Spuren der Vorfahren in Kleinhadersdorf. Neben dem ältesten Gräberfeld wurde jetzt auch eine Siedlung gefunden.

Von Werner Kraus. Erstellt am 18. September 2019 (03:45)

Als Johannes Wolfgang Neugebauer von 1987 bis 1991 in Kleinhadersdorf nahe des Mistelbacher Waldes Grabungen durchführte, wurde Beeindruckendes ans Tageslicht gebracht: Im ältesten Gräberfeld Österreichs wurden hier rund 100 Gräber geborgen. Das Areal wurde nun auch virtuell ausgewertet, wobei wieder große wissenschaftliche Ergebnisse erzielt wurden.

1911 erste Grabungen

„Bereits 1911 gab es die ersten Grabungen in diesem Bereich, denn durch die landwirtschaftlichen Arbeiten wurden immer wieder interessante Funde an die Oberfläche befördert“, erzählt Eva Lenneis über die Vorgeschichte. Die Archäologin hat gemeinsam mit Christine Neugebauer-Maresch ein Buch über das Gräberfeld von Kleinhadersdorf geschrieben.

Wolfgang Neubauer, ein Schweizer, der in Föllim zu Hause ist, hat sich im Ludwig Boltzmann Institut mit der archäologischen Prospektion und der virtuellen Archäologie auseinander gesetzt. Er hat das Gräberfeld schon länger im Auge. Forschungsleiter Hannes Schiel hat mittels Magnetik den Boden erforscht und sensationelle Entdeckungen gemacht: Hier entlang des Waldes befindet sich nicht nur das älteste Gräberfeld Österreichs, das mit 4900 bis 5300 vor Christus datiert ist, sondern es gab auch eine Siedlung.

Effiziente virtuelle Arbeit

Die virtuelle Arbeit ist extrem effizient: In nur acht Tagen wurde ein Vielfaches von dem, was in jahrelangen Grabungen erkundet wurde, bewerkstelligt. „Da in einem etwa 40 Meter langen Langhaus bis zu 30 Personen gelebt haben und über Generationen rund 40 Grundrisse bestanden haben, kann im Gesamten mit rund 600 Gräbern gerechnet werden“, erklärt Neubauer die Forschungsergebnisse.

Landtagspräsident Karl Wilfing dankte den Archäologen für ihre Arbeit, die eigentlich zeigt, dass unsere Region seit über 7000 Jahren besiedelt ist. „Journalistisch aufbereitet könnte daher die Schlagzeile lauten: ‚Kleinhadersdorf, der Geburtsort Österreichs‘“, meinte Wilfing lächelnd. Auch Vizebürgermeister Josef Fürst spricht von einer einzigartigen Entdeckung: „Diese Siedlung ist ein großes Highlight, wo es in den nächsten Jahren zu entscheiden gibt, wie dies weiter wissenschaftlich erforscht wird.“

Fürst dankte auch den Grundeigentümern, die diese Arbeiten immer unterstützten. Wolfgang Neubauer rief die Kleinhadersdorfer Grundbesitzer auf, alle Fundstücke für eine wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung zu stellen. Die Stücke bleiben selbstverständlich Eigentum der Grundbesitzer.