Jägerduo Wurzer & Egger: „Wir sind keine Bambi-Killer“. Neo-Bezirksjägermeister Robert Wurzer und sein Vorgänger Bernhard Egger über die Jagd im Bezirk.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 11. Februar 2020 (04:22)
Die NÖN am „Jägerstammtisch“: Bernhard Egger (r.) und Robert Wurzer im Gespräch mit Denise Schweiger.
Michael Bouda

Nach 22 Jahren übergab Bernhard Egger aus Melk das Amt des Bezirksjägermeisters an seinen bisherigen Stellvertreter Robert Wurzer aus Zelking-Matzleinsdorf. Ein Abschiedsinterview und ein erstes Pressegespräch in einem.

NÖN: Wald- und Feldterroristen, Tierquäler, Mörder in Grün – Kritiker der Jagd finden oftmals keine schönen Worte für Waidmänner. Viele meinen, die Natur braucht keine Jäger – tut sie das?

Bernhard Egger: So ein Urteil sollte man Fachleuten überlassen. Die Antwort ist, ja, das tut sie. Das Raubwild kann die Regulierung nicht bewerkstelligen.

Woher rührt dann diese Aussage? Kämpfen Jäger mit einem Imageproblem?

Robert Wurzer: Das glaube ich nicht. Es gibt Umfragen, die zeigen, dass weit über 80 Prozent der Bevölkerung der Jagd wohlwollend gegenüberstehen.

Egger: Das muss man differenzieren. Skepsis ist im städtischen Bereich zu verorten, das ist auch im Bezirk leicht spürbar. Viele Kritiker hängen sich halt immer auf dem Gewehr auf.

Wurzer: Das stimmt. Damit die verschiedenen Aufgaben der Jäger deutlicher werden, gibt es dieses Jahr eine Initiative des Verbandes, an Schulen zu gehen und zu informieren.

Die NÖN war bei einer Kitzrettungsaktion dabei, bei der die Bischofstettner Jagdgesellschaft auf Eigeninitiative mit Drohnen auf die Suche geht, um die Tiere vor dem Mähtod zu bewahren. Ein gutes Beispiel, wofür vielleicht zu wenig Eigenwerbung gemacht wird?

Wurzer: Natürlich müssen wir mit solchen Aktionen verstärkt an die Öffentlichkeit gehen. Wir sind keine Bambi-Killer (lacht).

„Vertreibt der Wolf das Wild von den Futterstellen, nagt es die Baumrinde ab. Das waren 2019 Schäden im fünfstelligen Bereich.“Bernhard Egger

Bleiben wir bei den Kitzen. Das Niederwild ist gefährdet. Wie ist die Situation im Bezirk?

Egger: Bei den Hasen befinden wir uns glücklicherweise auf dem aufsteigenden Ast. Rebhühner gibt es momentan nicht viele, beim Fasan ist es ähnlich.

Wurzer: Das Hauptproblem ist die Kulturlandschaft, da bleibt wenig Raum zum Verstecken vor dem Raubwild. Glücklicherweise werden gute Gespräche in Brüssel geführt, um die Kooperation zwischen Jägern und Landwirten zu stärken.

Zu einem anderen Waldbewohner: Im Bezirk ist die Rückkehr des Wolfes ein umstrittenes Thema. Er ließ sich auf Wildkamera-Aufnahmen blicken. Haben Sie denn schon einmal einen gesehen?

Egger und Wurzer: Nein.

Herr Egger, Sie meinten in einem NÖN-Interview, es brauche „ein Wolfsmanagement mit definierten Gebieten, wo er leben kann und wo nicht“. Wo wäre das denn?

Egger: Das ist ein Thema, das europaweit handzuhaben ist. Den Wolf nicht zu bejagen, ist auf Dauer nicht tragbar. Und dabei geht es nicht um die Stücke, die er reißt. Vertreibt der Wolf das Wild von den Futterstellen, nagt es die Baumrinde ab. Das waren im Vorjahr Schäden im fünfstelligen Bereich.

Wurzer: Ein Miteinander mit dem Wolf kann möglich sein, wenn es eigene Bereiche für ihn gibt. In Allentsteig würde es sich flächenmäßig ausgehen.