„Hitze-Regelung am Bau kannst vergessen“. Seit 1. Mai gelten 32,5 Grad als neuer Maßstab – wie nutzen Arbeitgeber der Region die neue Regelung für ihre Arbeiter?

Von Christoph Szeker. Erstellt am 31. Juli 2019 (04:43)
Christoph Szeker
Auf schwarzen Straßen und ohne Schatten ist die Hitze für Arbeiter umso größer, besonders beim Ausbringen von heißem Asphalt.

„Wir haben das bewusst gefordert und auch bekommen“, betont Robert Vielnascher von der Gewerkschaft Bau-Holz zu der neuen Regelung. Dass Stunden mit über 32,5 Grad Celsius für Bauarbeiter als Schlechtwetter zählen, ist für ihn eine richtige Entscheidung. Denn die Belastung bei derartigen Temperaturen sei vor allem für den Kreislauf der Arbeiter sehr groß.

Leyrer + Graf

Ein Arbeiter auf einer Baustelle in der Region Mistelbach kann sich mit der Regelung aber nicht anfreunden: „Das kannst vergessen“, kommentiert er. Für ihn müsste es eine klare Vorschrift geben und nicht am Chef liegen, ob dieser seinen Mitarbeitern frei gibt. Denn nach seiner Erfahrung geschieht dies nur äußerst selten, auch von Kollegen in der Branche hört er dasselbe.

Stefan Graf von der Baugesellschaft Leyrer + Graf ist sich der Problematik ebenfalls bewusst: „Der Bau ist bekanntermaßen eine harte Branche, da die verrichteten Arbeiten in der Regel körperlich anstrengend sind und im Freien stattfinden“, sagt er. Gleichzeitig weist Graf auch darauf hin, dass Wetterextreme in den letzten Jahren zugenommen haben: „Wenn wir hier alle Regelungen anwenden und Möglichkeiten ausnützen würden, bekämen wir sehr bald massive Probleme mit den Bauzeiten“, verdeutlicht er die Zwickmühle der Bau-Unternehmer. Grafs Firma stellt den Arbeitern daher Getränke, Sonnencreme und Sonnenbrillen zur Verfügung.

Große Hitze kann für die Bauarbeiter dennoch zu einer Gefahr werden. Besonders bei Flämmarbeiten, auf Dächern oder auch beim Asphaltieren sind die Arbeiter Temperaturen jenseits der 32,5 Grad ausgesetzt. Besagtem Bauarbeiter sind jedenfalls einige Fälle bekannt, bei welchen es zum Kreislaufkollaps gekommen ist. „So lange der Körper es aushält“, habe er jedoch keine andere Wahl als weiter zu machen. Allerdings machen er und seine Kollegen Trinkpausen, wenn die Hitze zu groß ist.

„Einhalten ist billiger als ein Krankenstand“

Gewerkschafter Robert Vielnascher sind ebenfalls einige Fälle in Österreich bekannt, bei denen Arbeiter aufgrund der großen Belastung in der Hitze einen Kreislaufkollaps erlitten haben. An die Unternehmer appelliert er, die neue Regelung einzuhalten. Denn dies sei billiger als ein Krankenstand. Ein Problem mit der Regelung sieht Vielnascher derzeit noch bei der Vermittlung: „Die Techniker verstehen es nicht, weil sie im Büro sitzen“, sagt er. Allerdings geht er davon aus, dass sich mit der Zeit mehr Verständnis einstellt.

SPÖ

Um den Arbeitern die Tätigkeit bei hohen Temperaturen zu ersparen, versucht man bei Leyrer + Graf die heißesten Tageszeiten zu umgehen: „Wir verlegen auch – im Rahmen der Möglichkeiten – Arbeitszeiten und beginnen tendenziell früher, um der starken Nachmittagshitze nicht so stark ausgesetzt zu sein“, sagt Geschäftsführer Graf.

Der eingangs erwähnte Bauarbeiter könnte sich als Alternative zur Hitzeregelung ebenfalls andere Arbeitszeiten vorstellen: Zwei Stunden früher zu gehen, würde ihm helfen. Andererseits kann er die Firmenchefs aber auch nachvollziehen, da diesen selbst die Kunden im Nacken sitzen und Druck machen. Die Arbeit in der Hitze ist dennoch alles andere als angenehm und so mancher Anwohner hat dem Arbeiter und seinen Kollegen schon mit einigen Flaschen Wasser ausgeholfen.

Die Bereitschaft, über das Thema zu reden, ist in der Baubranche übrigens begrenzt: Die NÖN holte sich bei der Recherche eine lange Latte an Gesprächsabsagen.

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