Deutlich mehr Einpendler im Bezirk Mistelbach. Die Wirtschaftsparks im Bezirk ziehen Mitarbeiter aus dem Wiener Raum an, 56 % pendeln aus.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 28. Februar 2020 (05:34)
Der Bezirk Mistelbach ist ein Pendlerbezirk. Die aktuelle Pendlerstudie der Arbeiterkammer deckt aber auch die Defizite auf: Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Bezirk nur notdürftig versorgt. An schulfreien Vormittagen ist man, wohnt man nicht gerade an der Schnellbahn, ziemlich am Land gefangen.Nikodym
Sandra Nikodym

Der Bezirk Mistelbach ist ein Pendlerbezirk: Nur 17,6 Prozent der hier Wohnenden haben in ihrer eigenen Heimatgemeinde auch einen Job gefunden. Der Rest pendelt aus: 26,2 Prozent arbeiten im eigenen Bezirk, 20,5 Prozent in einem anderen Bezirk, 35,6 Prozent müssen nach Wien zur Arbeit fahren.

Insgesamt gibt es 26.355 arbeitende Menschen, die im Bezirk Mistelbach wohnen, sagt die aktuelle Pendlerstudie der Arbeiterkammer. Wesentliche Änderungen gibt es da nicht: Gegenüber dem Jahr 2014 hat sich die Zahl der Auspendler lediglich um 0,5 Prozentpunkte verändert. Wo arbeiten die Mistelbacher, wenn sie nicht nach Wien fahren? 12 Prozent fahren in den Bezirk Korneuburg, 8,9 Prozent nach Gänserndorf.

Stark gestiegen ist in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Einpendler: Und zwar um 7,5 Prozent - landesweit der zweithöchste Wert. Woran liegt’s? An der positiven Entwicklung des Bezirks durch Betriebsansiedelungen entlang der Nordautobahn - vor allem im Wirtschaftspark Wolkersdorf, der als prosperierendster Wirtschaftspark des Landes gilt. „Da kommen viele aus dem Raum Wien. Und auch die Wirtschaftsparks Poysdorf und Mistelbach beginnen, Arbeitskräfte zu finden“, sagt Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Rudolf Westermayer.

Woher kommen die Menschen, die in den Bezirk einpendeln? 28,4 Prozent kommen aus dem Bezirk Gänserndorf, 23,4 Prozent aus Wien und 8,5 Prozent aus Korneuburg. 23,7 Prozent pendeln über die Staatsgrenze in den Bezirk ein.

Die Arbeiterkammer untersuchte auch, wie die Erreichbarkeit für Menschen im Bezirk ist: An schulfreien Tagen kann nur etwas mehr als ein Drittel der Menschen im Bezirk mit öffentlichen Verkehrsmittel binnen 30 Minuten ein regionales Zentrum erreichen. Und gar nur 18,8 Prozent kommen mit Öffis binnen 50 Minuten in ein überregionales Zentrum. Umgekehrt sind mit dem Auto 98,4 Prozent der Mistelbacher binnen einer halben Stunde in einem regionalen Zentrum und zwei Drittel binnen 50 Minuten in einem überregionalen Zentrum. Diese Zahlen zeigen, wie sehr der öffentliche Verkehr abseits der Bahngleise von den Schulbussen abhängig ist. Fahren die nicht, ist öffentlicher Verkehr beinahe nicht existent.

„Ein Pendler kann nicht mit dem Schulbus fahren. Fährt der, dann sollte er schon längst in der Arbeit sein“, weiß Westermayer. Die Sternfahrten der Busse zu den Zentralorten seien zu schwach ausgebaut, findet der AK-Chef. Und auch bei den Zugverbindungen gilt: Wohnt man an keinem Hauptort, ist die Verbindung eher mau.

Entsprechend hoch ist auch der Motorisierungsgrad im Bezirk Mistelbach: Pro 1.000 Einwohner gibt es 691 Pkw - das entspricht landesweit dem fünfthöchsten Wert in NÖ. Nur im Waldviertel, das infrastrukturell noch schlechter beisammen ist, gibt es mehr Autos pro Wohnbevölkerung. Gegenüber dem Vorjahr ist dieser Anteil übrigens nur in einem Bezirk, in Gmünd, stärker gestiegen.