Landwirte: "Unsere Stärke ist Qualität“. Klima und wirtschaftliche Veränderungen stellen die Landwirtschaft vor fortdauernde Herausforderungen.

Von Florian Mark. Erstellt am 01. Juli 2020 (04:41)
BezirksbauernkammerobmannRoman Bayer sieht die Stärke der Weinviertler Landwirtschaft in ihren Qualitäts- und Umweltstandards.
Werner Kraus

Will die heimische Landwirtschaft am Markt bestehen, ist ihre Qualität sicherlich die Stärke, auf die sie am stärksten bauen kann. Das weiß Roman Bayer, Bezirksbauernkammern-Obmann. „Wir haben bei konventioneller Ware und Bioprodukten einen enorm hohen Umwelt-, Qualitäts- und Gesundheitsstandard und wir produzieren so nachhaltig, dass die nächsten Generationen noch Freiraum zum Wirtschaften haben.“

Dieser hohe Standard soll gegen kommende und bestehende Herausforderungen wappnen. Das seien einerseits Preisstürze am europäischen Markt - vor allem bei Biowaren - und andererseits reduzierte Erträge durch klimatische Bedingungen und Schädlinge.

Geringe Niederschläge im Winter

„Das Grundübel des heurigen Jahres sind die sehr geringen Niederschläge im Winter, die bereits beim Anbau von Frühjahrskulturen zu enormer Trockenheit führten“, sagt Biobauer und Unternehmer Robert Holzer aus Neubau. Die Auswirkungen auf die Getreidearten seien dabei unterschiedlich. „Die Erträge von Weizen, Wintergetreide (Anm.: Roggen, Wintergerste, Dinkel, Tritikale) und Sommergetreide (Anm.: Sommerbraugerste, Durumweizen) werden unterdurchschnittlich ausfallen, aber von einer Missernte kann man nicht sprechen“, gibt Holzer Auskunft. Bei der Herbsternte, darunter Kürbis, Mais und Sonnenblumen, könne man durch die jüngsten Niederschläge wieder optimistischer sein.

Die Frage nach der Auswirkung auf die Preise ist eine komplexe. Alfred Hiller, Geschäftsführer des Raiffeisen Lagerhauses Weinviertel Mitte, weist auf mehrere Faktoren hin. „Sowohl das langsame Anlaufen von Gastronomie und Hotellerie nach den Coronamaßnahmen, Warenüberhänge aufgrund zurückgehender Nachfrage durch Konsumenten und erschwerte Bedingungen am europäischen Markt werden in die Preisentwicklung einfließen.“ Für die Weinviertler Landwirte wären etwa um 20 bis 30 Euro höhere Weizenpreise aufgrund der unterdurchschnittlichen Ernte eine Notwendigkeit. Ob das Raiffeisen-Lagerhaus diesen Preis für die Landwirte erzielen können wird, würde sich in den nächsten Monaten zeigen. Entscheidend sei eine gute Qualität.

Und wie könnte man den Vorteil der hohen Qualität weiter nutzen? Für Roman Bayer liegt in der Regulierung Potenzial. „Für uns Landwirte wäre ein AMA-Gütesiegel auch für Mehl sehr wichtig, da es die Qualität hervorheben könnte. Bei den globalen Transporten von landwirtschaftlichen Produkten würde der kleinstrukturierten Landwirtschaft auch eine CO - oder Transportsteuer sehr helfen.“

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