„Nicht nur ins Grüne wachsen“. Stadtgemeinden wollen langsam wachsen Von M. Höberth, I. Eisnecker und sich kontinuierlich verdichten.

Von Isabella Eisnecker, Michaela Höberth und Ingrid Fröschl-Wendt. Erstellt am 15. Februar 2017 (05:00)
Die Oberhoferstraße ist eines der Potenzialgebiete in Mistelbach. Hier will man die Baugründe, die noch in privater Hand sind, zugänglich machen.
Michael Pfabigan

In einer Sache sind sich die vier Bezirksstädte einig: Sie alle wollen wachsen, aber langsam und geplant. „Die Nachfrage nach Wohnungen und Grundstücken ist groß“, weiß Mistelbachs VP-Vizebürgermeister Christian Balon. Daher hat es sich die Stadt zum Ziel gemacht, neues Bauland zu erschließen - allerdings nicht auf der grünen Wiese, sondern im Kerngebiet.

Investition in Flächenmanagement

Ein großes Potenzial ist dabei die Oberhoferstraße: „Hier liegt viel ungenütztes Bauland, da es nicht zur Verfügung steht“, weiß Balon. Daher investiert man gezielt in Flächenmanagement. Ein Prozess, der sich über viele Jahre zieht.

„Es geht darum, ein Bewusstsein bei den Bewohnern zu schaffen“, will Balon das Gespräch mit den Grundeigentümern suchen. In Hörersdorf hat dieses Vorgehen bereits Früchte getragen: Hier konnten durch entsprechende Kommunikation zwei Bauplätze verfügbar gemacht werden.

Rund 11.000 Hauptwohnsitzer zählt Mistelbach aktuell, 1.000 bis 2.000 mehr könnte die Infrastruktur ohne Weiteres vertragen. Allerdings sollen sich die Bewohner - gleich ob zugezogen oder nur innerhalb der Gemeinde übersiedelt - mit der Stadt identifizieren. „Wir wollen keine Schlafstadt werden“, betont Balon. „Daher brauchen wir parallel zum Zuzug auch eine Entwicklung in der Wirtschaft. Es braucht vor allem produzierendes Gewerbe“, macht er klar.

Betreutes- und Junges Wohnen

Dem kann sich Wolkersdorfs VP-Bürgermeisterin Anna Steindl nur anschließen: Eine wachsende Stadt müsse in die soziale Infrastruktur investieren. „Natürlich müssen wir diese bereitstellen, wir haben schon vor fünf Jahren mit sechs Gruppen im Kindergartenbereich aufgestockt.

Genauso wichtig ist Betreutes Wohnen, über das man sich in diesem Zusammenhang Gedanken machen muss“, so Steindl. Wolkersdorf setzt vor allem auf junges Wohnen - Jugendliche und junge Familien stehen für die Stadtleitung an erster Stelle. Um dafür zu sorgen, dass sich der Zuzug in Grenzen hält, achtet die Gemeinde darauf, nicht zu viel Bauland zum Verkauf zu geben. Im Moment werden zwei neue Gebiete geprüft. „Wir wollen auch möglichst bodensparend vorgehen“, hat Steindl ein klares Konzept.

„Wir wollen keine Schlafstadt werden. Parallel zum Zuzug braucht es daher ein wirtschaftliches Wachstum.“Christian Balon, ÖVP Vizebürgermeister Mistelbach

In Laa wurde viel investiert, um die Stadt neu aufleben zu lassen: „Es konnte durch verschiedenste Maßnahmen - kontinuierlich hohe Investitionen in die Infrastruktur, Thermenprojekt als Impuls u.a. für Arbeitsplätze, Unterstützung der Wirtschaft - eine positive Bevölkerungsbilanz erarbeitet werden“, ist VP-Bürgermeisterin Brigitte Ribisch stolz. Was aber nicht bedeuten darf, dass Laa seinen Charakter einbüßt: „Wir wollen wie bisher ein Wachstum als idyllische Kleinstadt mit hoher Lebensqualität“, so Ribisch.

Das bringt natürlich auch viele Herausforderungen mit sich: Die Stadtleitung will sich klar gegenüber anderen Gemeinden positionieren und den bestehenden hohen Standard in vielen Bereichen halten und ausbauen. „Konkret geht es hier um Kindergärten und Schulen inklusive Kinderbetreuung, Betriebe und Arbeitsplätze, kommunale Versorgungssysteme sowie Versorgung für ältere Mitmenschen inklusive medizinischer Versorgung“, zählt Ribisch die Ansprüche auf.

"Poysdorfer wollen Hausbauen"

Poysdorf hingegen hat mit anderen Problemen zu kämpfen: „Die Poysdorfer wollen Hausbauen“, weiß VP-Bürgermeister Thomas Grießl. Die Stadt hat jedoch keine Gründe mehr, die sie heimatliebenden Bewohnern oder Zuzüglern zur Verfügung stellen könnte. „Es wird von Privaten nichts abgetreten, und wir wollen nicht nur ins Grüne wachsen“, macht Grießl klar. Auch attraktive Tauschgrundstücke kann die Gemeinde derzeit nicht bieten.

Auch hier heißt der Schlüssel Flächenmanagement: „Es wird eine Vortragsreihe der Gesunden Gemeinde zu dem Thema geben. Wir wollen bei den Bewohnern ein Bewusstsein für die Problematik schaffen“, erklärt Grießl. Es soll erhoben werden, wer verkaufen möchte und in welchem Zeitraum.

Während die Grundstückspreise in Poysdorf Stadt zwischen 60 bis 65 Euro liegen, ist das Wohnen in Wolkersdorf mit 200 bis 250 Euro pro Quadratmeter besonders teuer. Mistelbach liegt bei 130 bis 200 Euro, Laa bei rund 40 Euro. Am Land ist es deutlich billiger.

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