Beten gegen den Klimawandel. Seit 200 Jahren pilgern die Ameiser und Föllimer nach Maria Bründl.

Von Werner Kraus. Erstellt am 07. Juni 2017 (14:41)

Seit dem Jahr 1817, als am Schauermontag ein gewaltiges Hagelunwetter die gesamte Ernte in der Region rund um Ameis und Föllim zerstörte, pilgern die Bewohner beider Orte gemeinsam nach Maria Bründl. Beide Wallfahrergruppen ziehen bei ihren Kirchen los und treffen sich in Kleinhadersdorf, um dann gemeinsam zur Wallfahrtskirche Maria Bründl zu ziehen.

Das Unwetter am Schauermontag war es nicht alleine, was den Menschen vor 200 Jahren das Leben schwer machte. „Die Menschen hatten 1817 mit den Folgen der napoleonischen Kriege zu kämpfen und sie befanden sich auch im kältesten Jahrzehnt der letzten 500 Jahre“, erzählt Johann Öfferl. 1813-1816 waren kalte und nasse Missjahre, sodass „die Leute zum Branntwein statt zu Brot und Erdäpfel griffen“, steht in der Poysdorfer Chronik.

„Die Tradition der Vorahnen pflegen“

Auslöser für diese Klimaveränderung waren Vulkanausbrüche 1809 in Kolumbien und 1815 in Indonesien. 1816 wird in der Chronik als ein Jahr ohne Sommer beschrieben, wo es Frost und Schnee das ganze Jahr über gab.

Explodierende Lebensmittelpreise und Hungersnöte waren die Folge. Auch 1817 begann schon vor dem Hagelunwetter heftig. Vom 19. bis 22. April schneite es so heftig, dass keine zehn Pferde die Wagen auf den Straßen vorwärts brachten. Dann der Schauermontag, der die so dringend erwartete Ernte vollkommen zerstörte. 1821 wird vom kältesten Sommer seit Menschengedenken berichtet. Damals pilgerten viele Orte nach Maria Bründl.

Am Montag, den 22. Mai führte Pater Christian Fichtinger die Wallfahrergruppe an. Auch Dechant Christian Wiesinger war zum 200-Jahr-Jubiläum der Ameis-Föllimer Wallfahrt in Maria Bründl mit dabei. Dechant Wiesinger betonte, dass es etwas ganz Besonderes sei, so eine traditionsreiche Wallfahrt gehen zu dürfen. „Jeder von uns ist dabei ein wichtiger Teil und darf so die Tradition der Vorahnen pflegen und weitertragen. Wallfahren, seine Bitten zur Gottesmutter zu bringen, ist ein besonderes Angebot des Christseins“, hob Wiesinger hervor.