"Homeschooling kann immer nur Ausnahmeregelung sein". Trotz Engagement der Eltern und Lehrkräfte zeigen sich Belastung und Lerndefizite bei den Schülern im Homeoffice.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:40)
Seit März sind die Schüler immer wieder im Homeschooling – vor allem in Gegenständen, wo es wenig Feedback gibt, sind die Lerndefizite erkennbar, sagen Lehrer und Schüler. Für Bildungsmanagerin Brigitte Ribisch kann das Lernen über Computer nur die Ausnahme sein.
Michael
Pfabigan

„Grundsätzlich funktioniert das Distance Learning viel besser als im Frühjahr“, berichtet Isabella Zins, die Direktorin des BORG Mistelbach. Die Lehrkräfte bemühen sich besonders um die mentale Begleitung der Schülerinnen und Schüler, und vor allem bei den Älteren scheint das Konzept gut zu greifen.

Auch Sandra Wachter, die Schulsprecherin des BORG, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Viele sagen, an Homeschooling könnten sie sich gewöhnen, weil man sich Arbeitsaufträge selbst einteilen kann und flexibler ist“. Dadurch lernt man natürlich auch, sich selbst zu organisieren und durch den Online-Unterricht lassen sich auch digitale Kompetenzen erwerben.

„Wir fragen uns, wie wir maturieren sollen!“ Sandra Wachter, Schulsprecherin BORG Mistelbach

Doch kann das Homeschooling Präsenzunterricht ersetzen und welche Herausforderung bringt es mit sich? Bildungsmanagerin Brigitte Ribisch ist sich bewusst: „Homeschooling kann immer nur eine Ausnahmeregelung sein und natürlich sind Defizite entstanden“.

Diese Lernlücken entstehen vor allem in Fächern ohne Onlinestunden und bleiben durch weniger Feedback von Lehrkräften oft unbemerkt. „Es ist leicht zu erkennen, dass wir Aufholbedarf haben, wenn man die Noten mit denen vorheriger Jahre vergleicht“, so Wachter.

Auch Paul Biswanger, Schulsprecher der HTL Mistelbach, sieht die Nachteile des Homeschoolings deutlich: „Der Verlust der sozialen Kontakte stellt für viele ein großes Problem dar“. Auch sind Schülerinnen und Schüler ohne eigenen PC stärker gefordert als andere.

Welche Lösung gibt es in so einer Situation? „Gegenseitige Rücksichtnahme innerhalb der Familie und ein straffer Terminplan helfen“, so Biswanger.

Auch lernschwache Kinder oder solche, die zuhause aus diversen Gründen wenig Unterstützung bekommen, leiden unter der Situation. Der Obmann des Elternvereins des BORG Mistelbach Ludwig Zickl bleibt jedoch positiv: „Der Großteil der Eltern ist sehr bemüht und unterstützt so gut wie möglich.“ Das Wichtigste ist laut Zickl, die Kinder zu motivieren und den Lerneifer aufrechtzuerhalten.

Können die Eltern jedoch nicht im Homeoffice arbeiten, müssen die älteren auf die kleinen Geschwister aufpassen und mit ihnen lernen.

Und wie sehen die Schülerinnen und Schüler die Zukunft? „Leider können wir es uns nicht aussuchen und müssen das Beste aus der Situation machen“, sagt Paul Biswanger. Doch vor allem für die Maturantinnen und Maturanten ist das schwer, sie stehen der Zukunft eher skeptisch gegenüber. „Wir fragen uns, wie wir maturieren sollen, immerhin war unser letzter regulärer Schultag der 13. März 2020. Da verliert man die Motivation und den Ehrgeiz“, erzählt Sandra Wachter.

Außerdem haben sie die Sorge, dass ihre Matura als geschenkt angesehen wird, obwohl der Weg der diesjährigen Maturaklassen so schwer war, wie selten zuvor. „Zwei zusätzliche Vorbereitungswochen kompensieren nicht die entstandenen Lernlücken“, so Schulsprecherin Sandra Wachter.

„Je länger der Lockdown dauert, umso größer wird das Lerndefizit der Kinder“Ludwig Zickl, Obmann des Elternvereins des BORG Mistelbach

„Je länger der Lockdown dauert, umso größer wird das Lerndefizit der Kinder“, weiß auch Ludwig Zickl. Positiv sei aber, dass durch die moderne Technik ein produktiver Unterricht abseits der Schule überhaupt möglich ist. Wahrscheinlich werden Computer den Unterricht auch in Zukunft stark beeinflussen. „Die Krise hat einen unglaublichen Innovationsschub in puncto Digitalisierung gebracht“, so Zins. „Doch Lernen braucht Beziehung.“

Wie lange genau das Homeschooling die Schulen noch begleiten wird, weiß wohl niemand genau. „Ich persönlich rechne nicht mehr damit, dass heuer wieder ganz normaler Unterricht stattfindet“, beurteilt Brigitte Ribisch die Situation.

Sie höre aber sowohl von Direktorinnen und Direktoren als auch von Lehrkräften immer wieder, dass ihnen die Kinder fehlen. Auch die Eltern wünschen sich, dass endlich wieder Normalität eintritt und Präsenzunterricht stattfindet. Als Schülervertreter ist sich auch Paul Biswanger bewusst: „Da müssen wir jetzt alle gemeinsam durch“.

Umfrage beendet

  • Ist die Rückkehr in die Schulen erst nach den Semesterferien sinnvoll?