Fastenzeit: „Heute viel bewusster“. Trotz veränderter Bedeutung ist das Verzichten in der Fastenzeit für viele im Bezirk Mistelbach wichtig - sei es auf Essen, Alkohol oder das Handy.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:58)
Krimiautorin und Köchin Eva Rossmann will in der Fastenzeit sorgsam mit ihrer Zeit umgehen.
zVg

„Ich glaube schon, dass sich die Bedeutung der Fastenzeit verändert hat“, erzählt Pfarrer Helmut Scheer, der neben Ladendorf und Hauzendorf in mehreren anderen Gemeinden des Bezirks tätig ist. „Früher hat man der Fastenzeit wegen verzichtet, heute ist es viel bewusster, es gibt keinen gesellschaftlichen Zwang mehr. Man will damit etwas erreichen“, führt er weiter aus.

Und auch die Art des Fastens hat sich geändert: Viele verzichten nun nicht mehr beim Essen, sondern schränken die Nutzung ihres Handys oder Autos ein oder fasten für einen sozialen Zweck. So auch Autorin und Haubenköchin Eva Rossmann: „Worauf ich in dieser Fastenzeit achten will: meine Zeit sorgsamer zu nutzen. Das Mobiltelefon ist ein unglaublicher Zeitdieb.“ Daher wird sie in den nächsten Wochen bewusst weniger auf Facebook, WhatsApp und Co. unterwegs sein. Auch auf Nachrichten-Seiten im Internet will sie verzichten.

„Corona ist ein Dauerfasten!“ Eva Rossmann, Krimiautorin und passionierte Köchin

Werner Auer sieht im anlassbezogenen Fasten wenig Sinn.
Conny de Beauclair

„Das sind Aspekte, die heute viel stärker präsent sind, als früher und diese modernen Formen des Fastens sind sehr gut“, so Scheer. „Und heutzutage vielleicht sinnvoller als der Verzicht auf Essen.“ Die Grundidee des Fastens ist also auch heute noch interessant. Verzicht macht einem oft bewusst, dass vieles nicht selbstverständlich ist.

Nicht jeder hält sich dabei aber an die kirchlich vorgegebene Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern, viele fasten das ganze Jahr über. Der Intendant des Filmhofes Asparn Michael Rosenberg verzichtet zum Beispiel schon länger großteils auf Alkohol. „Grundsätzlich halte ich mich gar nicht an eine Fastenzeit, ich lege aber jedes Jahr zwei Fastenperioden ein“, erzählt Rosenberg.

Auch Werner Auer, Intendant der Felsenbühne Staatz hält nicht viel von Fastenvorsätzen. Er sieht die Fastenzeit heutzutage eher als Geschäftsmodell oder Event, der ursprüngliche kirchliche Gedanke sei verloren gegangen.

Michael Rosenberg verzichtet auch ohne Fastenzeit weitgehend auf Alkohol.
Pfabigan

Außerdem meint der Schauspieler und Intendant: „Die üblichen Vorsätze wie weniger zu essen, zu trinken oder zu rauchen sind vielleicht gesundheitlich interessant, aber wenn die Fastenzeit mit Heringsschmausgelagen beginnt und nach vierzig Tagen alles wieder mit einem Festschmaus inklusive Weinbegleitung endet, sehe ich auch darin nicht viel Sinn“.

Wie könnte man es besser machen? „Wenn man wirklich etwas ändern will, dann benötigt man dazu kein vorgegebenes Startdatum, sondern einen festen Vorsatz und einen starken Willen“, meint Werner Auer.

Doch welche Auswirkungen hat die Coronazeit auf das Fasten? Durch das Wegfallen von Abend- und Wochenendterminen hat auch der niederösterreichische Landtagspräsident Karl Wilfing mehr Zeit: „Meine Frau und ich werden zweimal die Woche walken gehen, um an der frischen Luft zu sein und dem Körper etwas Gutes zu tun“. Scheer bemerkte vor allem letzten Frühling, dass die Menschen durch den Lockdown intensiver fasteten. Eva Rossmann meint im Bezug auf die Krise: „Momentan trainieren wir ohnehin alle ein anderes Leben - und stellen im besten Fall so einiges in Frage. So gesehen ist Corona ein Dauerfasten, vor allem was Sozialkontakte und Fortgehen betrifft“.

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