Naturnahes Gärtnern: Unkraut als größtes Problem

Erstellt am 07. Oktober 2020 | 04:41
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Gerda und Landtagspräsident Karl Wilfing sind große Gartenfans - ihr Garten ist natürlich auf Natur im Garten zertifiziert. Als Politiker förderte er die Bestrebungen, dass auch Gemeinden dem Programm beitreten.
Foto: Werner Kraus
Natur im Garten: Elf Gemeinden machten bei Naturschutzprojekt mit, manchen fehlen nur wenige Punkte zur Teilnahme.
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„Wir haben nichts anderes als unsere Natur – darauf müssen wir schauen“, erklärt Brigitte Ribisch, die Bürgermeisterin der Natur im Garten-Gemeinde Laa an der Thaya. Sie ist sich bewusst, dass es beim verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt vor allem um die Bewusstseinsbildung geht.

Seit dem Beitritt zu Natur im Garten gelinge das besser und die Menschen arbeiten mehr zusammen, erzählt sie. Mit Unterstützung von Land und Bund machen auch Kindergärten und Schulen mit. „Damit Pflanzen, Tiere und Menschen gut miteinander leben können“, meint Ribisch stolz.

„Wir erfüllen ein einziges Kriterium nicht – die Freiheit von Glyphosat!“Thomas Ludwig, Bürgermeister Ladendorf

Das Projekt Natur im Garten fördert schon seit 1999 das naturnahe Gärtnern und somit die Artenvielfalt, den Pflanzenschutz, die Schaffung neuer ökologischer Räume und einiges mehr. „Außerdem gibt es ein sehr gutes Ausbildungs- und Beratungsangebot“, betont der Bürgermeister der Natur im Garten-Gemeinde Poysdorf, Thomas Grießl. Auch der früher für Natur im Garten zuständige Landtagspräsident Karl Wilfing findet, dass die Initiative ein Gewinn sei: „Sowohl für die Natur als auch für den Menschen.“

Ein aktuelles Projekt ist zum Beispiel die Kreisverkehrsgestaltung bei der Nordautobahn A 5 in Poysdorf, die 2021 umgesetzt werden soll. Außerdem werden vielerorts heimische Bäume nachgepflanzt oder Blühwiesen für Bienen und Schmetterlinge angelegt. Die Natur im Garten-Plakette wird in den Mitgliedsgemeinden auch an private Gärten mit naturnaher Bepflanzung und Pflege verliehen.

Strenge Auflagen

Die Mitgliedsgemeinden müssen sich jedoch strengen Auflagen unterziehen, wie zum Beispiel das Gärtnern ohne Chemikalien, weshalb der Beitritt manchmal ins Stocken kommt. Auch in Laa ist dieser Prozess nicht ganz reibungslos verlaufen. Bis noch vor Kurzem waren auch die Fußballplätze nicht von den Natur im Garten-Richtlinien ausgenommen, und das war ein großes Problem: „Der Fußballrasen hat gewissen Kriterien zu genügen“, erklärt Bürgermeisterin Ribisch. Erst als die Fußballplätze zur Ausnahme wurden, konnte die Gemeinde beitreten.

Einem ähnlichen Problem steht auch Ladendorf gegenüber, jedoch wurde hier noch keine Lösung gefunden. „Wir erfüllen ein einziges Kriterium nicht – die Freiheit von Glyphosat“, verdeutlicht Ladendorfs Bürgermeister Thomas Ludwig. Ohne das Unkrautbekämpfungsmittel komme man am Friedhof mit dem Gärtnern nicht nach, das Unkraut breite sich zu schnell aus. „Solange es keine vernünftige Alternative gibt, können wir nicht beitreten“, schildert Ludwig. Auch der Gemeinde Wildendürnbach geht es ähnlich, sie wollen gerne Mitglied werden und sind auf der Suche nach einer Lösung für das Unkrautproblem: „Seitens der Gemeinde sind wir daran, effektives Werkzeug zu suchen, um dem Unkraut Herr zu werden“, erklärt Bürgermeisterin Manuela Leisser. Sie ist aber zuversichtlich, dass ein Beitritt in naher Zukunft möglich ist: „Wir haben da schon viel vorgearbeitet.“

Auch einige andere Gemeinden wären gerne Mitglieder bei Natur im Garten, sind sich aber der Schwierigkeiten durchaus bewusst. Der Gemeinderat von Gaubitsch beispielweise hat vor Kurzem beschlossen, sich zuerst über die Auflagen und den damit verbundenen Mehraufwand genau zu informieren und einen möglichen Beitritt hierzu auf nächstes Jahr zu verschieben.

Und was könnte die Initiative noch verbessern? Im Hinblick auf die Kriterien von Natur im Garten bräuchte es mehr Plätze zum Verweilen im Grünen, auch in der Stadt. Wichtig wäre auch, dass das Projekt die Bevölkerung mehr zu umweltbewusstem Handeln motiviert, zum Beispiel durch Infoabende.

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