Radfahrboom: Produktion kommt nicht nach. Die Nachfrage bei Fahrrädern im Bezirk Mistlebach, vor allem E-Bikes, ist durch die Krise groß, der Alltagsverkehr soll mehr gefördert werden.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 07. April 2021 (04:07)
Seit der Eröffnung 2018 sorgt das RadWERK-W4 in Poysdorf für den Verleih und Verkauf von Fahrrädern: Manfred Schulz, Reinhard Ebenauer, Markus Reidlinger, Karl Wilfing, Kurt Glock, Thomas Grießl, Susanne Reidlinger, Manfred Weismayer. 
Archiv/Werner Kraus

„Durch die Corona-Krise werden viel mehr Räder gekauft, weil die Leute mehr Zeit haben oder der Urlaub wegfällt“, erzählt Ludwig Hrebenda vom gleichnamigen Fahrradfachgeschäft in Wolkersdorf vom aktuellen Fahrradboom. Doch nicht nur die Freizeit wird am Drahtesel verbracht, auch Pendler legen kurze Strecken immer öfter mit dem Fahrrad zurück.

Die Nachfrage ist momentan so groß, dass die Produktion kaum noch nachkommt, sowohl neue Räder als auch einzelne Ersatzteile sind oft nicht verfügbar und dieses Phänomen wird sich bis in den Sommer noch verstärken. „Heuer ist es extrem, da werden sicher viele Räder stehen bleiben müssen“, weiß Hrebenda.

Besonders angestiegen ist die Beliebtheit der E-Bikes, diese machen mittlerweile mehr als die Hälfte der Fahrräder am Markt aus, Trend steigend. Potenziellen Käufern rät der Profi jedoch zur Vorsicht: „Die Unfallrate mit E-Bikes ist recht hoch, weil viele das unterschätzen, vor allem ältere Herrschaften“, betont Ludwig Hrebenda.

Angesichts der gut ausgebauten Radrouten im Bezirk lässt sich die neu entdeckte Lust am Fahrradfahren auch gut ausleben: Neben den Eurovelo-Radrouten 9 und 13, die durch den Bezirk führen, sind die Weinradwege, wie die Veltliner-Radtour, ein wichtiges Projekt im Bezirk.  Und es wird auch weiterhin investiert, weiß Dominik Hiller, der Projektleiter des Radtourismus vom Weinviertel Tourismus: „In den letzten Jahren haben wir viel in die Infrastruktur gesteckt, zum Beispiel in Rastplätze. Ein weiteres Projekt sind Selbstbedienungstationen mit Getränken direkt an den Routen.“

Auch die Verbindungswege für Radfahrerinnen und Radfahrer zwischen den Ortschaften sollen noch ausgebaut werden, da gäbe es laut Hiller noch Luft nach oben. „In Raum Poysdorf gibt es da aber zum Beispiel schon sehr viel“, so der Projektleiter.
Dort wurde auch 2018 das RadWERK-W4 eröffnet. Um Poysdorf als Raddestination weiter voran zu bringen, ist das professionelle Radgeschäft mit Verleih und Werkstatt ein „wahrer Segen“, betont Bürgermeister Thomas Grießl.

Auch das RadWERK-W4 profitiert vom E-Bike-Boom, vor allem da die sanft hügelige Landschaft rund um Poysdorf die ideale E-Bike-Landschaft darstellt. Sogar das Urbanusheim im Ort wurde mit einer E-Rikscha ausgestattet, um den Bewohnern eine Radausfahrt zu ermöglichen.
So wie in Poysdorf kümmert sich auch in Wolkersdorf die örtliche Radlobby als eine von 24 Gemeindegruppen um die Anliegen der Radfahrer vor Ort. Obwohl Veranstaltungen, wie der Wolkersdorfer Radbazar oder die Radparade, durch die Pandemie auf Eis gelegt werden müssen, mangelt es der Radlobby nicht an neuen Mitgliedern. „Wir haben permanent Zuwächse“, erzählt der Wolkersdorfer Gruppenverantwortliche Hermann Hiebner.

Vor allem fordert die Radlobby Gleichberechtigung für Radfahrende, und dass der Alltagsverkehr gefördert wird. „Da hinkt man noch hinterher“, beteuert Hiebner. Vielerorts seien die Regierungen sehr konservativ eingestellt, die Verkehrspolitik investiere großteils in den motorisierten Verkehr und baue Parkplätze statt Radwege. „Jetzt braucht es den Mut der Politik, sich von der autozentrierten Sichtweise zu lösen. Da ist aber noch viel Lobbyarbeit und Bewusstseinsbildung notwendig“, weiß Hermann Hiebner.
Auch die Zusammenarbeit mit der teils grünen, weniger konservativen, Regierung in Wolkersdorf gestaltet sich schwierig, was die Umsetzung radfahrerfreundlicher Pläne angeht. Dennoch erstellt man dort laut Hiebner gerade ein Verkehrskonzept, bei dem umweltfreundliche Mobilität eine Priorität darstellt. Außerdem organisiert die Radlobby mit den Wolkersdorfer Schulen die Aktion „BIKEline - gemeinsam mit dem Rad zur Schule“.„Oft lässt sich schon mit einfachen Mitteln einiges tun, um die Infrastruktur für Radfahrer zu verbessern“, meint der Gruppenverantwortliche.

Radservice ist im Frühjahr Pflicht

Und was ist nun zu tun, wenn man sein Fahrrad aus dem „Winterschlaf“ wecken und frühlingsfit machen möchte? Der Profi rät zu einem Service, das man mit dem richtigen Know-how zu Hause selbst durchführen oder den Experten in der Werkstatt überlassen kann.

„Die wichtigsten Komponenten sind dabei die Bremsen, die Reifen, das Licht und die Kette“, erklärt Ludwig Hrebenda. Wichtig sei, alles auf Betriebstüchtigkeit zu kontrollieren und nach Bedarf zu ölen. Dann steht dem nächsten Radausflug nichts mehr im Wege!

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