Schroll: „Die Politik ist kein Kindergeburtstag“. Mit der NÖN sprach der Ybbser Alt-Bürgermeister Alois Schroll über die Wochen nach seinem Rücktritt, enttäuschende Gespräche und eine mögliche Rückkehr.

Von Markus Glück. Erstellt am 14. April 2021 (04:32)
Alois Schroll
Markus Glück

Erstmalig stellt sich der ehemalige Ybbser Bürgermeister Alois Schroll Fragen bezüglich seines Rückzugs aus der Stadtpolitik, den vergangenen harten Monaten und Gerüchten über seine Rückkehr als Bürgermeister.

NÖN: Sie hatten selbst Corona, sind derzeit als Covid-Tester in den Teststraßen im Einsatz und warnen stets vor den Folgen des Virus. Warum fällt es derzeit so vielen Menschen schwer, sich an die Vorgaben zu halten?

Alois Schroll: Die Pandemie dauert mittlerweile sehr lange und die Bevölkerung will, wie von der SPÖ im Parlament schon lange gefordert, endlich eine langfristige Perspektive, wann etwa Kultur, Wirtschaft und der Sport öffnen können. Durch die ständig neuen Verordnungen kennt sich zudem fast niemand mehr aus und ich bin sicher, wenn wir aktuell 50 Personen im Bezirk fragen, was derzeit gilt, wissen es die meisten nicht.

„Ich wollte Neuwahlen verhindern und habe mich deshalb komplett zurückgezogen.“ Alois Schroll

Es ist ausgerechnet das Mostviertel, das österreichweit bei den Inzidenzfällen in den Top-5 liegt. Was sind für Sie die Gründe für die hohen Zahlen in der Region?

Schroll: Das Virus kennt keine Bezirksgrenzen und bei uns ist derzeit die britische Mutation, die deutlich ansteckender ist, besonders aktiv. Ich fordere vehement, dass das Impfen schneller gehen muss und, dass Hausärzte, zusätzlich zu den Impfzentren, auch impfen.

In den Weihnachtsfeiertagen kam es zu ihrem Rücktritt. Über die Entstehung gibt es mehrere Varianten. Die häufigste: Einige SPÖ-Mitglieder sollen Sie mit einem Misstrauensantrag unter Druck gesetzt haben, zurückzutreten. Danach kam es zu einer einstündigen Verzögerung der Gemeinderatssitzung. Bereits Anfang Dezember soll es Gespräche zwischen Ulrike Schachner und der ÖVP bezüglich ihrer Ablöse gegeben haben. Wie hat sich die Situation für Sie dargestellt?

Schroll: Ich habe an diesem Tag gemerkt, dass einzelne Punkte bei der Stadthalle auch fraktionsintern noch unklar sind. Es gab Unstimmigkeiten und danach habe ich den Punkt von der Tagesordnung genommen. Ich habe erst danach davon gehört, dass es im Vorfeld Gespräche zwischen Uli und der ÖVP gegeben haben soll. Die genauen Inhalte kenne ich nicht, da ich nicht dabei war. Fakt ist aber, dass 2020 für mich aus mehreren Gründen besonders herausfordernd war. Ich musste oft schwere Entscheidungen treffen, die ich mit mir alleine ausmachen musste.

Es soll bereits vor der Gemeinderatswahl einen Disput zwischen Schachner und Ihnen bezüglich ihrer Nominierung als Vizebürgermeisterin gegeben haben. Schachner soll dabei gedroht haben, hinzuwerfen.

Alois Schroll
Markus Glück

Schroll: Auf dieses Thema bin ich schon oft angesprochen worden. Es gab ein Gespräch mit mehreren Leuten und ich habe mich damals anhand einer Plus-Minus-Liste für Uli entschieden. Sie hat als Stadträtin sehr gute Arbeit geleistet und machte auch deutlich, dass sie diese Position gerne haben möchte.

Sie waren jahrelang das Gesicht der Ybbser SPÖ. Wie weh tut es, wenn die eigenen Parteifreunde einem in den Rücken fallen?

Schroll: Die Politik ist kein Kindergeburtstag und man muss immer damit rechnen, in der ersten Reihe auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Natürlich gab es zuletzt Gespräche, die sehr enttäuschend waren. Mir tut es jetzt nicht mehr weh, weil ich mich selbst zu meinem Rücktritt entschieden habe. Ich werde immer für unsere Stadt da sein und meiner Partei zur Seite stehen.

Sie wollten eigentlich Stadt- und Gemeinderat bleiben, zogen sich dann aber zurück. Warum?

Schroll: Ich habe durch die NÖN-Artikel mitbekommen, dass die ÖVP bei einem Neustart vieles von meiner Person abhängig macht. Meine Partei wollte aber, dass ich Kulturstadtrat bleibe. Ich wollte für die Ybbser und die Stadt aber, dass Ruhe einkehrt. Die ÖVP bot nach meinem Abgang ein sehr unwürdiges Schauspiel und ihre Forderungen waren unverschämt. Ich wollte Neuwahlen verhindern und habe mich deshalb zurückgezogen.

Sie waren sieben Jahre Bürgermeister. Im Rückblick: Was war in diesen Jahren für Sie besonders?

Schroll: Mein Highlight war, dass ich auf einem sehr soliden Fundament meines Vorgängers Anton Sirlinger aufbauen konnte. Ich habe in meiner Zeit als Bürgermeister nie etwas planlos gemacht, auch wenn mir das die Opposition manchmal vorgeworfen hat. Ein Beispiel: Ich habe immer gewusst, dass das Zusammenspiel Stadthalle, Verlängerung der Polizeischule und ein neues Hotel der Stadt neue Möglichkeiten, etwa im Bereich Tourismus, eröffnet und so ist es bis jetzt auch gekommen, wenn man sich die Entwicklung der Tourismuszahlen ansieht.

Sie sind Stadtparteiobmann-Stellvertreter und durch die Partei soll nach ihrem Rücktritt ein tiefer Riss gehen. Wie soll dieser gekittet werden?

Schroll: Ich kenne keinen Riss, allerdings höre ich, dass einige enttäuscht sind, dass ich meinen Rückzug so rasch durchgezogen habe. Einige wollten, dass ich davor gesund werde und erst danach eine Entscheidung treffe. Ich bin aber weiter im Vorstand der Stadtpartei aktiv und arbeite engagiert mit.

Ihre Nachfolgerin hat im Rathaus rasch eine Umbildung durchgeführt und ihre engsten Mitarbeiter neu zugeteilt, seither sind einige Mitarbeiter vor den Kopf gestoßen. Ihr Umgang mit den Mitarbeitern soll ebenso nicht immer von Herzlichkeit geprägt gewesen sein. Sind Sie von den Umbildungen überrascht?

Schroll: Jeder setzt sich natürlich in sein Team Leute, denen er vertraut. Ja, ich habe auch den Vorwurf gehört, dass ich streng mit den Mitarbeitern gewesen sein soll. Ja, ich war manchmal hart in der Sache. Wenn man Chef einer 116-köpfigen Gemeinde ist, mit einem Budget von fast 30 Millionen Euro, braucht es eine straffe Führung. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, stehe ich dazu. Ich bin aber nie schlecht mit den Leuten umgegangen.

Wie können Sie die Stadt als Abgeordneter unterstützen und wie funktioniert der Austausch mit ihrer Nachfolgerin?

Schroll: Ich werde immer für diese schöne Stadt Ybbs arbeiten. Erst vergangene Woche haben wir mit Ministerin Gewessler den Hochwasserschutz besprochen. Mit Uli hab ich derzeit wenig Austausch, ich glaube, dass sie einfach derzeit sehr gefordert ist. Sie weiß aber, dass sie mich jederzeit anrufen kann. Ich bin da und helfe gerne.

Bei Ihrem letzten Projekt, der Stadthalle, spricht die Opposition von „Schrolls Millionengrab“. Ihre Nachfolgerin versucht sich derzeit, einen Überblick über die tatsächlichen Kosten zu verschaffen und spricht bereits von Mehrkosten. Wird man den Kostenrahmen derart deutlich überschreiten?

Schroll: Provokant gesagt, kennt sich dort derzeit scheinbar niemand aus. 2016 gab es eine Kostenschätzung von 7,4 Millionen Euro, wo wir allerdings bereits nach der EU-weiten Ausschreibung wussten, dass sich das nicht ausgeht. Nach Gesprächen, bei denen auch ÖVP-Chef Kratzer eingebunden war, war klar, dass wir 7,8 Millionen Euro plus Vorleistungen benötigen. Wir haben uns im Gemeinderat dann für eine Obergrenze von 8,8 Millionen Euro geeinigt. Bis zu meinem Rückzug hat sich daran nichts geändert.

Warum spricht die ÖVP dann von mehr als neun Millionen Euro?

Schroll: Ich gebe der ÖVP den Rat, sich die Daten und Fakten anzuschauen, die auf dem Tisch liegen. Es gab das KIP-Programm von einer Milliarde Euro für die Gemeinden, davon hat Ybbs mit 594.000 Euro profitiert. 210.000 Euro waren für die Stadthallen-Außenanlagen, der Rest ist für die Stadthalle. In dieser Zeit ist auch die Problematik im Gastrobereich aufgetreten. Damals war die Frage, die Kreditsumme zu minimieren, das hätte auf 30 Jahre aber wenig Sinn ergeben, oder das Geld in die Gastro zu investieren. Die Stadthalle kostet jetzt zwar 9,1 Millionen Euro, die Gemeinde zahlt aber weiterhin nur 8,8 Millionen Euro. Da war damals auch die ÖVP dafür.

Ihre Nachfolgerin spricht aber von einer Verteuerung, weil Marketing und Eröffnungsfeier nicht budgetiert sind.

Schroll: Das stimmt so nicht. Für die Eröffnung ist in den Protokollen eine Summe um die 30.000 Euro genannt. Beim Marketing gab es die Überlegung, durch Umschichtungen bei den Rathausmitarbeitern und anstehende Pensionierungen Ressourcen freizubekommen. Damit hätten wir ohne Zusatzausgaben Ressourcen für das Marketing gehabt. Wenn es jetzt eine andere Strategie gibt, weiß ich es nicht. Es ist aber nicht korrekt, zu sagen, dass es vergessen wurde.

Nach dem Eklat bei der vergangenen Gemeinderatssitzung, bei der es in der Stadthalle zu einem Umtrunk kam, bezichtigt Sie WUY-Gemeinderat Paul Hacker, schuld daran zu sein, dass die Thematik österreichweit in den Medien gelandet ist. Ziehen Sie noch im Hintergrund die Fäden?

Schroll: Zu den Äußerungen möchte ich gar nichts sagen, weil sich diese beschämenden Aussagen von alleine richten. Es entspricht aber seinem unprofessionellen Verhalten. Zum Vorfall selbst gebe ich keinen Kommentar ab, da ich von Dienstag bis Freitag selbst im Parlament war.

Innerhalb der SPÖ kursieren derzeit Gerüchte, dass Sie Ihre Rückkehr vorbereiten und auch weiterhin auf die Unterstützung einiger Gemeinderäte zählen können. Wird es nochmals einen Bürgermeister Schroll in Ybbs geben?

Schroll: In der Lebensplanung ist es derzeit nicht geplant, noch habe ich Kenntnis über etwaige Gerüchte. In der Politik soll man aber niemals nie sagen.