Bezirk Melk: Zu gut für den Mülleimer. Neue Koordinierungsstelle soll Verschwendung den Kampf    ansagen. Soogut-Märkte retten Lebensmittel.

Von Lisa Schinagl. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:31)

Die Banane ist braun, das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten – für viele Lebensmittel bedeutet dies den Weg in den Müll. Etwa 40 Kilogramm Lebensmittel pro Einwohner landen jährlich im Müll, vielen Menschen ist dies gar nicht bewusst. Unter der Leitung des Klimaschutz- und Umweltministeriums soll nun eine Koordinierungsstelle eingerichtet werden, um damit der Verschwendung den Kampf anzusagen.

Bewusststeinsbildung fehlt

Gegen die Vergeudung von Nahrungsmitteln stellen sich auch die soogut-Sozialmärkte. Ursula Oswald, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Märkte, spricht von einer fehlenden „Bewusstseinsbildung“ in Sachen Lebensmittelverschwendung. Das größte Problem sei laut ihr das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), denn die meisten Lebensmittel seien länger haltbar, als dieses vorgibt.

„Die Menschen verwechseln das MHD mit dem Ablaufdatum und entsorgen die Lebensmittel“, sagt sie. Die Mission der soogut-Märkte sei es, Lebensmittel vor der frühzeitigen Entsorgung in Supermärkten zu retten und dadurch Menschen unter der Armutsgrenze mit günstigen Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Unterstützung der Sozialmärkte suchen im vergangenen Jahr immer mehr Menschen auf. Dabei sind rund 2.300 Tonnen frische Lebensmittel gerettet worden.

soogut-Bus in vier Gemeinden unterwegs

In den Gemeinden Melk, Petzenkirchen, Mank und Loosdorf gibt es den soogut-Sozialmarkt in mobiler Form. Für Oswald eine gute Möglichkeit, auch Menschen ohne Auto unter die Arme zu greifen. Die Lebensmittelrettung sowie die Versorgung Begünstigter haben auch die Team Österreich Tafeln des Roten Kreuzes als Ziel. Im Bezirk sind diese in Pöchlarn und Pöggstall.

Unter dem Motto „Verwenden statt Verschwenden“ werden Menschen in finanziell schwierigen Situationen mit kostenfreien Lebensmitteln unterstützt, erklärt Sabine Maier vom Roten Kreuz. Die Mitarbeiter sammeln die übrig gebliebenen Nahrungsmittel etwa von Supermärkten, wobei „die Zusammenarbeit mit den Geschäften hier sehr gut und unkompliziert funktioniert“, beschreibt sie.

Nahrungsmittelabfälle zu minimieren, danach strebt auch die App „To Good To Go“. Diese führt Kunden und Anbieter auf einer Plattform zusammen, wodurch überschüssige Lebensmittel günstig von Betrieben an Käufer weitergegeben werden können.

Überraschungssackerl gegen Verschwendung

Die Kunden bekommen die Nahrungsmittel in Form von Überraschungssackerln zu einem vergünstigen Preis. Viele Unternehmen wirken bereits mit, auch im Bezirk Melk wird fleißig an der Ressourcenschonung gearbeitet. Etwa die Bäckereien Haubi’s und Braun sowie Bake Affair, ein Hersteller für Backbedarf und -mischungen in Kemmelbach, setzten ein klares Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung.

Letztere sahen in der App die Möglichkeit, ihre Backmischung bei Erreichung des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht entsorgen zu müssen, erklärt Matthias Biber, Zuständiger für das Marketing. Die Aktion findet Anklang: „Wir haben bereits viel gutes Feedback bekommen“, meint er gegenüber der NÖN. In den Überraschungssackerln von „To Good To Go“ befindet sich eine bunte Mischung, etwa mit Sauerteig oder Lebkuchenteig und auch in verschiedenen Größen sind diese erhältlich. „Zuletzt haben wir nur die Größen L und XL gebraucht“, schmunzelt er.

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