Verurteilter Neonazi erwarb Weinkeller in Wetzelsdorf. Warum der verurteilte Neonazi in Wetzelsdorf (Bezirk Mistelbach) Weinkeller kauft, sorgt für Rätselraten.

Von Werner Kraus. Erstellt am 26. Februar 2020 (05:20)
Warum kauft der Dunstkreis um Gottfried Küssel Weinkeller in der großen Kellergasse in Wetzelsdorf?
Werner Kraus

Die Internetseite des virtuellen Marktplatzes „willhaben“ ist eine der meistbesuchten in Österreich. So dürfte es hier nun zu Kellerkäufen gekommen sein, die dem Dunstkreis rund um den verurteilten Neonazi Gottfried Küssel zuzurechnen sind. Auf der Internetplattform „Stoppt die Rechten“, welche den Grünen zugeschrieben wird, wurde Alarm geschlagen: „Gottfried Küssel kauft Keller“, ist dort zu lesen. Was er damit anfangen will, wird hinterfragt.

Insgesamt sollen Küssel und seine Mittelspersonen bereits Eigentümer von sieben bis acht Weinkellern in der großen Kellergasse sein. Der Nachname der offiziellen Käuferin sei ident mit jenem eines früheren Anwalts von Küssel und eines Vorstandsmitglieds von Küssels Verbindungen. „Die Verbindungen führen als Adresse die Lichtenauergasse in der Wiener Leopoldstadt an, in der Küssel und andere Neonazis in den 1990er-Jahren mehrere Wohnungen erworben hatten“, heißt es auf „Stoppt die Rechten“.

Für Kellerbesitzer war‘s ein gutes Geschäft

In Wetzelsdorf selbst nimmt man von den neuen Kellerbesitzern kaum Notiz: Auf die Frage, was denn hier los sei, kam glaubhaft die Antwort, noch nichts davon gehört zu haben. Ein Arbeiter aus Poysdorf, der beruflich mit Küssel zu tun hatte, erzählte, dass in den Kellern nichts verändert wurde.

Bürgermeister Thomas Grießl betont, keine Handhabe gegen die Kellerkäufe in Wetzelsdorf zu haben. Sie wurden rechtmäßig abgeschlossen und Keller, gerade in der nicht sehr attraktiven Kellergasse, sind sehr günstig zu bekommen. Direkten Kontakt zu Wetzelsdorfern gibt es nicht. Für die Besitzer war der Verkauf ein gutes Geschäft, denn die länger leer stehenden und leicht verfallenen Weinkeller sind fast nicht mehr verkäuflich gewesen.

Die Große Kellergasse ist eine Landesstraße in Richtung Eibesthal mit viel Verkehr. „Hier ist auch kein Parkplatz, daher würde es schon sehr auffallen, wenn es hier zu größeren Menschenansammlungen kommen würde“, sagt Grießl. Auch die Polizei ist hellhörig und kontrolliert laufend.

Am Poysdorfer Bauamt gab es bislang keine Einreichungen für eventuelle Umbauten. „Bei einem Keller neigte sich die Vorderwand des Presshauses. Sicherungsmaßnahmen wurden rasch erledigt“, erzählt Grießl.

Was die Gruppe um Gottfried Küssel wirklich vorhat, wird die Zukunft weisen. Dem Arbeiter in seinem Keller jedenfalls habe Küssel erzählt, dass es so schön und gemütlich sei, hier in der Kellergasse ein Gläschen Wein zu trinken.

Kontaktversuche der NÖN zu Küssel blieben erfolglos.