Alte Kfz-Kennzeichen als „Symbol für robuste Technik“. Die schwarzen Taferl wurden abgeschafft, weil sie weniger Licht reflektieren. 4.795 gibt es im Bezirk aber noch.

Von Christoph Szeker, Werner Kraus und Susanne Bauer. Erstellt am 07. August 2019 (04:50)
Susanne Bauer, Werner Krau
In Zlabern besitzt Johann Kreuzinger einen VW Jetta mit schwarzem Taferl.

Das Farbfernsehen hielt im Jahre 1969 Einzug in den ORF, bei den Nummerntafeln fing die bunte Ära dann im November 1989 an. Seither werden keine schwarzen Nummerntafeln mehr ausgegeben, vereinzelt sind sie dennoch auf alten Fahrzeugen zu sehen. Im Bezirk sind es sogar 4.795 Vehikel mit altem Kennzeichen. Mistelbach führt in Niederösterreich damit vor Amstetten (3.980) und Gänserndorf (3.800).

Die Umstellung von schwarz auf bunt vor 30 Jahren war aber nicht so leicht wie gedacht: Kronen Zeitung und Künstler Friedensreich Hundertwasser starteten eine Initiative zum Erhalt der schwarzen Taferl. Für Hundertwasser stand die „Visitenkarte der Nation“ auf dem Spiel, ein wichtiger Teil der österreichischen Identität.

Susanne Bauer, Werner Kraus
Auch im Oldimermuseum in Poysdof haben zwei Motorräder noch das alte Kennzeichen (im Bild mit Josef Gloss und Manfred Parisch).

Im Laufe der monatelangen Diskussionen stellten sich auch Teile der ÖVP hinter den Künstler. So kam es, dass die Landeshauptleute-Konferenz in Salzburg sogar eine Empfehlung abgab, die Gestaltung der neuen Nummerntafeln zu überdenken. Ein Gutachten setzte dem Streit schließlich aber ein Ende: Schwarze Nummerntafeln, wie von Hundertwasser vorgeschlagen, haben nur den halben Reflexionswert und sind sicherheitstechnisch im Nachteil. Also wurden die neuen Kennzeichen mit weißem Hintergrund eingeführt.

Für viele stehen die dunklen Blechplatten aber nach wie vor symbolisch für die alte, robuste Technik. Johann Kreuzinger aus Zlabern fährt zum Beispiel noch einen 36 Jahre alten VW Jetta mit schwarzer Nummerntafel. Der Diesel hat 54 PS, keinen Turbo, keine Servolenkung und keine elektrischen Fensterheber, von einer Klimaanlage ganz zu schweigen. „Da kann nicht viel kaputtgehen und wenn, dann wird’s repariert“, betont Kreuzinger. Er fährt mit dem Zweitauto jährlich rund 5.000 Kilometer, wird sich aber aufgrund von Platzproblemen und aus gesundheitlichen Gründen von dem Fahrzeug trennen.

Im Oldtimermuseum Poysdorf stehen sogar noch zwei Motorräder mit altem Kennzeichen: Eine NSU Quick (Baujahr 1948) und eine Dürkopp (Baujahr 1939). Die beiden Zweiräder stehen jedoch nicht nur im Museum, sie werden von ihren Besitzern auch noch gefahren. Die Dürkopp hat Josef Gloss von seinem Onkel bekommen und in der Jugend etwas beschädigt. In einer Werkstatt ließ er sie dann in mühevoller Kleinarbeit reparieren. Erst heute weiß Gloss, welch´ wertvolles Fahrzeug er anmelden konnte.

Buchstaben kamen, als die Zahlen ausgingen

Manfred Parisch, Obmann im Oldtimermuseum, hat neben den Sammlerstücken auch eine kleine Kennzeichengeschichte zusammengestellt: Von 1905 bis 1930 standen auf den Taferln die Buchstaben nach dem Alphabet, wobei A für Wien und B für Niederösterreich stand – bei Booten ist diese Regelung noch immer im Einsatz.

Die erste schwarze Nummerntafel wurde dann 1930 geschaffen. Nach dem Anschluss und während der sowjetischen Besatzung in Niederösterreich sahen sie jedoch anders aus. Die Buchstaben am Ende der Kennzeichen wurden ergänzt, als die Zahlen ausgegangen sind. Ab 1947 waren dann jene Nummernschildern im Einsatz, die vor 30 Jahren abgeschafft wurden.

Heute sind diese schwarzen Relikte der Vergangenheit oft auf Traktoren zu finden. So etwa auf dem Traktor von Martin Wannemacher, Obmann des Verschönerungsvereines in Bockfließ. Eine emotionale Bindung hat er nicht zu der Nummerntafel, der Traktor ist schlicht noch auf den Namen seiner Eltern angemeldet. Allerdings ist Wannemacher Besitzer eines der letzten alten Kennzeichen: Den Traktor haben seine Eltern im Jahr 1989 angeschafft. Das Schild sieht noch dementsprechend neu aus.