Fallwild: Spitzenwert bei Hasen. Jäger, Polizei und Versicherer vermerken von Jahr zu Jahr mehr Unfälle mit Wild auf Mistelbachs Straßen.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 14. Oktober 2020 (04:14)
Landesjagdverband NÖ; Foto: SciePro/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Circa 50 Rehe und über 100 Hasen und Fasane mehr als im Vorjahr - das war die Fallwild-Bilanz im Bezirk Mistelbach aus dem Jahr 2019. Bei den Hasen hat der Bezirk Mistelbach sogar einen traurigen Rekordwert im Weinviertel.

„Die Dunkelziffer liegt aber sicher höher“, meint Bezirksjägermeister Christian Oberenzer. Grund für diese hohen Zahlen ist das immer stärkere Verkehrsaufkommen auf unseren Straßen. Die Disziplin der Autofahrer entspricht dem aber leider nicht - obwohl das Problem durchaus bekannt ist, wird die Fahrweise nicht angepasst.

„Wildtiere können Gefahren nur bis zu einem bestimmten Grad erkennen“, so Oberenzer. Nähern sich Autos mit mehr als 80 Kilometer pro Stunde, hat das Tier keine Chance. Besonders oft sind Rehe und Hasen betroffen, dicht gefolgt von Fasanen. Unfälle mit Füchsen und Wildschweinen werden auch immer wieder gemeldet. Wildunfälle passieren meistens auf stark befahrenen Straßen in Wäldern und auf ausgedehnten Feldern, während der Dämmerung oder nachts.

„Nähern sich Autos mit mehr als 80 Kilometer pro Stunde, hat das Wild keine Chance!“Christian Oberenzer, Bezirksjägermeister

Daher der Appell des Bezirksjägermeisters: „Bitte in der Dämmerung das Tempo reduzieren und alle Sinne auf und auch neben die Straße“.

Auch Bezirkspolizeikommandant Florian Ladengruber gibt ähnliche Tipps für die Situation, dass ein Tier auf die Straße läuft: „Man sollte vorsichtig abbremsen, abblenden, den nachfolgenden Verkehr warnen und das Lenkrad gut festhalten.“ Eventuell hilft es auch, ein paar mal zu hupen.

Doch auch wenn der Unfall schon passiert ist, verhalten sich einige Autofahrer falsch. „Wildunfälle werden mitunter nicht angezeigt“, erzählt Ladengruber. Obwohl Anzeigepflicht besteht, begehen manche Lenker Fahrerflucht und lassen das verletzte Tier einfach liegen. „Viele glauben, dass es nichts bringt oder haben keine passende Versicherung“, so Oberenzer.

Einen Eindruck davon, wie hoch die Anzahl der nicht angezeigten Wildunfälle wirklich ist, bekommen die Jäger bei den Revierbegehungen im Frühjahr, wobei sie das liegengelassene Fallwild finden und verbuchen.

Gegen Wildunfälle versichern

Doch wie kann man sich am besten gegen Wildunfälle versichern? „Am besten ist eine ganz normale Kasko-Versicherung“, rät Eduard Nagl, der Agenturleiter der Allianz Versicherung in Mistelbach. „Alternativ gibt es auch eine eigene Wildschaden-Versicherung“, erzählt Nagl. Diese sei passend, wenn man sich sonst keine Kasko-Versicherung anschaffen würde, wie es etwa bei alten Autos oft der Fall ist.

In jeden Fall sei es jedoch wichtig, sein Auto zu versichern, so der Agenturleiter. Außerdem sollte man auch kleine Wildunfälle unbedingt anzeigen, denn nur so kann man den Schaden durch die Versicherung ersetzt bekommen. „Auch wir Versicherer merken, dass immer mehr Wildunfälle gemeldet werden“, so Nagl.

Damit die Zahlen nicht weiter steigen, gibt es auch präventive Lösungen, die immer mehr Anklang finden. Wildreflektoren zum Beispiel können akustisch sowie optisch helfen, Tiere von den Straßen fernzuhalten. Diese sind jedoch mit hohen Kosten verbunden, vor denen viele Autofahrer zurückschrecken.

Einen Teil davon bekommt man aber ersetzt, denn die Anschaffung der Reflektoren wird vom niederösterreichischen Jagdverband zusammen mit der BOKU (Universität für Bodenkultur in Wien) und dem niederösterreichischen Straßendienst gefördert.

Wildreflektoren sinnvolle Investition

Und die Erfahrung zeigt, dass das Investieren in Wildreflektoren auch sinnvoll ist: „Polizeireviere, wo viele Autofahrer Reflektoren montiert haben, vermerken bis zu 50 Prozent weniger Unfälle“, so Oberenzer.

Doch auch Wildreflektoren sind kein Allheilmittel, es gilt trotzdem vorsichtig und bremsbereit zu fahren.

Laut Polizeikommandant Ladengruber sollte man außerdem abblenden, sobald ein Tier auf die Fahrbahn läuft und risikoreiche Ausweichmanöver unbedingt vermeiden: „Vorsicht ist das ganze Jahr über geboten, nicht nur im Frühling oder Herbst“.

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