„Pflege-Beruf muss attraktiver werden“. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Roxanna Schmit. Erstellt am 10. Juli 2019 (09:40)
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Der Bedarf nach Pflege ist sehr hoch - das zeigt die grundlegende Studie des Altersalmanachs NÖ deutlich. Und es wird in den nächsten fünfzehn Jahren nicht weniger werden, wie die Zahlen vermuten lassen. In den drei Pflegedienst-Bereichen stationäre Pflege, 24-Stunden-Pflege und mobile Pflege wird die Nachfrage zum Teil sogar um die Hälfte steigen, so die Prognose.

Nach Veröffentlichung der Ergebnisse des neuen Altersalmanachs ist auch klar, dass die Einwohnerzahl generell stark wächst und somit auch die Anzahl der älteren und potenziell pflegebedürftigen Bewohner drastisch ansteigen wird. Im Bezirk Mistelbach lebten im Jahr 2018 exakt 75.691 Menschen, 2025 sollen es 77.270 sein. 5.167 dieser Bewohner sind über 80 Jahre alt.

„Der Personalmangel ist das große Problem, so wird die 24-Stunden-Pflege enden.“Maria Schmelzer, Leiterin der Caritas Mistelbach

Klaus Pavlecka, Leiter des Franziskus-Heims in Mistelbach, überraschen die Zahlen nicht: „Wir haben damit gerechnet. Die Bevölkerungsstruktur ändert sich, die Babyboom-Generation wird älter.“ Die Studie spielt für ihn eine große Rolle, denn die Pflegeeinrichtung soll bald umgebaut werden. Im Gespräch ist das Zusammenführen des Pflege- und Betreuungszentrums mit dem Mistelbacher Krankenhaus.

„Wir haben die Statistik gebraucht, sie ist für uns sehr wichtig“, macht Pavlecka klar. Das Pflegepersonal und die Unterbringungsmöglichkeiten seien gering, die Nachfrage steige stetig. Ein Faktor dabei ist der seit 1. Jänner 2018 abgeschaffte Pflegeregress, der den Zugriff auf das Privatvermögen der Heim-Bewohner unterbindet.

Auch in Poysdorf spürt man, dass die Nachfrage nach Pflege immer stärker wird. „Zum Glück haben wir das starke Hilfswerk mit 40 Mitarbeitern. Das Urbanusheim in Poysdorf ist immer voll, aber alle bekommen einen Platz.“, sagt Thomas Grießl, Vorsitzender des Vereins. Dennoch betont er auch, dass in Zukunft ein räumlicher Ausbau zur Unterbringung von weiteren Betten nötig sein wird.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Die Ursachen für die wachsenden Zahlen liegen auf der Hand: Das Hilfswerk NÖ erklärt auf Anfrage der NÖN, dass die Menschen immer älter werden und länger gesund bleiben. Trotzdem sei es vielen nicht mehr möglich, Alltägliches alleine zu bewältigen.

Deswegen sei die Hauskrankenpflege die wirtschaftlichste und beliebteste Lösung. Personen, die keine intensive Betreuung benötigen, hätten so die Möglichkeit, in den vertrauten vier Wänden zu bleiben.

Unter Hauskrankenpflege fallen auch die mobilen Krankenpflegedienste, wie Caritas, Hilfswerk, Volkshilfe und Rotes Kreuz, bei denen die Nachfrage 2035 laut der Altersalmanach-Studie um mehr als die Hälfte steigen wird. „Es ist natürlich verständlich, dass viele sich eine Haushilfe wünschen, um zuhause in der gewohnten Umgebung zu bleiben“, bestätigt Grießl. Die Pflegeeinrichtungsleiter Grießl und Pavlecka sind sich jedoch einig, dass fortan mehr denn je Personal gebraucht wird, aber es schwierig sein werde, welches zu finden. „Es gibt einen Mangel, wir schaffen es zurzeit gerade noch. Es sind aktuell alle Posten besetzt, aber in Zukunft?“, fragt Pavlecka.

Beruf muss in Österreich attraktiver werden

Maria Schmelzer, Leiterin der Caritas Mistelbach, befürchtet, dass durch den Pflegermangel Angebote wie der 24-Stunden Dienst nicht bestehen bleiben werden. Einen Grund hierfür sieht sie bei den Mitarbeitern aus den Nachbarländern: Bei verbesserten Arbeitsbedingungen in ihrem Land bestünde die Möglichkeit, dass sie nach Hause zurückkehren.

Pflegeberufe müssten demnach auch für Österreicher attraktiver werden: „Man muss versuchen, den Beruf attraktiver zu machen und den Menschen erklären, dass es nicht nur um Stuhl reinigen geht“, erklärt Schmelzer. Dabei sei der Bezirk Mistelbach hier noch im Vorteil, da es in ihrer Nähe Krankenpflegeschulen gibt. „Bei Kollegen in der Umgebung ist es ein deutlich größeres Problem“, weiß sie. Dennoch sind aktuell einige Stellen als diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger, Heimhilfe und Pflegeassistent offen.

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