Mistelbach: "Das Hotelprojekt ist tot". "Das Hotelprojekt ist tot!" Franz Pichler, Chef von spusu und Investor für das geplante Vier-Sterne-Superior-Wellnesshotel in den Weinbergen hinter Mistelbach klingt am Boden zerstört: "Nach einer langen Nacht haben wir uns entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen."

Von Michael Pfabigan. Update am 07. Mai 2021 (20:09)

Ausschlaggebend für den Rückzug aus dem Projekt sind aber nicht etwaige Umweltschutzbedenken, sondern das Nein der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank. Und ohne deren OK ist auch das Land NÖ nicht bereit, Projekte zu unterstützen.

"Wolfgang Kleemann, Generaldirektor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank hat sich nicht mal acht Minuten Zeit genommen, um unser Projekt zu begutachten und hat es gleich abgelehnt", sagt Pichler im NÖN-Interview. "Der hat unseren spusu-Firmenstandort Wolkersdorf gelesen und geglaubt, wir wollen dieses Projekt dort machen." 

Das Weinviertel brauche keine Hotels in der Vier-Sterne-Superior-Kategorie, lautete das Urteil Kleemanns: "Er hat uns vorgeschlagen, ein Drei-Sterne-Superior-Hotel zu bauen, das würde er unterstützen", erzählt Franz Pichler: "Dabei sagen uns alle Hotelexperten, dass Hotels in der Drei-Sterne-Kategorie mit unserem Konzept  nicht rentabel zu führen sind."

"Wir haben schon viel Geld in das Projekt gesteckt, wir haben jetzt schon mit der Feinplanung begonnen", schildert der Chef des erfolgreichen Mobilfunkunternehmens. Dass es an einem anderen Ort umgesetzt werden kann, glaubt er nicht.

Eigentlich hätte das Hotel (samt Firmengebäude für spusu) ja am Ortsrand von Asparn gebaut werden sollen, dort ließ das die Raumordnung nicht zu. Für Mistelbach wurde das Konzept insofern geändert, dass auf das Firmengebäude verzichtet wurde und nur das Hotel umgesetzt werden hätte sollen: In den Weinbergen der Landwirtschaftlichen Fachschule und  eines privaten Grundbesitzers. Die Widmung sollte hier als Tourismusbetrieb kein Problem sein. Auch mit der Lokalpolitik war man sich einig. Ebenso befürworteten große Teile der Bevölkerung das Projekt, das dem Tourismus in der Region neue Impulse geben und damit zur Entwicklung des Weinviertels beitragen sollte. glauben die Pichlers, die mit dem Projekt kräftig in der Region investieren wollten.

Angedacht war ein Eigenkapital von 10 Mio. Euro und zwei  Mio. Euro Investitionsförderung vom AWS. Der Rest sollte mit Darlehen finanziert werden.  Aber dazu wäre ein positives Gutachten der ÖHT notwendig gewesen.  „Unser Return on Investment war nach zwölf Jahren geplant“, erklärt Andrea Pichler. Erstellt wurde das Hotelkonzept und der dazugehörige Businessplan von einem erfahrenen Consulting-Unternehmen, das bereits über 200 Hotelprojekte erfolgreich betreut. „Diese Unterlagen dokumentieren die Wirtschaftlichkeit eindeutig“, erklärt Andrea Pichler, Geschäftsführerin des Projektes: "Dass hier die ÖHT in Person von Generaldirektor Wolfgang Kleemann keine Zusage erteilt, obwohl sie keine genaue Einsicht in die Projektunterlagen genommen hat, ist mehr als irritierend.“ Anscheinend sei man nicht an der Weiterentwicklung unserer Heimat interessiert, glaubt die Olgersdorferin: "Wir haben uns nun schweren Herzens entschieden, auf unser spusu Hotelprojekt im Weinviertel zu verzichten.“

Ganz unumstritten war das Hotelprojekt in den Weinbergen Mistelbachs freilich nicht: Mit den ersten Plänen kam auch die Kritik von Versiegelung von Boden in einem Naherholungsgebiet der Mistelbacher. Auch der Umstand, dass erstens Rebfläche der Landwirtschaftlichen Fachschule dafür verkauft und zweitens die Unternehmerfamilie Pichler sogar die meisten Weingärten der Schule beim Dionysos-Weg aufkaufen hätte wollen, wurde negativ aufgefasst.

Reaktionen

"Es ist unendlich schade und ich bedaure, dass dieses großartige Projekt nun die Stadt Mistelbach und das Weinviertel nicht touristisch bereichern wird", sagt Mistelbachs Bürgermeister Erich Stubenvoll: "Ich muss nach der negativen Stellungnahme des Tourismusexperten aber den Schritt der Familie Pichler aber leider akzeptieren."

"Wir haben seitens des Landes Niederösterreich mehrere konstruktive Gespräche mit der ÖHT und der Familie Pichler mit dem Ziel geführt, dass das Hotelprojekt im Weinviertel verwirklicht werden kann", sagt Tourismus-Landesrat Jochen Danninger (ÖVP): " Denn für den Tourismus im Weinviertel wären zusätzliche Beherbergungsbetriebe wichtig."  Bei einem kürzlich stattgefundenen Gespräch mit der Familie Pichler sei  ein Prozess aufgezeigt worden, wie man gemeinsam zu einer Lösung kommen könnte. Für jedes Hotelprojekt in Niederösterreich sei seit je her eine positive Beurteilung der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank eine Fördervoraussetzung. "Wir stehen weiterhin bereit, die Familie Pichler bei ihrem Hotelprojekt im Weinviertel zu unterstützen und würden uns sehr freuen, wenn sie ihre Planungen wieder aufnimmt", sagt der Landesrat.