Erste Sichtung: Jäger filmt Wolf. Ein Jäger filmte einen alleine jagenden Wolf. Bezirksjägermeister: Verhalten ist auffällig.

Von Gerhard Brey und Michael Pfabigan. Erstellt am 16. Januar 2019 (05:01)
shutterstock/Scott E. Read

Bissspuren und mutmaßliche Bilder von Wildkameras hatte es ja schon länger gegeben. Bei Ersteren gab es aber nie eine definitive Bestätigung, dass der Wolf durch den Bezirk Mistelbach zieht, Letztere boten bislang auch keine definitive Bestätigung.

In der Vorwoche tauchte in den sozialen Medien ein Video auf, das einen Wolf zeigt, der zwischen Altlichtenwarth und Hausbrunn Rehe über ein Feld jagt. Die Aufnahmen wurden mittlerweile wieder gelöscht, die Aufregung in der Jägerschaft ist trotzdem groß.

Sichtung bestätigt

Denn auch Jäger beobachteten das Tier. Altlichtenwarths Jagdleiter Wilhelm Lehner bestätigt die Sichtung des Wolfes am Sonntag, 6. Jänner, zwischen 16 und 16.30 Uhr. „Auf dem Hang, der Altlichtenwarth und Hausbrunn verbindet, ist er bis auf wenige Meter an mich herangekommen“, schildert Lehner.

Dass das Tier kein Hund sein kann, war dem erfahrenen Waidmann rasch klar. Er meldete pflichtgemäß die Sichtung an Bezirksjägermeister Gottfried Klinghofer. Konkreten Handlungsbedarf sieht Wilhelm Lehner zur Zeit keinen.

Klinghofer sah sich das Video genau an: „Ich bin kein Wolfexperte, aber was mich beunruhigt, ist das Verhalten dieses Wolfes“, gesteht Mistelbachs Bezirksjägermeister. „Wenn ein Wolf alleine ein Rudel Rehe jagt, dann entspricht das nicht seinem normalen Beuteverhalten.“

Ein Wolf sei ein Rudeltier. Der Wolf im aufgenommenen Video habe sich hingesetzt und mal geschaut. „So etwas macht kein Wolf.“ Insofern werden die Jäger jetzt die Augen in ihren Revieren offen halten. Denn wenn ein verhaltensauffälliger Wolf unterwegs ist, dann könne man für nichts garantieren.

Langfristig ansiedeln werden sich Wölfe im Weinviertel nicht. „Wir haben die nötigen Waldflächen nicht“, sagt Klinghofer. Im Bezirk gebe es gerade einmal 14 Prozent Waldbedeckung. „Da hat der Wolf nirgends Ruhe. Überall sind Siedlungen und Straßen“, sagt Klinghofer. Passende Landschaften würde er eher Richtung Bezirk Hollabrunn finden.

„Wir hatten schon ein paar sogenannte Wolfrisse“

Dass Wölfe durch das Weinviertel ziehen, sei nicht neu: „Wir hatten schon ein paar sogenannte Wolfrisse“, weiß der Bezirksjägermeister. An den Fressspuren am Aas kann man erkennen, welches Tier sich da zu schaffen gemacht hat. Im Vorjahr war der Wolfbeauftragte des Landes in Hüttendorf und Hörersdorf und hat entsprechende Fälle untersucht. „Eine Bestätigung gab es aber nicht“, weiß Klinghofer. Wiewohl er auch nicht ausschließen könne, dass die ausbleibende Bestätigung von höherer Stelle gewünscht war.

Besteht Gefahr für den Menschen? Klinghofer rät zur Vorsicht, ohne Panik schüren zu wollen. „Im Endeffekt kann man nie etwas garantieren“, sagt der Bezirksjägermeister. „Das kann man ja nicht einmal beim domestizierten Hund.“

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