Kultur-Lockdown: „Bereits großer Schaden“. Kulturstätten und Künstlern im Bezirk Mistelbach setzt die Zwangspause hart zu, das Verständnis für die andauernde Schließung fehlt und vor allem den Kinos fällt die Planung schwer.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:51)
Vorstellungen vor vollen Rängen, wie hier auf der Felsenbühne in Staatz: Davon können Kulturveranstalter und Besucher nur träumen. In der Kunstbranche hofft man für den heurigen Sommer auf das Beste.
Harald Schillhammer

“Wir können das absolut nicht nachvollziehen“, äußern sich Dolphi und Claudia Danninger vom Kultursalon Niederleis dazu, dass die Kulturbranche erst als eine der letzten nach dem Lockdown wieder aufsperren darf. „In der Kultur ist der Austausch zwischen den Menschen wesentlich und dem wurde bis dato der Garaus gemacht.“

Kinobesitzer Manuel Wiesinger aus Laa spricht auch die immer wieder verschobene Öffnung an: „Da wird das Licht am Ende des Tunnels weiter nach hinten gerückt und die Verzweiflung steigt bei jedem.“ Kinos, Theater und alle weiteren Kulturstätten sind schon seit geraumer Zeit geschlossen und wie lange das noch dauert weiß keiner - wie lässt sich unter solchen Umständen überhaupt die Spielsaison planen?

Das Schloss Kirchstetten plant zum Beispiel Veranstaltungen an der frischen Luft bzw. am Parkplatz und kann im Notfall auch mit dem halben Kontingent an Zuschauern arbeiten.

Während manche also optimistisch an die Planungen herangehen und schon ein Konzept für das gesamte Jahr erstellt haben, ist das für andere schon schwerer. Wie Manfred Asperger vom Verein film.kunst.kino in Mistelbach, der seit heuer das Kronenkino betreibt, weiß, haben hier besonders die Kinos Probleme: „Kinos brauchen eine gewissen Vorlaufzeit, um zum Beispiel Filme zu bestellen - von denen es darüber hinaus gerade kaum aktuelle gibt.“ Manuel Wiesinger stimmt dem zu, die Vorlaufzeit betrage bis zu drei Wochen und Verleiher müssten auch bereit sein, ihre Filme dann auf den Markt zu bringen. Inwiefern eine baldige Öffnung der Filmbranche möglich ist, wird sich also erst zeigen.

Doch nicht alle hat es so hart getroffen. So manche, wie das Kronen Kino in Mistelbach, konnten die Zwangspause nutzen, um zu renovieren.

Kann sich die Kulturbranche jedoch eine weitere Verschiebung der Öffnung leisten? „Unserer Meinung nach nicht“, meinen Dolphi und Claudia Danninger. „Wir denken, dass bereits nach drei Monaten ein großer und irreparabler Schaden angerichtet war.“

Bleiben die Einnahmen weiterhin bei Null, könnte das eine große Herausforderung für die Branche werden. „Das könnte natürlich auch das Ende bedeuten“, erklärt Michael Rosenberg vom Filmhof Asparn. Dort hofft man darauf, das 18. Filmhof-Festival ab Mai abhalten zu können.

Corona-Krise bedroht Künstler & Spielstätten

Die momentane Situation ist aber nicht nur für die Spielstätten, sondern auch für die Künstler eine Bedrohung. Manche retten sich mit einem zweiten Standbein über diese schwere Zeit, aber das gilt nicht für alle. „Viele unserer Künstlerkollegen sind auf die Ausübung ihrer künstlerischen Tätigkeiten angewiesen“, erklären die Danningers aus Niederleis. Für den Nachwuchs sei die Situation aber besonders herausfordernd.

Damit die Produktion nicht komplett eingestellt werden muss, setzen viele Betriebe auf das Streamen von Vorführungen. Für manche kommt jedoch auch das nicht in Frage. „Um eine gute Übertragungsqualität sicherzustellen, bräuchte es eine gehörige Finanzspritze“, erzählen Dolphi und Claudia Danninger. Außerdem wären Live-Konzerte nicht zu ersetzen, die richtige Atmosphäre und der Austausch zwischen den Künstlerinnen und Künstlern und dem Publikum würden fehlen.

Was wünschen sich die Betreiber der Kulturstätten im Bezirk für die nächste Zeit? „Ich wünsche mir, dass der Sommer von den Regeln her nicht schlechter ist als im letzten Jahr“, erzählt Stephan Gartner.

Natürlich verlangt die ganze Branche eine schnelle Öffnung, aber auch einfachere Maßnahmen und schnelle Lösungen sind gefragt. Manuel Wiesinger sagt hierzu: „Wir werden nicht warten können, bis diese Pandemie vorbei ist. Wir müssen mit dem Virus leben und brauchen intelligente und einfach umzusetzende Maßnahmen und Lösungen, um auch während der Pandemie wieder den Betrieb aufnehmen zu können.“

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