Handel und Lockdown: „Gewinner dabei ist Amazon“. Händler fehlen Umsätze im Weihnachtsgeschäft, Bekleidungshandel wartet auf Entgelt-Einstufung.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 18. November 2020 (04:52)
Der Handel reagierte schon vor der Verkündung des zweiten Lockdowns und versuchte davor noch Umsätze zu lukrieren und die Ware an den Kunden zu bekommen.
Michael Pfabigan

„Für viele wird es jetzt ums Überleben gehen“, sagt Karin Schneider von der in Mistelbach: Sie ahnte bereits, dass da was in Richtung Lockdown kommen wird und startete schon in der Vorwoche einen Abverkauf auf die gesamte reguläre Ware - immerhin war man bereits im Frühjahr auf der Saisonware sitzen geblieben, weil die Geschäfte zusperren mussten.

„Es ist halt die Frage, wo Modegeschäfte bei den Umsatzentschädigungen eingestuft werden“, sagt Branchenkollegin Karin Eigner von Karins Kaufstrasse in Laa: „20 Prozent wären ein Hohn, 40 Prozent wären OK, damit kann man leben, 60 wären in Ordnung.“ Zumal gerade im Bekleidungshandel mit gehobener Mode in den letzten Wochen, auch mangels Gelegenheit, die modischen Teile zu tragen, wenig ging.

„Es ist halt die Frage, wo wir eingestuft werden: 20 Prozent wären ein Hohn, 40 Prozent wären OK, damit kann man leben, 60 wären in Ordnung.“ Karin Eigner, Karins Kaufstrasse Laa

„Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Elisabeth Habitzl, Bezirksvertrauensfrau der Friseure im Bezirk und Friseurin in Poysdorf: Die Friseure und Perückenmacher zählen zu einer jener Berufsgruppen, die 80 Prozent ihrer Vorjahres-Novembererlöse ersetzt bekommen. Keine Unterstützung wäre hart gewesen. Zumal Clusterbildungen bei Dienstleistern, im Gegensatz zum Privatbereich, nicht nachgewiesen worden waren und somit ein Friseurbesuch kein Ansteckungsrisiko war.

Wie reagieren die Kunden? „Sehr verständnisvoll“, sagt Habitzl.

„Beim ersten Lockdown war es erlaubt, Waren außerhalb des Verkaufslokals kontaktlos zu übergeben“, sagt der Wolkersdorfer Buchhändler Hans Sterzinger: „Das geht jetzt nicht mehr, da ein Buchkauf nicht zur „Deckung der notwendigen Grundbedürfnisse des täglichen Lebens zählt“, Sterzinger geht aber davon aus, dass er wieder Bestellungen kontaktlos zustellen darf. Sicherheitshalber wird er da aber noch bei der Wirtschaftskammer nachfragen.

„Der große Gewinner ist wieder Amazon. Es ist ja nicht sicher, ob wir wirklich am 7. Dezember aufsperren können. Ich glaube nicht, dass die Kunden warten werden“Buchhändler Hans Sterzinger

„Der große Gewinner ist wieder Amazon. Es ist ja nicht sicher, ob wir wirklich am 7. Dezember aufsperren können. Ich glaube nicht, dass die Kunden warten werden“, sagt Sterzinger: „Es wird natürlich auch der Umsatz im eigenen Webshop steigen, aber der Impulskauf im Ladengeschäft findet nicht statt und das ist auch nicht aufzuholen.“

Abwartend, wie viel Umsatz ersetzt wird, ist Peter Harrer vom Spielzeug- und Schreibwarengeschäft Harrers in Mistelbach: „Aber ich habe das Gefühl, dass die Leute schon manche Einkäufe vorgezogen haben.“ Adventkalender seien schon früh vergriffen gewesen, die Kunden hätten gespürt, dass da was kommt.

„Wenn ein Impfstoff wirklich Anfang 2021 verfügbar ist, dann wird sich hoffentlich alles normalisieren“, sagt der Stronsdorfer Personal- und Unternehmensberater Karl Weichselbaum: „Bei mir ist es ein Totalausfall von Präsenzveranstaltungen bei Gesundheits- und Verhaltenstrainings, Beratungen finden weitgehend telefonisch oder via Skype und Zoom statt“, sagt Weichselbaum. Aber: „Die ökonomischen Firmenreserven werden langsam knapp!“

Wenig Auswirkungen sieht Julia Wögerer, Chefin des Sägewerks und Rauchfangkehrer Libal in Mistelbach: Detailinfos der Innung habe sie zwar noch nicht, aber fix ist für sie, dass der Holzhandel geschlossen werde, Lieferung aber möglich bleibe. Und ihre Rauchfangkehrer werden weiter unterwegs sein: „Jetzt ist die Hauptsaison und viele Kehrungen wurden im März verschoben. Es ist wirklich viel zu tun“, sagt die Rauchfangkehrermeisterin. Ob das aber so bleibt, wagt sie nicht zu sagen.

„Ich muss sagen, dass der Lockdown mich persönlich momentan nicht so hart trifft, da ich noch einige Shootings vorher machen konnte und zum Glück auch noch andere Aufträge, die Portraitzeichnungen, habe“, sagt die Wultendorfer Fotografin Elke Wolfbeisser: „Aber für meine Kolleginnen und Kollegen, die nur auf die Fotografie angewiesen sind, wird es sicher schwierig.“ Sie hofft, dass dieser Lockdown wirklich nur bis 8. Dezember dauert und so vielleicht noch ein paar Shootings für Weihnachten gemacht werden können: „Auch wenn’s dann schon etwas knapp wird“, sagt Wolfbeisser. Notlösung wird dann wohl der Gutscheinverkauf sein.

„Ein weiterer Lockdown war vorhersehbar und nach der Zuckerbrot und Peitsche-Strategie ist das leider auch die beste Lösung“, sagt Autohändler Gernot Wiesinger aus Mistelbach: Die Unterstützungen für die Betriebe liefen jetzt wesentlich besser und planvoller als noch im März. „Für den Autohandel bedeutet es einen weiteren Rückgang auf einem bereits sehr niedrigem Niveau. Das wird vor allem ein Problem für die Zukunft“, sagt der Autohändler.

Kfz-Werkstätten bleiben geöffnet

Wichtig ist für ihn, dass die Kfz-Werkstätten für die Mobilität der Menschen da sind und geöffnet haben dürfen: „Niemand muss seinen Termin absagen, wir können alles erledigen, klarerweise wie bisher unter strengen Hygienevorschriften.“ Der „Schocklock“ im März sei in der Anfangsphase wesentlich schlimmer gewesen. „Wir alle sollten uns darauf einstellen, dass ein drittes Mal nicht ausgeschlossen ist und der 6. Dezember bei diesem Lockdown nicht das Ende ist.“

Ist der Lockdown 2.0 gerechtfertigt? „Ich hätte mir auch gewünscht, dass es nicht so weit kommt, aber als Arbeitgeber und Vater zweier schulpflichtiger Kinder habe ich Verständnis für Gewerbeeinschränkungen und Schulschließungen. Ich hoffe, dass alle Zweifler dieser Maßnahmen nicht erst aufwachen, wenn wir Schreckensbilder aus den Spitälern sehen“, hofft Wiesinger auf die Disziplin der Menschen.

Umfrage beendet

  • Ist der verschärfte Lockdown aus eurer Sicht notwendig?