„80 Prozent Impfrate wären optimal“. Ärzte würden sich eine bessere Durchimpfrate auch bei Grippe wünschen. Derzeit liegt sie bei zehn Prozent.

Von Florian Mark. Erstellt am 12. Februar 2020 (03:36)
Impfen ist auch bei Erwachsenen ein Thema. Häufig fehlen Auffrischungsimpfungen.
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„Ideal wäre es eigentlich, wenn Impfungen gegen die am meisten verbreiteten Krankheiten kostenlos angeboten würden“, so Bezirksärztevertreter Oskar Kienast, praktischer Arzt in Mistelbach. „Sind die Basisimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Keuchhusten und Masern im Kindheitsalter durchgeführt worden, sollte je nach Impfung aufgefrischt werden.“

Anlässlich der aktuellen Grippewelle, aber auch immer wiederkehrenden Masernfällen und in jüngster Zeit Keuchhustenfällen, fragte die NÖN bei Ärzten nach, wie sie die Bereitschaft der Weinviertler einschätzen, sich impfen zu lassen. Fazit: Es könnte mehr sein, sagen die Mediziner.

Die Impfung gegen Keuchhusten, Tetanus und Diphtherie solle alle zehn Jahre aufgefrischt werden, die Impfung gegen Polio nur, wenn die Grundimmunisierung als Kind nicht vervollständigt wurde, oder ein Impfnachweis fehlt. Gegen Röteln reiche prinzipiell die zweimalige Impfung im Kindheitsalter.

Die Wichtigkeit der Hygiene, vor allem in den Zeiten erhöhter Erkrankungen, könne nicht überschätzt werden. „Händewaschen mit Wasser und Seife ist dabei jedoch fast zwecklos“, so Allgemeinmediziner Kienast, „da Seife den Säuregehalt der Haut schädigt und Bakterien fast nichts anhaben kann. Stattdessen ist Desinfektionsmittel zu empfehlen.“

„Impfrate sollte bei 80 Prozent liegen“

„Was auf jeden Fall verbesserungswürdig ist, ist die Impfrate bei der Grippe“, so Las Petr von der Apotheke Poysdorf. „Diese liegt nur bei rund zehn Prozent, es wäre viel besser, wenn sich 80 oder 85 Prozent impfen lassen würden.“ Zwar sei es zumeist nur bei bestimmten Menschen tödlich, so Petr.

„Dazu gehören Personen ab 50, Kinder und generell Immungeschwächte, sowie Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herz- und Lungenerkrankungen. Aber bei einer höheren Impfrate wären auch gefährdete Personengruppen besser geschützt.“

Auch die Impfung gegen Pneumokokken sei sehr wichtig.

Bei Menschen ohne erhöhtes Risiko folgt auf eine Infektion ein Krankenstand, bei Risikogruppen oder älteren Menschen kann sie hingegen tatsächlich tödlich sein. Regelmäßige Händedesinfektion empfiehlt der Apotheker, vor allem, wenn man sich in größeren Personengruppen aufhält. „Niesen sollte man am besten in den Ellenbogen oder in die Schulter, auf keinen Fall in die offene Hand.“

„Es wäre gut, wenn man die aktuelle Hysterie um das Corona-Virus auf Erkrankungen umlegen könnte, zu denen wirklich eine Notwendigkeit des Impfens besteht, wie Masern!“  Oskar Kienast, Bezirksärztevertreter

In Schulen besteht in Österreich keine generelle Impfpflicht, weder für Schüler, noch für Lehrer. „Durch die Schulärzte in den einzelnen Schulen sowie dem schulärztlichen Dienst des Landes in der Bildungsdirektion wird aber regelmäßig über die Impfmöglichkeiten und die Wichtigkeit des Impfens informiert“, so die Bildungsmanagerin für das Weinviertel, Brigitte Ribisch.

„Auch läuft derzeit in Niederösterreich eine Impfkampagne, die Aufklärung zur Thematik bietet“, sagt Brigitte Ribisch.

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