Corona-Einsatz: Kleiner Grenzverkehr & Fieber messen. „Am Muttertag gab es hier einige grenzüberschreitende Picknicks“, schmunzelt der Soldat: Er ist derzeit mit seinen Kameraden unterwegs, um an der Grünen Grenze illegale Grenzübertritte zu verhindern.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 18. Mai 2020 (17:25)

Denn derzeit sind im Bezirk Mistelbach nur die Grenzübergänge Laa und Drasenhofen geöffnet, alle anderen kleinen Übertrittstellen, wie beispielsweise Ottenthal sind geschlossen und auf tschechischer Seite sogar mit 70 Zentimeter hohen Betonpyramiden blockiert.

Aber es ist halt in der Grenzregion so, dass die Coronasperre der Grenzen auch Familien trennt: Die Kinder sind in Österreich, die Eltern in Tschechien. Um doch zusammen zu kommen - wenn auch mit Abstand, nutzten viele den gesperrten Grenzübergang in Ottenthal. „Da muss man Augenmaß walten lassen“, sagt der Grenzsoldat.

Denn viel wesentlicher, als diesen kleinen Grenzkontakt zu verhindern, ist es, Verkehrsströme zu unterbinden. Dabei geht es nicht um die schnelle Zigaretteneinkaufsfahrt in das Nachbarland. „Die kommt nicht vor“, erzählt der Streifensoldat.

Da geht es um Ukrainer, die so die großen Grenzübergänge auf der Fahrt nach Hause umgehen wollen. Denn die haben in Tschechien ihre Aufenthaltsgenehmigung verloren und reisen jetzt in ihre Heimat. In Österreich einreisen und durchfahren dürfen sie aber nur in einem nächtlichen Zeitfenster, in dem sie blockweise abgefertigt werden. Manche wollen sich die Warterei ersparen. Bislang gab es um die 20 Aufgriffe.

Für die Streifentätigkeit entlang der Grünen Grenze zwischen Zwingendorf und Hohenau sind täglich 20 Soldaten im Einsatz.

Diese Reisewelle fordert auch jenen Zug der Mistelbacher Soldaten, der Dienst an den offenen Grenzübergängen macht: Täglich werden dort um die 2.000 Temperaturmessungen an Einreisenden, hauptsächlich Lkw-Fahrern gemacht. Das kontaktlose Fiebermessen geht flott, denn die Fernfahrer sind den Vorgang schon gewohnt: Einfach Stirn hinhalten, nicken und weiterfahren. Hat einer erhöhte Temperatur, muss er warten und die Messung wird wiederholt: „Die meisten haben da die Heizung zu sehr aufgedreht. Wir hatten noch keinen einzigen Fall, den wir weitermelden mussten“, erzählt ein Soldat.

Auch in Drasenhofen gibt es den kleinen Grenzkontakt von durch die Coronagrenze zerrissenen Familien: „Die Kinder sind in Österreich, die Sommerreifen lagern aber bei den Eltern in Tschechien. Da werden die Reifen an der Grenze übergeben“, erzählt ein Soldat: „Ganz legal, ist ja kein Grenzübertritt.“

111 Soldaten im Einsatz

Insgesamt sind an der Grenze im Bezirk Mistelbach 111 Soldaten im Einsatz, untergebracht sind die Soldaten aus der Mistelbacher Kaserne im Hotel Rieder im Zentrum Poysdorfs und ein Zug aus Langenlebarn im Hotel Neustifter. Ein weiterer Zug aus Mistelbach ist im Obersiebenbrunnerhof der Familie Kopriva in Obersiebenbrunn untergebracht.

Die Soldaten sind alles Grundwehrdiener des Einrückungstermines Oktober 2019, deren Dienstzeit in der Krise verlängert wurden, die meisten sind seit fünf Monaten im Einsatz, zuerst in Kärnten und jetzt im Weinviertel. Wie schwer war es, sie zu motivieren?

„Später werden sie einmal stolz darauf sein, da dabei gewesen zu sein“, sagt Major Herwig Graf von der Kaserne Mistelbach: „Aber als sie die Nachricht von der Verlängerung und der neuerlichen Verlegung an eine Grenze gehört haben, sind manche schon in ein mentales Loch gefallen.“ Wobei: Das Dienstende ist für sie absehbar: Mit 22. Mai werden sie von der Miliz-Jägerkompanie Mistelbach abgelöst. Und Ende Mai (und für jene, die ein Monat bezahlten Urlaub auf Bundesheerkosten genießen wollen Ende Juni) rüsten sie endgültig ab.

Abgelöst wird auch jene Assistenzkompanie der Mistelbacher Aufklärer, die zur Zeit Objektschutzmaßnahmen in Wien erledigt: Ein Zug von ihnen wird nach Oberösterreich verlegt, der Rest wird die Jägerkompanie Mistelbach verstärken. Denn von den 172 einberufenen Milizsoldaten hatten gerade mal 102 den Dienst angetreten.