Das etwas andere Familientreffen in Marbach. Corona schränkt den menschlichen Kontakt ein. Sabine Reithner bekommt Besuch von ihren tierischen Ziehkindern.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 10. April 2020 (04:34)
Reh „Gustl“ und Eichhörnchen „Schurli“: Sabine Reithner aus Marbach bekommt in Coronazeiten Besuch ihrer Ziehkinder.
privat

Ostern ist ein Familienfest. Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus muss die gemeinsame Osterjause mit der Verwandtschaft dieses Jahr ausfallen. Sabine Reithner hingegen ist eine Ausnahme. Corona hin, Corona her: Die Marbacherin tischt ihren Ziehkindern regelmäßig Nüsse, Haferflocken, Äpfel oder Karotten auf.

„Zuletzt habe ich ‚Schurli‘ und ‚Gustl‘ zur gleichen Zeit gesehen. Beide haben sich bei er Futterstation neben meinem Haus ein paar Leckerbissen geholt“, strahlt Reithner. „Gustl“ ist ihr ältestes tierisches „Adoptivkind“.

Vor vier Jahren zog sie zwei Rehkitze mit der Flasche auf. Sie nannte die beiden Tierkinder „Gustl“ und „Marlene“. „Der ‚Gustl‘ kommt fast jede Nacht. Er hat mittlerweile eine Familie. Wenn er mich sieht, kommt er aber immer gleich zu seiner Mama“, lacht sie. Der Bock frisst ihr nach wie vor aus der Hand.

Nach Kitzen zog Reithner ein Eichhörnchen auf

Im Herbst 2019 folgte dann die nächste „Adoption“. Reithner entdeckte ein verletztes Eichhörnchen. „Es ist wohl vom Baum gefallen. Ich habe den Kleinen ‚Schurli‘ getauft und mit der Hand aufgezogen“, erzählt die Tier-Mama. Es dauerte einige Wochen, bis das schwarze Eichhörnchen wieder zu Kräften kam.

„Als er anfing, meine Holzküche anzuknabbern, war es aber an der Zeit, dass er wieder zurück in die Natur kommt“, schmunzelt Reithner. Seitdem verschwindet „Schurli‘ manchmal tagelang. „Aber dann taucht er wieder auf. Zuletzt mit drei weiteren Artgenossen“, berichtet die Marbacherin.

Während der Coronakrise ist Reithner viel in der Natur unterwegs. Dass sie dabei immer wieder ihre Ziehkinder trifft, gibt ihr Kraft. „Das sind so positive Erlebnisse. Ich hoffe, dass sich auch ‚Marlene‘ wieder einmal blicken lässt.“ 2018 brachte die Ricke unweit von Reithners Haus Junge zur Welt.