Baustoffmangel treibt den Preis.  Durch die Pandemie gibt es Lieferprobleme, Bauprojekte liegen auf Eis.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 28. April 2021 (04:36)
Raiffeisen Lagerhaus Weinviertel Ost-Geschäftsführer Alfred Hiller meint, dass es für den Baustoffmangel keine schnelle Lösung gibt.
Michael Pfabigan

  „Ich bin schon lange im Geschäft, aber sowas habe ich noch nie erlebt“, beschreibt Friedrich Mürner, der Bereichsleiter Baustoffe bei Fetter, den aktuellen Baustoffmangel. Aufgrund der Pandemie und der Lockdowns hat es bei den Lieferanten Ausfälle gegeben, die zu logistischen Problemen führten.

Einige Unternehmen sind dank eines gut bestückten Lagers noch handlungsfähig, doch auch diese leeren sich zusehends. Die Nachfrage nach den Produkten sei laut Mürner aber durchaus da. 

„Der Stahlpreis ist um über dreißig Prozent gestiegen“ Kurt Graf, Projektleiter bei „You-will-like-it“

Besonders die Baumeister spüren die Auswirkungen der Situation, wie Marlies Pommer von der Firma Freibau in Wolkersdorf weiß: „Früher hat man alles innerhalb von zwei Tagen nach der Bestellung bekommen, jetzt bekommt man es erst nach drei Wochen“. Dadurch erhöhen sich auch die Preise der Produkte, Kunden müssen also mit einer Kombination aus Zeitverzögerung und Preissteigerung bei Projekten rechnen.

Und „die Preise werden weiter steigen“, ist Friedrich Mürner überzeugt. Besonders betroffen sind Materialen wie Dämmstoffe, Holzwerkstoffe, Putzfarben, Materialen zum Versiegeln und Stahl. „Der Stahlpreis ist um über dreißig Prozent gestiegen“, beschreibt der Projektleiter von „You-will-like-it Living“ in Mistelbach, Kurt Graf, die Lage. „Das bedeutet für ein Projekt wie unseres in der Bahnstraße eine Kostensteigerung von fünf Prozent.“

Viele Bauprojekte kommen momentan schon zu Beginn ins Stocken, da die Materialien für den Bau des Grundstocks fehlen. Bei manchen Produkten, wie Armaturen für das Bad, weiß man außerdem jetzt schon, dass sie erst im Sommer wieder verfügbar sein werden.

Der Lockdown schadet der Branche jedoch auch auf andere Weise: Durch die Schließung der Baumärkte haben es auch die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner der gerade entstehenden Wohnungen und Häuser nicht leicht, sie können sich zum Beispiel keine Fliesen aussuchen. „Wir arbeiten da jetzt mit dem Großhandel zusammen“, erklärt Kurt Graf.

You-will-like-it-Bauherr Reinhard Schönfelder und Projektleiter Kurt Graf sind froh, ihr Bauprojekt im Norden Mistelbachs abgeschlossen zu haben, von der Knappheit an Baumateriealien waren sie nur noch bei Armaturen und Kleinigkeiten betroffen.
Michael Pfabigan

Konkrete Lösungen für das Problem gibt es keine und internationale und komplizierte Lieferketten erschweren die Kommunikation noch zusätzlich. „Wir führen mit unseren Lieferanten Gespräche, aber diese haben auch Vorlieferanten und so weiter. Da kann man gar nicht so viel tun“, so Geschäftsführer des Lagerhaus Weinviertel Ost Alfred Hiller.

Auch Pommer sieht sich in der Situation gefangen, als einzigen Ausweg sieht sie eine frühzeitige Planung von Bauvorhaben und dementsprechend eine frühere Bestellung der Produkte. Doch auch das hilft nur teilweise: „Es gibt einen verlängerten Produktionsvorlauf, da werden termingerechte Geschäfte schwierig.“

Wann die Versorgung wieder besser wird, lässt sich noch nicht abschätzen. „Wir haben Vereinbarungen mit den Lieferanten“, so Friedrich Mürner. Demnach sollen im Juli, August und September wieder verstärkt Lieferungen erfolgen. Bis dahin gehe im Warentransfer wohl „vieles auf Zuruf“.

Umfrage beendet

  • Lieferengpässe und Preiserhöhungen bei Baustoffen: Habt auch ihr Probleme bei Projekten?