„Der Radfahrboom ist unglaublich“. Durch Reisebeschränkungen haben der „Urlaub zu Hause“ und damit das Radfahren zu neuer Popularität gefunden.

Von Florian Mark. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:26)
BikeManiac-Chef Günther Schuch bemerkt gesteigertes Interesse am Radfahren: Es kommen viele Neukunden.
BikeManiac

Es ist ein Phänomen, das bei Händlern für Fahrräder und Fahrradzubehör mit Zufriedenheit beobachtet wird. „Seit unserer Wiedereröffnung nach dem Lockdown haben wir eine deutlich höhere Kundenfrequenz“, berichtet Günther Schuch, Inhaber von „BikeManiac“ in der Mistelbacher Bahnstraße. „Wir dürfen auch viele Neukunden begrüßen, die alte, lange nicht mehr genutzte Räder zur Reparatur bringen, weil sie das Radfahren durch die Krise wiederentdecken.“ Neben den stets gefragten E-Bikes, für die Kunden sogar ihr freigewordenes Urlaubsbudget investieren, würden auch Mountainbikes und Trekkingräder vermehrt gekauft.

„Generell beobachten wir einen unglaublichen Boom“, sagt Hannes Weitschacher von der Weinviertel Tourismus GmbH. „Vor allem die von uns angebotenen Sternfahrten, bei denen von einem Quartier aus mehrere Routen im Weinviertel befahren werden und die Etappenfahrten, bei denen jede Nacht in einem anderen Hotel genächtigt wird, erfreuen sich großer Beliebtheit.“

Zudem habe es noch nie so viel Andrang bei den Radleihstellen gegeben - ein Trend, den man auch im Poysdorfer Radverleih radWERK-W4 bemerkt hat. „An Wochenenden werden viele E-Bikes gebucht, und auch unsere Verkaufszahlen im Frühjahr waren sehr gut“, gibt Mitinhaber Reinhard Ebenauer bekannt. „Dank unseres guten Rufes als Rad- und Wanderparadies machen viele Wiener Radausflüge ins Weinviertel. Radfahren ist in Coronazeiten eine sichere Angelegenheit, da ein natürlicher Sicherheitsabstand eingehalten wird.“

„Sternfahrten und Etappenfahrten erfreuen sich bei Radtouristen großer Beliebtheit. Viele Nächtigungsbetriebe bieten diese an, weil sie mit Einnahmen verbunden sind.“ Hannes Weitschacher, Weinviertel-Tourismus

Für Hermann Hiebner und Katharina Hermé vom Wolkersdorfer Ableger der Radlobby ist die Entwicklung Anlass, auf die Vorzüge des Radfahrens hinzuweisen. „In Wolkersdorf fahre ich zu 99 Prozent mit dem Rad, man ist hier sogar schneller unterwegs als mit dem Auto und spart sich die Parkplatzsuche“, sagt Hiebner. Für Hermé sei das Fahrrad auch für Einkäufe das Mittel der Wahl. Sie kaufe für fünf ein und erledige die Einkäufe problemlos mit dem Rad.

Grundsätzlich hofft man vor allem auf die Handlungsbereitschaft der Politik in Sachen Radfahren. „Am wichtigsten ist ein durchgehendes, überregionales Radwegnetz: Orte in der Region sollten verbunden werden und entlang der S-Bahn könnte ein Radschnellweg sogar bis nach Wien führen.“

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