Apotheker: „Der Grippe-Impfstoff wird zu wenig sein“. Großaufkäufe und Rieseninteresse bei Patienten sorgen dafür, dass Influenzaimpfung im Bezirk Mistelbach so gut wie ausverkauft ist.

Von Werner Kraus und Michael Pfabigan. Erstellt am 23. September 2020 (04:48)
Apotheker Klaus Dundalek erwartet sich einen Engpass beim Influenza-Impfstoff: Denn die Nachfrage danach ist schon jetzt hoch, obwohl er noch nicht einmal ausgeliefert wurde.
MichaelPfabigan

„Wir haben 30 Prozent mehr Impfdosen für die Grippeimpfung bestellt, so wie auch die Ärzte, die bei uns bestellen“, sagt Apotheker Klaus Dundalek: „Aber nach der Nachfrage, die von Kundenseite auf uns zukommt, wird das zu wenig sein.“ Die Apotheken werden derzeit mit Anfragen nach dem Influenzaimpfstoff gestürmt: „Bis jetzt hat sich im September noch nie jemand für die Grippeimpfung interessiert“, weiß der Mistelbacher Apotheker.

Die erste Tranche des Impfstoffes wird Anfang Oktober ausgeliefert: „Wir haben keine Wartelisten, aber wir haben uns die Telefonnummern von Menschen notiert, die eine Impfdosis haben wollen, die informieren wir dann, wenn der Impfstoff eingelangt ist“, sagt Dundalek.

„Auch die zweite Impfstofftranche, die dann im Dezember ausgeliefert werden soll, ist schon weg“, weiß Bezirksärztevertreter Oskar Kienast, praktischer Arzt noch in Mistelbach und bald in Hausbrunn: „Ich habe mit der Behörde gesprochen: Es ist alles ausverkauft“, man bekomme nur noch rationierte Kontingente.

Schuld daran sind heuer Großabnehmer. So hat die Stadt Wien mehrere 100.000 Impfdosen aufgekauft – und die würden eben fehlen.

Acht Prozent der Bevölkerung gegen Grippe geimpft

Bisher ließen sich rund acht Prozent der Bevölkerung Grippeimpfen, die Wirksamkeit liegt bei durchschnittlich 70 Prozent. In schlechten Jahren, wenn das Serum auf den falschen Grippevirenstamm setzt, deutlich darunter. „Aber aufgrund der intensiven Medienberichterstattung rund um Covid-19 und dessen Ähnlichkeit zu Influenza gibt es heuer eine größere Bereitschaft, sich impfen zu lassen“, sagt Kienast. Er habe Patienten, die jedes Jahr kämen und sich Grippeimpfen lassen, andere würden das strikt ablehnen, da sie schlechte Erfahrungen gemacht hätten.

„Seit Eröffnung der Praxis für Allgemeinmedizin vor 20 Jahren sind sämtliche meiner Mitarbeiter und ich selbst regelmäßig gegen Grippe geimpft. Noch nie ist einer von uns an Grippe erkrankt, obwohl wir zu Epidemiezeiten täglich Kontakt mit Grippekranken hatten“, sagt Arzt Michael Cajka, praktischer Arzt in Drasenhofen: „Einen besseren Beweis für die Wirksamkeit der Impfung findet man kaum.“

„Angst ist sowohl bei Influenza als auch bei Corona ein schlechter Berater!“Klaus Dundalek, Apotheker in Mistelbach

Ob der Ansturm heuer tatsächlich so groß sein wird, wie erwartet, ist für Kienast trotzdem fraglich, zumal er selbst kein großer Fan der Influenza-Impfung ist: „Jedes Jahr sterben in Österreich tausende Menschen an den Folgen von Influenza - und bisher hat es keinen interessiert.“ Aber anscheinend sei das dank der Berichterstattung rund um das SARS-CoV-2-Virus anders.

„Der heurige Herbst und Winter werden besonders brisant. Corona wird uns schwer zu schaffen machen“, glaubt Cajka: „Wenn da noch eine Influenzainfektion dazu kommt, gleicht das schon einem „viralen Supergau“. Sind doch die Infektionszeichen beider Krankheiten zum Verwechseln ähnlich.“

Müssen sich Menschen Sorgen machen, wenn sie keine Grippeimpfung mehr bekommen? Sowohl Dundalek als auch Kienast sagen Nein: „Influenza ist eine Krankheit, die für 85 % der Menschen harmlos verläuft.“ Angst sei zudem nie ein guter Berater, wenn es um Gesundheit gehe, sind Apotheker und Arzt überzeugt.

Umfrage beendet

  • Werdet ihr euch heuer gegen Grippe impfen lassen?