Mistelbach

Erstellt am 09. Juni 2018, 04:00

von Christina Ott

Weinviertel wird bei Touristen beliebter. Steigende Nächtigungs- und Besucherzahlen, Bettenangebot ist jedoch ausbaufähig.

Weinviertel Tourismus / Bartl

“Die Entwicklung geht aufwärts – in den letzten Jahren können wir uns über stetig steigende Nächtigungszahlen und steigende Zahlen bei den Ausflugszielen freuen“, zieht Hannes Weitschacher, Geschäftsführer von „Weinviertel Tourismus“, eine positive Bilanz.

Konkret konnte sich das Weinviertel in den letzten Jahren um rund 100.000 Nächtigungen steigern. Im Jahr 2017 erzielten die Beherbergungsbetriebe mit 579.854 Nächtigungen einen Zuwachs von 0,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Damit wurde der bisherige Rekordwert übertroffen. Die Urlauber stammen vor allem aus Niederösterreich selbst, Wien und Oberösterreich. Aus dem Ausland konnte das Weinviertel insgesamt mehr als 146.000 Nächtigungen verzeichnen, die meisten davon waren Deutsche. „Wir wollen weiter zulegen“, gibt Weitschacher das Credo vor.

„Mit der sanfthügeligen Landschaft, dem Wein, den Rad- und Wanderwegen kann das Weinviertel überall punkten.“Hannes Weitschacher, Weinviertel Tourismus

Wohin soll sich der Tourismus im Weinviertel nun konkret weiterentwickeln? „Als Tourismusregion sind wir bestrebt, die Vor- und Nachsaison zu beleben, Produkte zu entwickeln und zu vermarkten sowie Kräfte zu bündeln“, so Aufsichtsratsvorsitzender Kurt Hackl.

Vor allem für die Zeit vor und nach der Hauptsaison will man die Touristen mit tollen Angeboten locken, denn: „Betriebswirtschaftlich machen kurze intensive Zeiten bei sonstiger schwacher Auslastung keinen Sinn. Zusammen mit den Betrieben gelingt es schon recht gut, die Saison von Ostern bis Dezember zu erstrecken“, führt Hackl weiter aus. Im Frühjahr gibt es daher zum Beispiel die beliebte Weintour Weinviertel oder das „In die Grea gehen“, wo mit einer Weinviertler Winzerpersönlichkeit durch die Weinberge gewandert wird. Im Dezember steht dann der Weinviertler Advent am Programm.

Quelle: Weinviertel Tourismus GmbH ; Illustration: Rimma Z/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Wo genau liegen die Hoffnungsgebiete für den Tourismus? Weitschacher und Hackl sind sich jedenfalls einig, dass das gesamte Weinviertel Potenzial hat, jeweils in unterschiedlicher Ausprägung: „Mit der sanfthügeligen Landschaft, dem Wein, den Rad- und Wanderwegen kann das Weinviertel überall punkten.“

Ausgehend von den touristischen Hotspots rund um Retz, Laa, Poysdorf, wo es bereits ein hohes Nächtigungsaufkommen gibt, lasse sich die gesamte Region entwickeln. „Beim Hauptbesuchsmotiv der Gäste stehen Ruhe, Erholung, Natur und Essen und Trinken an oberster Stelle. Natürlich haben es Orte und Gegenden mit touristischer Infrastruktur leichter, sich am Markt zu platzieren.“, erklärt Weitschacher.

Aber auch in den anderen Gebieten geht es voran: Als Beispiele nennt Hackl etwa den Kellerkatzenweg in Hollabrunn; den gesamten Heldenberg, der nun um eine Vinothek und Bar erweitert wurde, die Amethyststadt Maissau, die Leiserberge mit Naturpark, die Weinviertel Draisine, das MAMUZ in Asparn und Mistelbach oder das Museumsdorf in Niedersulz. Verstärkte Bemühungen würden nun auch in den March-Thaya-Auen oder im Marchfeld gesetzt werden. Im Wien nahen Bereich sei zudem der Ausflugstourismus stark.

Kurt Hackl, Wirtschaftskammer Bezirksstellenobmann: „Eine florierende Wirtschaft ist der Schlüssel.“  |  zVg

Neben den ganzen positiven Entwicklungen gibt es aber immer noch einige Herausforderungen für den Weinvierteltourismus. Laut Hackl brauche es zum Beispiel mehr Betriebe und Leute, die im Tourismus arbeiten wollen, vor allem Winzer: „Im Weinviertel sehe ich noch viel Potenzial, dass Winzer auch Gastronomie und Beherbergung anbieten.“

Schwerpunkt „Weinviertler Kulinarik (wieder) entdecken“

Radfahrer seien zwar immer wieder begeistert von Landschaft und Freundlichkeit der Weinviertler, würden sich aber über mangelnde Einkehrstationen beklagen. „Hier sind wir mit innovativen Ideen gefordert“, weiß Hackl.

Die stärksten Konkurrenten in der Gunst der Gäste seien zudem die Steiermark, das Burgenland, die Wachau, aber auch der Wienerwald mit der Südbahngegend, auch was das Nächtigungsangebot betrifft. „Ohne einem größeren Bettenangebot laufen wir Gefahr, immer mehr Gäste an andere Regionen oder ins benachbarte Ausland zu verlieren“, sorgt sich Hackl.

Eine Herausforderung stellt für Weitschacher auch das Problem dar, dass das Weinviertel für viele Leute noch immer eine unbekannte Region sei. „Hier gilt es, noch viel Imagearbeit von allen Beteiligten zu leisten. Der Weinviertel DAC hat schon einiges bewirkt.

Mit dem Schwerpunkt „Weinviertler Kulinarik (wieder) entdecken“, wollen wir nun typische Produkte und Gerichte mehr vor den Vorhang holen“, so der „Weinviertel-Tourismus“-Geschäftsführer.