Leiben , Zelking-Matzleinsdorf

Erstellt am 13. November 2018, 05:00

von Denise Schweiger

Über 340 Einwände gegen geplantes Werk. Lawine an Bedenken gegen Flächenwidmung für Zitronensäurewerk langte in Leiben und Zelking-Matzleinsdorf ein.

Zelking-Matzleinsdorfs VP-Ortschef Gerhard Bürg hat mit Widerstand gerechnet. Für Leibens SP-Bürgermeisterin Gerlinde Schwarz war klar, dass die Projektgegner aktiv werden. Paul Koch, einer der Presseprecher der „Ritter der Au“, appelliert an die Meinung der Bürger  |  Gleiß, NÖN

Sechs Wochen lang hatte die Bevölkerung Zeit, Bedenken gegen die noch ausstehende, notwendige Flächenwidmung für das geplante Zitronensäurewerk der Firma Jungbunzlauer in Bergern (Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf) vorzubringen. Und diese Chance nutzten über 340 Personen: Jeweils in der Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf und Leiben langten etwa 170 schriftliche Stellungnahmen ein.

„Die meisten, die bei uns abgegeben worden sind, kommen aus Leiben, Melk und Emmersdorf“, weiß Zelking-Matzleinsdorfs VP-Bürgermeister Gerhard Bürg. Aber auch weit über die Bezirksgrenzen hinaus griffen Kritiker zu Stift und Papier: Stellungnahmen aus Wien, Salzburg und auch aus Brüssel landeten im Zelking-Matzleinsdorfer Gemeindeamt. „In erster Linie geht es um die Themen Lärm, Gestank, Bodenversiegelung und Wasserentnahme“, gibt der Ortschef Einblick.

Mit Stellungnahmen der Projektgegner – vor allem aus den Reihen der „Ritter der Au“ – hatten Bürg und Gerlinde Schwarz, Leibens SP-Bürgermeisterin, gerechnet. Die Menge war allerdings schon etwas überraschend. Zumindest bis auf den zweiten Blick: Denn laut den beiden Bürgermeistern sind viele der Schreiben ident. „Es war klar, dass dahingehend mobilisiert und Stimmung gemacht wird“, winkt Schwarz ab.

„Da sich ältere Menschen an uns wandten, haben wir Vordrucke erstellt. Das ist eine Hilfestellung, kein Mobilisieren.“Paul Koch

Davon will Paul Koch, Pressesprecher der „Ritter der Au“, naturgemäß nichts wissen. „Da sich viele ältere Menschen mit ihren Sorgen an uns wandten, haben wir für sie Vordrucke erstellt. Das ist eine Hilfestellung, kein Mobilisieren“, betont Koch, dass die Gegenbewegung „allen eine Stimme geben will“.

Die Stellungnahmen landen jetzt erst mal auf dem Schreibtisch des Raumplaners Herfrid Schedlmayer. Da er sich in der „Causa Jungbunzlauer“ um die Flächenwidmung kümmert, muss er jedes einzelne Schreiben beantworten. „Es ist bei großen Projekten nicht unüblich, dass die Bevölkerung Stellung bezieht. Dass viele inhaltlich ident sind, kommt mir in diesem Fall zugute“, merkt Schedlmayer an. Die Stellungnahmen und seine Anmerkung langen anschließend beim Land Niederösterreich ein. Danach geht es zurück in die jeweiligen Gemeinden: In einer Gemeinderatssitzung stimmen die Leibener und Zelking-Matzleinsdorfer Mandatare über die Berücksichtigung der Anmerkungen und der Flächenwidmung ab. „Das wird aber sicher erst nächstes Jahr stattfinden“, meint Bürg.

In zwei Wochen startet aufgrund eines formalen Fehlers noch eine sechswöchige Frist, in der die Bevölkerung ihre Bedenken in den beiden Gemeindeämtern vorbringen kann.