Manfred Frey: „Zeigen, dass hier Unrecht geschehen ist“. Die NÖN begleitete den Heimat-Vertriebenen Manfred Frey zu Südmährer-Stätten entlang der Grenze mit vielen Erinnerungen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 25. Juni 2020 (05:07)
Manfred Frey (r.) an der Grenze zu Joslowitz im Gespräch mit Großharras Vize Rudolf Dötzl (l.) und Altbürgermeister Josef Windpassinger.
Sandra Frank

„Ihr habt ein perfektes Museum. So hab´ ich es noch nie erlebt“, sagt Manfred Frey sichtlich beeindruckt vom Südmährischen Heimatmuseum Thayaland in Laa (Bezirk Mistelbach). Die Obfrau des Museums, Brigitta Appel, kennt der Hetzmannsdorfer, der selbst ein Vertriebener ist, bereits seit 2012. Doch erst, als der 80-Jährige mit der NÖN einige Erinnerungs-Stätten entlang der Grenze besucht, erhält er auch seine erste Führung durch die Räume des Alten Rathauses.

Gegründet wurde das Museum von vertriebenen Südmährern. Man erfährt hier nicht nur Geschichte, man spürt sie auch. Das ist vielen Besonderheiten zu verdanken, wie etwa: „In zwei Räumen hat wirklich eine Vertriebene gewohnt“, erzählt Appel, die betont, wie wichtig eine Führung ist, um alles zu entdecken. Zunächst erfahren Besucher, wie die Menschen früher gelebt haben.Puppen erzählen aus dem Alltag der Südmährer. „Ein Museumskonzept auf dem neuesten Stand“, lobt Frey, der solche Puppen von Amerika-Aufenthalten kennt.

Die sprechenden Puppen sind so bekannt, dass sie sogar verreisen dürfen. „Der Bauer steht zur Zeit in Eisgrub“, freut sich Appel, dass Kollegen aus Tschechien die Puppe ausgeborgt haben. Nachdem die Gäste gesehen haben, wie die Südmährer gelebt haben, „rennen sie an die Vertreibung an“, beschreibt Appel. Plötzlich gab es keine Kultur mehr. Daran erinnert das Museum, mit berührenden Geschichten, ebenfalls erzählt von Puppen, die aus Zeitzeugenberichten zusammengeschrieben wurden. „Es ist unsere Aufgabe zu zeigen, dass hier Unrecht geschehen ist“, spricht Appel von einer ethnischen Säuberung.

Sehnsuchtsvoller Blick auf die alte Heimat

Eine Puppe ist einem der Museumsgründer gewidmet. Der Mann erzählt, wie er bis zum Grenzbalken gegangen ist und „voller Sehnsucht umme g’schaut“ hat. Ob Manfred Frey das auch getan hat? „Natürlich!“

Die NÖN begleitet den letzten Präsidenten der Finanzlandesdirektion zu einem solchen Ort, vorbei am Südmährerdenkmal bei Zwingendorf („Wir waren die Ersten, die Denkmäler auf der anderen Seite errichtet haben.“), weist ein Schild auf die Staatsgrenze hin. Von dort sieht man auf das Schloss von Joslowitz, der Ort, den Frey als Fünfjähriger mit seiner Familie verlassen musste. Erst nach dem Studium besuchte er erstmals seine alte Heimat. Heute lebt Frey im Hollabrunner Bezirk in Hetzmannsdorf.

Josef Windpassinger, der ehemalige Bürgermeister von Großharras erinnert sich an Feste trotz Staatsgrenzen: „Wir sind hier gestanden und die Tschechen auf der anderen Seite und haben Musik gemacht.“ Das hört Frey gerne: „Die Patenschaft mit Joslowitz wird in Großharras gelebt.“ Denn in früheren Zeiten war der Pulkautaler Grenzraum eine Einheit.

Die Reise auf den Spuren der Südmährer geht weiter nach Zwingendorf in die Joslowitzer Heimatstube. Diese ist geprägt von Freys Familie. Historische Bilder und Dokumente sind dort ausgestellt. Vizebürgermeister Rudolf Dötzl und Altbürgermeister Josef Windpassinger sind stolz auf dieses Stück Geschichte.

In der Joslowitzer Heimatstube zeigen Vizebürgermeister Rudolf Dötzl,Brigitta Appel, Josef Ofner (beide vom Südmährischen HeimatmuseumLaa), Altbürgermeister Josef Windpassinger und Manfred Frey (v.l.) stolz die Partnerschaftsurkunde von Großharras und Joslowitz.
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In Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn) trifft Frey seinen Freund Hermann Jagenteufel, den Leiter der Bacherstube. „Wir sind ein Mundartarchiv“, sagt dieser über die Räume im Zellerndorfer Bildungscampus. Dort sind allerhand historisch wertvolle Schriftstücke zu bewundern. Karl Bacher, Namensgeber der Runde, ist ebenfalls ein südmährischer Literat.

„Ein sehr wertvolles Projekt“ findet sich im Museum in der Weinstadt Retz. Die letzte Sonderausstellung zeigte Keramiken aus Frain. Diese stammen aus der Sammlung des Znaimers Hellmut Bornemann, der Südmähren präsentieren will. Fast zu jedem Ausstellungsstück kennt Manfred Frey eine Geschichte. Mit Blick auf die Räume, die etwa ein Gemälde des Znaimer Altars zeigen, sagt er: „Südmähren, das war schon was.“