Gemeindezusammenlegung: „Identität der Orte erhalten“. 50 Jahre nach Gemeindezusammenlegung im Bezirk Mistelbach: Die FF Hochleithen entstand aus drei Wehren. Poysdorf setzt auf Eigenheiten der Orte.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 21. April 2021 (04:18)
Der letzte Hanftahler Gemeinderat 1971 bei einem Jux-Fußballturnier, Karl Hansal, Johann Kastner, Franz Kriehuber, Hermann Krückl, Franz Laber, Anton Maier, Veit Mechtler, Engelbert Obermayer, Karl Ofner, Ulrich Uhl, Johann Winna, Leopold Winna. Hanfthal hat sich noch immer seine Eigenständigkeit als Teil der Stadtgemeinde Laa erhalten.
Topothek.at/Gemeinde Hanfthal, Topothek.at/Gemeinde Hanfthal

 „50 Jahre danach kann man eigentlich nur von der Erfolgsgeschichte Gemeindezusammenlegungen sprechen“, beschreibt der Landtagspräsident Karl Wilfing das Projekt von 1972. Die Mühen der Ortschaften und der Politik, die Anzahl der Ein-Ort-Gemeinden zu verringern und stattdessen einige Großgemeinden zu schaffen, hat sich also ausgezahlt. Doch wie sehen das die Bürger heute? Und wie haben sich die Änderungen auf das Leben in den Gemeinden ausgewirkt?

Poysdorfs Bürgermeister Thomas Grießl meint zu den erfolgreichen Zusammenlegungen: „Die Arbeit ist ein Miteinander, die Identität der Orte blieb aber erhalten“. Hatte man zu Beginn noch Angst, dass vor allem die Vereine aufgelöst werden, zeigt sich heute besonders hier der Erfolg des Projekts: Sportvereine, Freiwillige Feuerwehren, und viele mehr haben durch die Großgemeinden eine Stärkung erfahren, so Grießl. 

Die Zusammenlegung der Freiwilligen Feuerwehren Bogenneusiedl, Traunfeld und Wolfpassing zu Hochleithen stellt so eine Erfolgsgeschichte dar, wie der ehemalige Kommandant Johann Rernböck weiß: „Da hat es keinen Streit gegeben - auch heute gibt es überhaupt keine Probleme“.

Um das Projekt so gut zu bewältigen, hat man sich damals jedoch intensiv vorbereitet. Vier Arbeitsgruppen wurden eingerichtet, die Themen wie die Finanzen, die Fahrzeuge oder die Dienstposten der FF erarbeiten sollten. Dabei wurde besonders auf eine faire Verteilung der Dienstposten geachtet. „Jede Feuerwehr hat sich wiedergefunden“, beschreibt Rernböck das Ergebnis der damaligen Verhandlungen. Damit sich jeder eingebunden fühlt, finden sowohl die Florianifeier als auch die regelmäßigen Übungen bis heute abwechselnd in den drei Ortschaften statt.

Nur ein kleines Problem habe es damals bei den Feuerwehrleuten und Bürgern aus Bogenneusiedl gegeben, die am weitesten weg vom neuen Feuerwehrhaus beim Gemeindezentrum Hochleithen wohnen. „Da gab es die Angst, dass man dann nicht mehr für die Einsätze da ist. Auch die Bevölkerung hatte Angst, dass die Feuerwehr nicht mehr für sie da ist“, so der ehemalige Kommandant. Diese Angst habe er ihnen jedoch nehmen können, auch heute merke man davon nichts mehr.

Die Großgemeinden haben sich also bewährt und auch der finanzielle Aspekt ist dabei nicht zu vergessen. „Die Gemeinden sind dadurch auch wirtschaftlicher geworden, die kleinen Orte wären alleine nicht lebensfähig“, weiß Karl Wilfing. Das zeigt sich auch bei den Vereinen, wie der Freiwilligen Feuerwehr Hochleithen.

Ohne die Zusammenlegung wäre es nicht möglich gewesen, die drei Feuerwehren mitsamt den Häusern zu erhalten, auch den technischen Stand hätte es sonst nicht gegeben. „Heute sind das Haus und die Fahrzeuge top modern ausgerüstet“, weiß Rernböck.

Auch der Andrang des Nachwuchses unterstreicht den Erfolg der Zusammenlegung. „Und niemand fragt heute mehr, woher der Kommandant kommt“, fügt Johann Rernböck hinzu. Am Beispiel der FF Hochleithen sieht man also, dass sowohl Bürger als auch Vereine von der Gemeindezusammenlegung 1972 bis heute profitieren können.