1,9 Mio. Euro erstritten: AK auf Rekordkurs. Bisher wurden 1,9 Mio. Euro erstritten. 2,2 Mio-Euro-Marke wird fallen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 08. August 2019 (04:34)
Michael Pfabigan
Zogen Halbjahresbilanz über die Leistungen der Arbeiterkammer: Bezirksstellenleiter Rudolf Westermayer und Arbeiterkammerrat Peter Schaludek.Pfabigan

„Da geht es um Leistungen, die den Arbeitnehmern zustehen und die wir für sie erstreiten müssen“, sagt Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Rudolf Westermayer: Für einen 47-jährigen Lastwagenfahrer musste die AK das Krankengeld einfordern, nachdem er kurz vor einer schon länger geplanten OP vom Chef gekündigt worden war. „Dass er seinen Job verloren hatte, erfuhr er erst, als er die Endabrechnung in der Post fand“, erzählt Westermayer.

Der Mann war seit 2015 Vollzeit bei einem Güterbeförderungsunternehmen beschäftigt. Nach einem Arztbesuch im März 2019 war ihm mitgeteilt worden, dass er eine Operation benötigt, die für Mai festgelegt wurde. „Diesen Operationstermin hat der Lkw-Fahrer seinem Dienstgeber auch mitgeteilt“, sagt Westermayer. Da die Beschwerden schlimmer wurden, wurde er mit 9. Mai krankgeschrieben. Auch das meldete er nachweislich in der Firma.

„Da geht es um Leistungen, die den Arbeitnehmern zustehen und die wir für sie erstreiten müssen!“Rudolf Westermayer, AK-Bezirksstellenleiter

„Erst als er Ende Mai 2019 die Endabrechnung von der Firma bekam, erfuhr er, dass er mit 26. Mai gekündigt sei und somit auch kein Krankengeld-Anspruch durch die Firma mehr besteht“, schildert Westermayer den Fall.

„Beim Beratungsgespräch wurde schnell klar, dass der Dienstgeber ihn rückwirkend, also noch vor der Meldung des Krankenstandes, gekündigt hat. Da jedoch der Arbeitnehmer alles nachweislich dem Dienstgeber übermittelt hat und ein Kündigungsschreiben vom Dienstgeber nicht erhalten hat, wurde von der AK Niederösterreich gemäß den Bestimmungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes das Krankengeld bis zum Ende des Krankengeldanspruchs bis zum 3. Juli vom Dienstgeber gefordert und auch zwischenzeitlich beglichen.

“Für Westermayer ist die Vorgangsweise ein klarer Versuch für Sozial- und Lohndumping. „Auch das Teilentgelt (50 %) wurde bei der NÖ Gebietskrankenkassa beantragt und auch schon überwiesen. Somit konnten wir rund 2.300 Euro brutto für den Lkw-Fahrer erstreiten“, ist Westermayer nur bedingt zufrieden. Denn noch besser wäre es, wenn Unternehmen nicht erst probieren würden, ihren Mitarbeitern Leistungen vorzuenthalten.

Rund 1,9 Mio. Euro erstritten

Insgesamt erstritt die Arbeiterkammer im Bezirk 1,9 Mio. Euro. Rund 1,2 Mio. Euro davon allein in der Insolvenzvertretung: „Da hat sich der Fertinger-Konkurs massiv niedergeschlagen“, sagt Westermayer.

„Wenn wir im ersten Halbjahr 2019 schon knapp 1,9 Mio. Euro für unsere Mitglieder erstritten haben, dann bedeutet das, dass wir auf Rekordkurs sind“, sagt Westermayer. „Die bisher höchste erstrittene Summe waren 2,2 Mio. Euro: „Ich gehe davon aus, dass wir das überspringen“, sagt Westermayer.

Was sind die Themen, mit denen sich Arbeitnehmer an die AK wenden? „Das sind Fragen rund ums Gehalt plus der Kontrolle des Gehaltszettels oder der Endabrechnung und Fragen rund um eine Dienstnehmer-Auflösung“, weiß Arbeiterkammerrat Peter Schaludek. Diese Themen seien landesweit gleich, die aufgezeigten Fälle, wo Regeln gebrochen werden, würden die Notwendigkeit einer kompetenten Beratung für Arbeitnehmer belegen.