommentieren. „Gusenbauer sitzt in der obersten Führungsebene der Strabag. Darüber soll sich jeder sein eigenes Bild machen. Ich glaube aber, dass das Thema ‚Platz‘ eine Ausrede ist.“

Per Handschlag die Zusammenarbeit besiegelt: Günther Metzler und Reinhard Kerschner vom Baukonzern Strabag und SP-Stadtchef Alois Schroll mit Vize Herbert Scheuchelbauer (v. l.).