Automarkt in der Krise: „Käufe sind fast bei Null“. Bezirk Mistelbach: Die Neuzulassungen sind im Vorjahr drastisch gesunken und die NoVA neu wird weiterhin Verluste bringen.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 27. Januar 2021 (04:11)
Symbolbild
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„Dem Automarkt geht es schlecht, natürlich leiden wir unter den Schließungen“, erzählt Gernot Wiesinger vom Autohaus Wiesinger in Mistelbach. Im Moment sei die Intensität bei den Autokäufen ähnlich wie im März 2020, während dem ersten Lockdown. „Auch mit den Käufen durch Klick und Collect sind wir fast bei Null“, so Wiesinger. „Nicht alle werden da mit einem blauen Auge davonkommen.“

Doch was sagen die Zahlen, wie steht es wirklich um die Autobranche im Bezirk? Insgesamt wurden 2020 um 597 weniger Autos verkauft als im Vorjahr, sowohl bei den Benzinern als auch bei dieselbetriebenen Autos war dieser Einbruch deutlich erkennbar. Nur der Verkauf von Elektro- und Hybridfahrzeugen ist gestiegen, hier gab es ein Plus von 182.

Besonders im Bereich der privaten Pkw ist die Krise für die Autohäuser spürbar und betrifft nicht nur die Verkaufszahlen, sondern auch die Leistungen, die die Händler nach dem Verkauf anbieten. Sabine Buryan vom Autohaus Karl in Mistelbach erklärt: „Die gesunkenen Neuzulassungen sind für uns nicht nur im Verkauf spürbar, sondern in der Folge auch im After Sales Bereich und deshalb trifft uns dies sozusagen doppelt.“

Auch während den Zeiten des Vorjahres, in denen die Autobranche wieder aufsperren durfte, hielten sich potenzielle Käufer zurück. „Die Menschen, die Autos kaufen können oder wollen, sind verunsichert“, meint Thomas Polke vom gleichnamigen Autohaus in Mistelbach. Da viele in Kurzarbeit sind oder ihren Arbeitsplatz verloren haben, fehlen auch vielen die Mittel für einen Autokauf.

Welche Marken sind von der Krise besonders betroffen? Mit 106 weniger Verkäufen im Bezirk gab es den stärksten Einbruch bei VW, gefolgt von Seat mit 63 weniger verkauften Fahrzeugen. Knapp darauf folgen Ford und Skoda. Dank der Investitionsprämie für Elektroautos, die im Februar ausläuft, gab es hier jedoch einen regelrechten Boom. „Wir haben 2020 über 110 Elektroautos verkauft, das sind extrem viele“, so Polke. 

Statistik Austria; Foto: maradon 333/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Neben den Schwierigkeiten durch die Coronakrise wird die ab Juli in Kraft tretende NoVA (Normverbrauchsabgabe) neu ein weiterer Schlag für den Automarkt werden. Durch die neue Regelung fällt der CO 2 -Ausstoß der Fahrzeuge bei der Steuer stärker ins Gewicht, was die Preise mancher Autos in die Höhe treibt. Bei LKW führt das zum Beispiel zu einer Preissteigerung von 30 Prozent . 

„Das ist ein Schlag ins Gesicht für die ganze Wirtschaft“, bestätigt Gernot Wiesinger. „Wir sind da kritisch und fragen uns, warum das überhaupt erlassen wurde.“

Auch Thomas Polke ist dieser Meinung: „Ich bin generell auch dafür, dass man die Branche ökologisiert.“ Im Moment gäbe es jedoch einfach keine Alternative für die klassischen Firmenfahrzeuge, weil die Elektroautos die Anforderungen der Unternehmer noch nicht erfüllen. „Bei kleineren Fahrzeugen wäre das also okay, bei den größeren aber nicht“, so Polke.

Besonders bei Lkw wird es also in der ersten Hälfte dieses Jahres zu Vorziehkäufen kommen, um die neue Steuerregelung zu umgehen. Sabine Buryan bestätigt diese Annahme: „Das tritt jetzt bereits ein“.

Ein Problem wird jedoch sein, dass die Autohändler der gesteigerten Nachfrage der Unternehmer nicht nachkommen werden können. Wahrscheinlich wird der Bedarf zu hoch sein und die Autohäuser werden nicht liefern können. „Es ergibt sich also durch Vorziehkäufe kein Vorteil für uns“, so Wiesinger.

Auch die restlichen Erwartungen der Branche an das Jahr 2021 sind eher verhalten, es ist schwer, die Situation einzuschätzen und Prognosen abzugeben. „Wir fahren auf Sicht“, erklärt Gernot Wiesinger und Sabine Buryan meint: „Wir gehen aufgrund der gesamten wirtschaftlichen Situation eher von einem Sinken aus“. Man hofft jedoch darauf, dass die Impfung Erleichterung bringt, man langfristig öffnen kann und die Menschen wieder mehr Geld in Autos investieren. 

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