Rauchverbot: Stimmung unter Wirten gemischt. Wirte sind bezüglich Rauchverbot gespalten, manche setzen es ab März um.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 24. Februar 2018 (04:00)
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„In Italien konnte zwei Jahre nach dem Rauchverbot in Lokalen ein Rückgang der Herzinfarkte verzeichnet werden“, mit diesen Worten bricht Andreas Nagler, seines Zeichens Lungenfacharzt, für die Nichtraucher, passend zum „Rauchverbot-Volksbegehren“, eine Lanze.

Unter Ärzten wird, ihm zufolge, schon gar nicht mehr über das Thema diskutiert – der Fall sei abgehakt. Österreich ist in diesem Bereich ein Sonderfall, es sticht klar aus der Masse der europäischen Länder mit Rauchverbot hervor.

Das „Raucherproblem“ beschäftigt weiterhin das Land. Gesundheitlich sinnvoll ist fraglos nur eine Option: Nicht zu rauchen. Ob ein Verbot der richtige Weg zu diesem Ziel ist, ist eine andere Frage. Im Sinne des Nichtraucherschutzes kann dies allerdings mit Sicherheit bejaht werden.

„Wenn ich mit der Schnellbahn nach Wien fahre, kann ich auch 50 Minuten nicht rauchen. Kein Lokal sperrt zu, weil man nicht rauchen darf.“Walter Kruspel, Harlekin-Cafétier

Walter Kruspel, Chef des Mistelbacher Cafés Harlekin, ist daher genervt vom Verhalten der Regierung und entschied sich, sein Lokal ab 1. Mai als Nichtraucherlokal weiterzuführen: „Wir trauen uns das!“ Er ist überzeugt, dass für zehn Gäste, die er damit verlieren könnte, 50 neue kommen würden und unterstreicht, dass ihm 90 Prozent seiner Gäste positives Feedback zum geplanten Rauchverbot geben. „Das Problem in der Gastronomie ist nicht das Rauchen, es sind die Rahmenbedingungen“, so Kruspel. Wenn er etwa einem Mitarbeiter 100 Euro zusätzlich geben möchte, kostet ihn das 220 Euro.

Reinhard Kruspel: „Problem der Gastronomie ist nicht das Rauchen, es sind die Rahmenbedingungen.“
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Das Harlekin in Mistelbach ist nicht das einzige Nichtraucher-Lokal: Auch die Unternehmerfamilie Geier entschied sich, ihr neues Kaffeehaus am Hauptplatz als Nichtraucherlokal zu führen.

Ein Aspekt, der nicht untergehen sollte, ist jener, dass ein absolutes Rauchverbot für manche Wirtshäuser in kleineren Ortschaften tatsächlich ein Existenzproblem darstellen könnte. Wie kann sichergestellt werden, dass Wirtshäuser beim Übergang vom Raucherlokal zum Nichtraucherlokal im Geschäft bleiben? Zweifelsfrei wäre es schade, wenn diese Weinviertler Besonderheiten, welche doch die Dorfkultur ungemein bereichern, in Bedrängnis kämen.

Kruspel gibt zu bedenken: „Wenn ich mit der Schnellbahn nach Wien fahre, kann ich auch 50 Minuten nicht rauchen. Kein Lokal sperrt zu, weil man nicht rauchen darf.“ Wenn ein Lokal wegen des Rauchverbots zusperren müsste, läge das seiner Meinung nach am falschen Konzept. Außerdem verweist er auf ein weiteres Problem, mit dem sich Wirte wie er konfrontiert sehen: Praktikanten unter 18 Jahren dürfen nicht in die Raucherbereiche.

Krammer: "Arbeitnehmer werden vergessen"

Roland Krammer: „In der Diskussion werden die Arbeitnehmer vergessen!“
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In diese Kerbe schlägt auch Wirtevertrauensmann und Neunläuf-Wirt Roland Krammer: „In der Diskussion werden die Arbeitnehmer vergessen.“ Derzeit ist die Stimmung unter den Wirten bunt gemischt, aber überwiegend negativ. Das Hin und Her der Regierung erschwere es den Wirten, für die Zukunft zu planen.

Nichtraucher zu schützen sollte nicht das einzige Ziel der Politik sein, es ist zwar lobenswert, aber greift zu kurz. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass andere Schadstoffe, wie etwa der städtische Feinstaub, parallel weiter ein Problem sein werden. Hier kann laut Lungenfacharzt Andreas Nagler nicht priorisiert werden und es ist schwer, die verschiedenen Gefahrenpotenziale überhaupt zu vergleichen. An anderer Stelle könnte aber sehr wohl viel bewirkt werden, weiß der Lungenfacharzt:

„Wir haben in Österreich so gut wie überhaupt keine Therapieeinrichtungen für Leute, die mit dem Rauchen aufhören möchten. Eine Nikotinersatztherapie wird außerdem nicht von den Krankenkassen bezahlt, obwohl die Erfolgschancen damit mindestens doppelt so hoch sind wie ohne sie.“

„Die Aussichten, dass ich noch eine wirkungsvolle Rauchertherapie in Österreich erlebe, sind gering.“Lungenfacharzt Nagler

Es sei in der Politik kein Wille zu erkennen, diesen Zustand zum Positiven zu verändern und selbst wenn es zum Rauchverbot kommt, ist den Leuten, die gegen die Sucht kämpfen, wenig geholfen. Aufgrund dieses Mangels an Willens echte Problemlösungen einzuführen, mag manch einer den Verdacht hegen, dass beim Thema Rauchverbot von der Politik keine Lösung angestrebt wird.

Im NÖN-Gespräch hat Lungenfacharzt Nagler keine optimistische Prognose: „Die Aussichten, dass ich noch eine wirkungsvolle Rauchertherapie in Österreich erlebe, sind gering.“ Roland Krammer betont in diesem Zusammenhang, dass ein Verbot „für alle gleich“ sein muss, auch Veranstaltungen in Partyzelten sollten davon betroffen sein.