Blutspenden „muss ein Happening werden“. Die Spenderzahlen sind stabil, Jugend ist aber nur schwer zu gewinnen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 26. Juni 2019 (04:54)
NÖN
Interview und Blutspende in der Blutbank des Landesklinikums Mistelbach-Gänserndorf: Ärztlicher Leiter Harald Rubey, Orga nisatorischer Leiter der Blutbank Erich Haberl und Edith Schmerold mit NÖN-Redakteur Michael Pfabigan bei seiner 43. Blutspende.

„Ich würd schon noch gerne weiter spenden gehen, aber bei der letzten Blutspende hat man mir gesagt, dass ich jetzt aufhören muss“, sagt der Gaweinstaler Johann Simonovsky: Im Juni spendete er zum 160. Mal Blut.

Warum er das macht? „Es tut nicht weh, ich kann jemandem damit helfen und ich weiß, dass meine Blutwerte in Ordnung sind, weil das Blut bei jeder Spende untersucht wird“, lacht der Gaweinstaler: „Ich kann jedem nur raten: Geht zur Blutspende!“ Und am meisten freut sich Simonovsky über die SMS-Nachricht nach einer Spende, dass die Spende jemandem das Leben gerettet hat.

„Wir würden uns über regelmäßige Blutspenden freuen. Das Blutspenden soll ja kein Wettkampf sein!“Harald Rubey, Ärztlicher Leiter der Blutbank

Ehrt die Blutbank des Landesklinikums Mistelbach-Gänserndorf seine Vielspender, so ist das immer fast wie ein Freundestreffen. Denn die Beziehung zwischen Spendern und Blutbankteam ist fast schon familiär. Man kennt sich eben schon. Möglich wird das durch über 150 mobile Sammelaktionen, die die Blutbank jährlich im Bezirk Mistelbach und Gänserndorf abhält: Dazu müssen 600 Kilo Material verladen und an den jeweiligen Sammelort gebracht werden. Ein riesen Aufwand für das Blutbankteam.

Natürlich freut sich das Blutbankteam über ihre Vielspender. „Aber noch lieber wäre uns, wenn zehn Prozent der Männer der Region zwei bis drei Mal jährlich und die Frauen ein bis zwei Mal jährlich zur Spende kommen würden“, sagt der ärztliche Leiter der Blutbank Harald Rubey. Denn wird zu intensiv gespendet, besteht die Gefahr von Eisenmangel: „Blutspenden soll ja kein Wettkampf sein“, lacht Rubey.

Sommerkampagnen mit Happening-Charakter

Die Zahlen der Blutspender in der Region, die Blutbank sammelt im Bezirk Mistelbach und im angrenzenden Raum Zistersdorf, sind stabil, leicht rückläufig sind die Spenden bei mobilen Aktionen. Da ist es vor allem schwer, die Jugend zu erreichen: „Nur ein Plakat aufzuhängen, wird halt künftig zu wenig sein“, sagt Rubey. Und Wirtshäuser seien auch nicht mehr der beliebteste Treffpunkt der Jugend: „Wir hatten früher Aktionen mit über 50 Spendern, heute müssen wir froh sein, wenn wir 30 haben“, sagt Rubey. Der Ausweg? „Mit unseren Sommerkampagnen versuchen wir, da viel mehr Happening-Charakter hineinzubekommen“, sagt Rubey: Größere Gruppen, die gemeinsam Blut spenden gehen und das cool finden.

Woran liegt es, dass die Jugend eine Scheu vor der Spende hat? „Man will nicht gestochen werden“, weiß Primar Rubey.

Starken Rückhalt hat die Blutbank bei der Kaserne Mistelbach: „Wir machen mit jedem Einrückungstermin eine Blutgruppenbestimmung mit der Blutbank“, sagt Presseoffizier Herwig Graf: „Wer will, kann dann auch gleich Blut spenden.“ Eine Möglichkeit, die viele nutzen, schließlich gibt es da einen Tag frei. „Das Blutspenden ist aber auch beim Kader sehr beliebt. Da geht sicher die Hälfte Blutspenden“, sagt Graf, selber 34-facher Blutspender.

Werden in der Blutbank Konserven bestimmter Blutgruppen rar, so ist das Bundesheer eine der Organisationen, wo nach kurzfristigen Spendern gesucht wird: „Da helfen wir gerne und suchen bei unseren Soldaten nach Spendern“, sagt Graf.

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