300 Jahre alte Tradition der erforscht. Die Gesänge der Herrnbaumgartner Wallfahrt nach Maria Moos wurden dokumentiert und wissenschaftlich analysiert.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 20. Mai 2019 (18:56)

Dem geistlichen Lied und seiner Bedeutung in Wallfahrt und Volksfrömmigkeit widmete Markus Göller seine Doktorarbeit. Über mehrere Jahre hat er dafür die 300 Jahre alte Traditionswallfahrt der Herrnbaumgartner nach Maria Moos begleitet und jedes einzelne Lied aufgenommen und genauestens analysiert.

Hilfreich waren ihm neben alten Chroniken, der Liedsammlung von Bischofsvikar Franz Stubenvoll und Interviews mit den Herrnbaumgartnern, die Aufzeichnungen von Gerlinde Haid und Maria Walcher.

Die beiden Damen haben in den 1980er Jahren das Besondere der Herrnbaumgartner Wallfahrt erkannt und alles aufgezeichnet. So konnte Markus Göller sehr gut Unterschiede, die sich in diesen fast vierzig Jahren entwickelt haben, herausarbeiten.
Die Volkskultur Niederösterreich hat das „Geistliche Lied“ als Buch aufgelegt, dass am 17. Mai in Herrnbaumgarten präsentiert wurde. Vorbeter und Bäckermeister Harald Schiel sang mit seiner Kantorengruppe und dem Kirchenchor einige der Wallfahrerlieder und band die Zuhörer auch gleich beim Mitsingen ein.

Vorbeter haben sich um Nachwuchs gekümmert

Markus Göller betonte, dass es ganz besonders ist, dass sich diese Tradition so über Jahrhunderte erhalten hat. Einen großen Anteil daran hat auch der frühere Pfarrer Robert Grygar. Aber auch die Vorbeter haben sich immer um Nachwuchs gekümmert. So hat Alois Schodl 1978 Harald Schiel und seine Vorbeterkollegen eingebunden, sie die Lieder gelehrt und sie so auch weitergeben.

 Seit 1993 leitet Harald Schiel alljährlich die Fußwallfahrt zur Mooskirche nach Zistersdorf.

Bürgermeister Christian Frank freute sich, dass Herrnbaumgartner Kultur und Tradition hier wissenschaftlich erforscht und publiziert wurde. „Das Buch zeigt sehr gut, welch´ großen Schatz wir hier haben“, betonte der Bürgermeister.
Pfarrgemeinderatsvorsitzende-Stv. Eva Maria Handle dankte Harald Schiel im Namen der Pfarre für die Liebe zur Wallfahrt und den Bittgängen.

 „Wenn man hinterhergeht, spürt man, wie tief vom Herzen Euer Singen und Euer Gebet kommt“, betonte Handle.

Bei der Präsentation war auch Peter Gretzl vom Volksliedarchiv mit dabei, der sich sehr um die Herausgabe bemüht hatte. „Eine wesentliche Motivation, mich mit diesem Thema zu befassen, war die schlichte Schönheit des Singens auf freiem Feld, die einem verborgen bleibt, wenn man nicht mit dabei ist“, sagte der Buchautor, der trotz des abgeschlossenen Projektes auch heuer wieder mitging.